Faber-Castell-Preis für Zeichnung

Nürnberg



HERAUSTRETEN AUS DEM SCHATTEN DER MALEREI

Skizze, Entwurf, Vorzeichnung: Oft genug leidet die Zeichnung unter dem Image, eine reine Hilfstechnik zu sein. Dem will nun ein neuer Kunstpreis entgegentreten: Der fränkische Schreibwarenhersteller Faber-Castell prämiert alle drei Jahre junge Künstler, die sich dem uralten Medium ernsthaft zuwenden. Die Premiere in Nürnberg ist vielversprechend.
// CORNELIA GOCKEL

Der Reiz der künstlerischen Handzeichnung liegt in der Unmittelbarkeit, mit der Gedanken und Ideen zu Papier gebracht werden. Außer für Skizzen, Entwürfe und Vorzeichnungen nutzen aber auch viele Künstler das Medium, um daraus eigenständige Bildwerke zu entwickeln.

Im Nürnberger Neuen Museum sind mit Sevda Chkoutova, Trisha Donnelly, Sabine Moritz, Paulina Olowska und Jorinde Voigt gleich fünf jüngere Künstlerinnen versammelt, die mit ganz unterschiedlichen Ansätzen die Möglichkeiten der Zeichnung ausloten.

Mit der Ausstellung feiert der "Internationale Faber-Castell-Preis für Zeichnung" Premiere. Er soll künftig alle drei Jahre vergeben werden und ist mit 15 000 Euro dotiert. Seit 1979 fördert der fränkische Schreibwarenhersteller Faber-Castell zeitgenössische Kunst, nun soll die Zeichnung im Mittelpunkt stehen, „ein Medium, das zu Unrecht auch heute noch häufig im Schatten anderer Gattungen wie der Malerei, der Skulptur oder des Videos steht“, wie der Vorstandsvorsitzende Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell erklärte.

Die Gewinnerin ist: Trisha Donnelly, amerikanische Künstlerin, geboren 1974. "Ihr Schaffen zeichnet sich aus durch subtile Umgangsweise mit dem Medium, konzentrierte und präzise Setzung im Raum und Einbeziehung anderer Techniken", begründete die international besetzte Jury ihre Entscheidung. Im neuen Museum präsentiert Trisha Donnelly eine Versuchsanordnung aus Zeichnung, projiziertem Bild und Video – ein vage formuliertes Bezugsfeld mit Anspielungen auf die An- und Abwesenheit von Objekten.

Die Entscheidung der Jury war einstimmig, obwohl auch die anderen nominierten Künstlerinnen beeindruckende Arbeiten zeigten. Jorinde Voigt etwa überzeugt mit poetisch-wissenschaftlichen Analysen von Geräuschen, Luftströmen und Horizontlinien; auf riesigen Papierbahnen ist ein zartes Liniengeflecht entstanden. "Meine Arbeit ist als Denkmodell zu verstehen", erklärt sie ihren künstlerischen Ansatz. Auf realen Ereignissen basieren die expressiven Zeichnungen von Sabine Moritz. Sie zeichnet Flugzeuge, Hubschrauber und Schiffe mit farbiger Pastellkreide und Kohle nach Medienbildern, ohne jedoch auf den konkreten Zusammenhang zu verweisen.

Eine melancholische Stimmung vermitteln die Schauspieler eines polnischen Puppentheaters, die Paulina Olowska in feinen Bleistiftzeichnungen porträtiert hat. In ihren phantasievollen Kostümen erscheinen sie wie märchenhafte Gestalten aus einer anderen Zeit. Den alltäglichen Wahnsinn zwischen Kindern, Kunst und Küche dokumentiert die bulgarische Künstlerin Sevda Chkoutova. Ihre intimen, kleinen Zeichnungen alltäglicher Motive verdichtet sie im Neuen Museum zu einer großen Wandinstallation. Die Arbeit ist eine Hommage an ihre Mutter, die wegen der Kinder ihre künstlerische Karriere als Sängerin aufgegeben musste.

Ausstellung im Neuen Museum

Die Ausstellung zum "Internationalen Faber-Castell-Preis für Zeichnung 2012" ist noch bis zum 21. Oktober 2012 im Neuen Museum in Nürnberg zu sehen.

http://www.nmn.de

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