Gustav Metzger

Documenta Parcours #12



DOCUMENTA PARCOURS – STATION #12

Heutige Station unseres documenta-Parcours sind die filigranen Zeichnungen von Gustav Metzger. An dieser Stelle präsentiert art Ihnen Werke und Künstler der documenta 13.
// PETRA BOSETTI

Eine meterlange Galerie aus Zeichentischen, mit sandfarbenen Samttüchern verhüllt, macht neugierig. Die Stoffbahnen, die der Betrachter einzeln anheben muss, schützen empfindliche Zeichnungen vor dem Licht, das in die documentahalle fällt. Die großformatigen Blätter stammen vom 1926 geborenen deutschen, in London lebenden Künstler Gustav Metzger, der erst im neuen Jahrtausend wiederentdeckt wurde.

Freilich anders, als er sich auf der documenta präsentiert: Der Sohn aus einer jüdischen Familie, die den Holocaust nicht überlebte, begann in den fünfziger Jahren mit seiner "destruktiven Kunst": Im November 1959 veröffentlicht er sein erstes Manifest, in dem er eine Kunst mit einer "Lebensdauer, die zwischen ein paar Augenblicken und 20 Jahren schwankt" propagierte. Und: "Wenn sich der Zerfallsprozess vollendet hat, wird das Werk entfernt und vernichtet". Damit wurde der deutsche Exilant Anreger der Young British Artist. Und nun hat ihm Carolyn Christov-Bakargiev einen Ehrenplatz im Herzen der documenta eingeräumt. Fragil empfindlich, sogar verletzlich und vergänglich sind Metzgers Zeichnungen auf Papier – auch wenn sie manchmal von der Kraft der Farben förmlich zu explodieren scheinen: dynamische Akte oder stille Porträts, die dann aber auch kostbar schimmernd in betörenden Pastelltönen daherkommen, wie man sie in den Blättern von Edgar Degas schätzt.

Gustav Metzger (geb. 1926)

Der deutsch-britische Politaktivist und Künstler ist Begründer und Erfinder der "Auto Creative Art", der "Auto Destructive Art", "kinetischer Gemälde" und "Historic Photographs". Seine Arbeiten üben Kritik an der Vermarktung von Kunst und am kapitalistischen System. Ausstellungen: 2012 MMK, Frankfurt, 2010 Museum Tinguely, Basel und São-Paulo-Biennale.


Unsere bisherigen Stationen auf der documenta 13:

#11 Susan Philipsz
#10 Seth Price
#09 Lara Favaretto
#08 Goshka Macuga
#07 Kader Attia
#06 Michael Rakowitz
#05 Yan Lei
#04 Etel Adnan
#03 William Kentridge
#02 Roman Ondák
#01 Omer Fast

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