Arnold Hau

Neue Frankfurter Schule

Arnold Hau lebt
Acht Fäuste für ein Halleluja: Bernd Eilert, Arend Aghte, F. K. Waechter und Robert Gernhardt (v.l.) (Foto: © Irene von Mehring)
ARNOLD HAU LEBT
Erstmals auf DVD: Das fast schon vergessene filmische Gesamtoeuvre der Gruppe Arnold Hau. Die großartigen Kurzfilme von F. K. Waechter, Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Arend Aghte, bezaubern auch nach über dreißig Jahren noch durch ihren wunderbar anarchischen und perfiden Humor.
// ALAIN BIEBER

Fichten, Tannen, Kiefern. Eine langsame Kamerafahrt entführt den Zuschauer in das Unterholz eines Mischwaldes. Leise zwitschern Vögel im Hintergrund. Dann erscheint der Titel des Films – und bricht abrupt mit dieser urdeutschen Idylle: "Der Bayrische Wald mit den Augen eines Arschfickers gesehen." Nach wenigen Minuten ist alles schon wieder vorbei – aber man wird nach diesem Kurzfilm die deutsche Eiche mit neuen Augen sehen.

Aus: "Die Hau Schau", 1974

Perfider Humor und virtuose Absurditäten waren die Stärke der Gruppe Arnold Hau um F. K. Waechter, Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Arend Aghte. Deren Geschichte begann 1966 mit dem Buch "Die Wahrheit über Arnold Hau". F. K. Waechter, Robert Gernhardt und F. W. Bernstein hatte eine fiktive Monografie über das Leben – und unterschätzte Werk – des fiktiven Dichters, Denkers, Zeichners, Malers und Städteplaners Arnold Hau veröffentlicht. Das Trio gehörte zur damaligen Gründungsredaktion der literarisch-satirischen Zeitschrift "Pardon" – und gründete 1979, zusammen mit weiteren Weggefährten, auch das Satiremagazin "Titanic".

"Pardon" wurde schnell zum Publikationsorgan der so genannten Neuen Frankfurter Schule (NFS), die später als Hochburg der deutschen Hochkomik in die Geschichte einging. Die NFS bezog sich auf die philosophische Lehre von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, unterlief diese aber ironisch, indem sie eine systematische Sinnverweigerung betrieb.

Von dem Werk "Die Wahrheit über Arnold Hau" fasziniert, stießen Bernd Eilert und Arend Aghte zu der Frankfurter Truppe und regten an, Arnold Hau auch noch zu einem Filmregisseur zu machen. So entstanden das Humorquartett – und zahlreiche Drehbücher, filmische Skizzen und Kurzfilme wie "Der Bayrische Wald mit den Augen eines Arschfickers gesehen".

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