03 / 04 / 2008
Thomas Demand
Hamburger Kunsthalle
PAPIERRÄUME DES VERBRECHENS
"Das meiste Geld habe ich in die Stellwände gesteckt," sagt Demand und zeigt begeistert auf die grautapezierten Stellwände. So eine Aussage erwartet man nicht von einem Künstler, dessen große Ausstellung "Camera" am Freitag in der Hamburger Kunsthalle eröffnet wird. Schließlich sind die Trennwände nur als Hintergrund der ausgestellten Fotografien gedacht.
In dieser eigens für die Galerie der Gegenwart entwickelten Installation zeigt die Hamburger Kunsthalle Werke aus den Jahren 2005 bis 2007. Es geht um Verbrechen, Beweisfotos und Überwachungen. Klingt alles sehr politisch und aktuell, doch Thomas Demand macht keine politische Kunst. "Ich weiß gar nicht, was das eigentlich sein soll", behauptet er.
Der 1964 in München geborene Demand macht Kunst, die sich nicht wirklich einordnen lässt. "Ich bin weder ein Maler, noch ein Fotograf, eigentlich bin ich ein Bildhauer", sagt er. Ein Bildhauer, der Fotos macht, wäre wohl am treffendsten. Denn beim zweiten Blick auf seine Fotografien bemerkt man, dass es sich bei der Abbildung nicht um einen existierenden Raum, sondern um eine Rekonstruktion handelt. Alle Möbel, Gegenstände, ja sogar die Wände auf dem Foto sind aus Papier und Pappe gebastelt.
Als Student der Bildhauerei in Düsseldorf hatte Demand begonnen, kleine Skulpturen aus Papier zu bauen und sie mit Hilfe von Fotografien zu dokumentieren. Die Entscheidung, gerade so eine Kunst zu machen sei "keine Ich-wache-morgens-auf-und-mache-das-jetzt-Entscheidung, sondern ein evolutionärer Prozess" gewesen. "Ich habe mit kleinen Papierskulpturen vor der Kamera herumexperimentiert und dabei entdeckt, dass, sobald mehrere Objekte auf einem Foto auftauchen, sie immer auch Fragen nach ihrem Ort und dem narrativen Kontext hervorrufen", erzählt er. "Außerdem sind die Kommunikationsmöglichkeiten von Fotografie viel größer als die der Malerei." Und so kommt es auch, dass Demands Bilder dem Betrachter bekannt vorkommen. Grund für diese Assoziation ist die Quelle, aus der der Künstler seine Informationen schöpft: die Klatsch- und Skandalpresse.
03 / 04 / 2008
