Robert Crumb

Paris



UNKORREKT, SEXY, KOMISCH

Seit 50 Jahren begleitet der amerikanische Künstler Robert Crumb das Zeitgeschehen mit bissigen Cartoons aus dem Underground. Das Pariser Museum für Moderne Kunst ehrt ihn nun mit der ersten großen Museumsretrospektive.
// HEINZ PETER SCHWERFEL

Kaum ein anderer Künstler hat ähnlich konsequent und anarchisch die Grenzlinien zwischen Cartoon, Karikatur, Zeichnung und Illustration verwischt wie der Amerikaner Robert Crumb. Immer vorlaut und politisch unkorrekt, provozierend sexy und hinreißend komisch, begleitet Crumb mit nervösem Federstrich seit einem halben Jahrhundert die Zeitgeschichte mit respektlosen Kommentaren.

Dabei macht er keinesfalls Halt vor der eigenen Person, seinen Ticks, Obsessionen, Liebesabenteuern und Lebensanschauungen, die immer wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit blieben. Nun ehrt das städtische Pariser Museum für Moderne Kunst den seit Ende der achtziger Jahre mit seiner Frau Aline zurückgezogen in Südfrankreich lebenden Amerikaner mit seiner ersten Museumsretrospektive. Mehr als 700 Zeichnungen, darunter zahlreiche Selbstbeobachtungen, 200 historische Comics, Skizzenbücher, Filme und Fotos zeigen, wie Crumb Mitte der sechziger Jahre Mitbegründer des amerikanischen Underground-Comics wurde.

1943 in Philadelphia geboren, dann in Cleveland lebend, kam Crumb 1967 pünktlich zur Hippie-Welle nach San Francisco und erfand dort den reaktionären Alternativ-Guru Mr. Natural, einen kahlen Mystiker mit Rauschebart, der gegen die teuflischen Erfindungen der Zivilisation wetterte. In den Siebzigern entwarf Hobbymusiker Crumb zahlreiche Plattencover, anschließend arbeitete er unter anderem mit Schmuddel-Poet Charles Bukowski, ehe er, angeekelt vom Land der Yuppies und Börsenbroker, nach Frankreich umzog.

Ausführlich geht die Pariser Ausstellung auf die 2009 nach vierjähriger konzentrierter Arbeit veröffentlichte "Genesis" ein, das mit für Crumb erstaunlicher Zurückhaltung illustrierte Buch der Schöpfung, das trotzdem nur für Erwachsene freigegeben wurde. Und natürlich darf Crumbs populärste Figur nicht fehlen, der bereits 1959 erfundene, aber erst Mitte der sechziger Jahre bekannt gewordene Fritz the Cat, ein krimineller Kater, eitel und sexgeil, der in Supercity lebte, einer Millionenstadt, deren tierische Bewohner in Auftritt und Verhalten den Menschen verdächtig ähnlich sind.

Crumb

Termin: bis 19. August, Musée d’art moderne de la Ville de Paris, der Katalog in Französisch/Englisch kostet 29 Euro

http://www.mam.paris.fr

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