Tate Tanks

London

Tanz im Tank
Installationsansicht von Sung Hwan Kims "The Tanks Commission", 2012 (© Sung Hwan Kim)

TANZ IM TANK

Die Londoner Tate Modern hat die unterirdischen Öltanks des ehemaligen E-Werks Bankside zu Galerien umbauen lassen, in denen Filme, Videos sowie Installationen und Live-Performances gezeigt werden sollen.
// HANS PIETSCH

Für Tate-Direktor Nicholas Serota ist die Eröffnung der Öltanks ein vorläufiger Höhepunkt seines Kreuzzugs, das Museum des 21. Jahrhunderts zu schaffen – "eine neue Art von Massenmedium", wie es Chris Dercon, Direktor der Tate Modern, nennt.

Schon als er die unterirdischen Tanks, in denen das Öl für die Turbinen des E-Werks gelagert wurde, zum ersten Mal sah, so Serota, habe er sie sich als Ausstellungsräume für neue Medien und Performance vorgestellt. "Die Besucher sind es leid, abstrakte Systeme zu sehen", so Dercon vor der Presse, "sie möchten lebendige Körper sehen. Deshalb dringen Performance und Tanz immer stärker ins Museum ein." Um diese Art von Kunst gebührend zu zeigen, so die beiden Museumsleute, seien weder der White Cube noch die Black Box geeignet.

Dem Basler Büro Herzog de Meuron, das auch das E-Werk zur Tate Modern selbst umgebaut hat, fiel die Aufgabe zu, aus den seit der Stillegung des E-Werks 1981 brach liegenden Öltanks benutzbare Galerieräume zu machen. Keine leichte Aufgabe, denn die beiden runden Gefäße sind immerhin sieben Meter hoch und haben einen Durchmesser von mehr als 30 Metern. Die brillante Lösung der Architekten ist, die Tanks weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand zu belassen, inklusive der Betonverkleidung und der die Decke tragenden Säulen. Ihr einziger sichtbarer Eingriff betont noch die Dramatik der Räume: eine Reihe von schräg in den Raum ragenden Betonpfeilern, die Teil des Fundaments des darüber entstehenden neuen Anbaus der Tate Modern sind.

Herzog de Meuron schufen einen riesigen, von der Turbinenhalle aus erreichbaren und ebenfalls mit Beton verkleideten Eingangsbereich, von dem aus man in die beiden Tanks gelangt. Der Ost-Tank ist endlos variabel in seiner Anordnung, hier werden Installationen und Filmarbeiten gezeigt. Beginnend mit einer neuen Arbeit von Sung Hwan Kim, in der der Koreaner seinen eigens dafür gedrehten Film "Temper Clay" (2012) mit einer älteren Arbeit verbindet. Die beiden von ihm geschaffenen Räume, in denen er seine Filme zeigt, sind durch eine Glaswand voneinander getrennt, die in der Dunkelheit auch als Spiegel wirkt.

Der für Live-Performance gedachte Süd-Tank ist ein leerer Raum, der auf die unterschiedlichste Weise bespielt werden kann. Den Anfang macht hier die belgische Choreografin Anne Teresa de Keersmaeker mit einer neuen Bearbeitung ihrer frühen Arbeit "Fase" von 1982, mit Musik von Steve Reich – vier hypnotische Duette für zwei Tänzerinnen, nach vier ebenso hypnotischen Kompositionen des amerikanischen Minimalisten. Eine Tour de Force für die Tänzerinnen, eine von ihnen die Choreografin selbst, die den unendlichen Wiederholungen der Musik folgen müssen, die aber erstaunlicherweise von dem gewaltigen Raum nicht erdrückt werden, sondern deren Bewegungen ihn fast zum Singen bringen.

Das 15-wöchige Festival "Art in Action", mit dem das Programm in den Öltanks eröffnet wird, stellt unter anderem Künstler wie Tania Bruguera, Hague Yang und den jungen Jeff Keen sowie Choreografen wie Boris Charmatz vor, und ein hauptsächlich für jugendliche Besucher konzipiertes Mini-Festival untersucht das Nebeneinander von Subkultur und etablierter Kultur. Wie es nach Weihnachten in den Tanks weitergehen soll, ist noch nicht klar, und wird, so die Tate, weitgehend von den Bauarbeiten an dem Erweiterungsbau abhängen

Tate Modern: The Tanks

Im Rahmen der "Art in Action"-Serie der Tate Modern finden in den nächsten Tagen eine Reihe von Veranstaltungen in den Tanks statt:

18. – 20. Juli: Anne Teresa De Keersmaeker

21. Juli: Inside/Outside: Materialising the Social

21. Juli: Eddie Peake: Amidst A Sea Of Flailing High Heels and Cooking Utensils, part 1

22. Juli: Anthony McCall

http://www.tate.org.uk

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