Alice im Wunderland der Kunst

Hamburg



VIKTORIANISCHER BESTSELLER

Lewis Carolls fantastischer Roman hat Künstler und Königin inspiriert. Jetzt zeigt die Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung mit Arbeiten rund um die Abenteuer des kleinen Mädchens.
// PETRA BOSETTI

Queen Victoria war entzückt von der Geschichte eines kleinen Mädchens, das im Traum in eine verzauberte, märchenhafte Unterwelt geraten war und deren Abenteuer ein gewisser Charles Lutwige Dodgson niedergeschrieben hatte. Sie soll den Autor gebeten haben, ihr seine anderen Werke zu schicken – und erhielt ein Mathematikbuch.

Denn der Autor des am 4. Juli 1865 erschienenen Erstlingswerk war Mathematiker, der sich später griffiger Lewis Carrol (1832 bis 1898) nannte. Das schmale Bändchen avancierte zum Bestseller und ist es bis heute: 1998 wurde eine der wenigen erhaltenen Erstausgaben für 1,5 Millionen Dollar versteigert.

Die Geschichte beginnt so: Während die Schwester der Titelheldin aus einem Buch vorliest, schläft Alice aus Langeweile ein. Und träumt von einem weißen Kaninchen, dem sie in seinen Bau folgt – und in einer verwunschenen Welt landet. Darin bevölkern so bizarre Figuren wie ein sprechender Hase mit Weste und Taschenuhr, eine körperlose, grinsende Katze, die sich in Luft auflöst, ein sehr lebendiges Kartenspiel mit einer despotischen Herzkönigin, ein Krocketspiel, in dem Flamingos als Schläger und Igel als Spielkugeln dienen, der eierköpfige Humpty Dumpty oder die hässlichen Zwillinge Tweedledee und Tweedledum. Sie wurden in den Buchillustrationen von Sir John Tenniel (1820 bis 1914) unsterblich.

Wie Alices surreales Wunderland Künstler folgender Generationen anregte, ist jetzt in der Hamburger Kunsthalle unter dem Titel "Alice im Wunderland der Kunst" zu erleben; die Schau war in veränderter Form zuvor in der Tate Gallery Liverpool zu sehen. Vor allem Surrealisten und Symbolisten bedienten sich Lewis Carrols Phantasien: Salvador Dali illustrierte 1966/73 eine Luxusausgabe des Werks, Max Ernst verlegte Alice in ein schauriges Kriegsszenario ("Alice 1941"). Mit Peter Blake hielt Alice Einzug in die Pop Art – sein melancholisches Mädchenporträt ist eine Illustration zu Carrols Folgeroman "Alice hinter den Spiegeln".

Und auch den Gegenwartskünstlern ist Alice Inspiration: In Hamburg ist etwa eine Fotoarbeit mit schwebender Alice von Anna Gaskill zu sehen, und die Amerikanerin Kiki Smith übertrug eine alte Buchillustration auf die große Leinwand.

Ausstellungskatalog

Der Katalog zur Ausstellung "Alice im Wunderland der Kunst" ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 29,80 Euro

http://www.hatjecantz.de

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1 Leserkommentar vorhanden

Petra Bause

09:32

19 / 07 / 12 // 

Hierzu mehr: http://urbanshit.de/?p=9070

Wenn den Kuratoren nichts Besseres einfällt, dann doch lieber im öffentlichen Raum auf gute Kunst treffen: http://urbanshit.de/?p=9070

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