Hommage an Misia

Paris



LIEBE IN ZEITEN DER BELLE EPOQUE

Im Pariser Musée d'Orsay macht derzeit eine Ausstellung zu Misia eine der einflussreichsten Musen aller Zeiten noch ein bisschen unsterblicher
// BARBARA HEIN

Was war das für eine Frau? Was hatte sie, das alle Männer, die in Paris um 1900 nur entfernt etwas mit Kunst und Kultur im Sinn hatten, so magisch anzog? Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Félix Vallotton, Henri de Toulouse-Lautrec, Auguste Renoir sind nur einige, die wunderbare Bilder malten von dieser "Misia". Aber es waren ja längst nicht nur die Maler ihr verfallen, nein, auch die Komponisten und Dichter und Journalisten und Tänzer und Choreografen.

"Misia, die Salonfürstin von Paris" heißt die Schau, mit der nun das Musée d’Orsay versucht, dem Geheimnis der Über-Muse der Belle Epoque auf den Grund zu gehen. Gezeigt werden rund 220 Exponate, vorwiegend Gemälde und Fotografien, aber auch Partituren und Briefe ihrer Verehrer. Höhepunkte sind die malerischen Huldigungen der "Nabis"-Gruppe, zu der Vuillard, Bonnard und Vallotton gehörten. Darüber hinaus werden Kleidungsstücke Misias zu sehen sein, die bekannt war für ihr Stilbewusstsein, welches nicht zuletzt durch ihre enge Freundschaft zu Coco Chanel beeinflusst wurde.

Misia wurde 1872 als Marie Sophie Olga Zénaïde Godebska bei St. Petersburg geboren als Tochter eines polnischen Bildhauers und einer belgisch-russischen Mutter, die kurz nach Misias Geburt starb. Schon bevor Misia als kleines Mädchen zu ihrem Vater und seiner neuen Frau nach Paris kam, war sie im Haus ihrer belgischen Großmutter bei Brüssel Meistern wie Franz Liszt begegnet, auf dessen Schoß sitzend sie Klavier gespielt haben soll. Zu dieser Zeit wurde ihr ein musisches Ausnahmetalent attestiert, das sie allerdings nie zur Vollendung führte. Ihre außergewöhnlichste Gabe muss ihre Ausstrahlung gewesen sein, denn schon als Teenager schrieb Stéphane Mallarmé ihr Gedichte auf den Fächer und Claude Debussy spielte ihr aus seiner noch unvollendeten Oper "Pelléas and Mélisande" vor. Ihre Ehe mit Tadeusz Natanson, Herausgeber des Magazins "La revue blanche", endete, als ihr Gatte sich vor dem Bankrott rettete, indem er Misia an Medienmagnat Alfred Edwards abtrat – der nichts Geringeres als sie gefordert hatte für seine Hilfe. Misia nutzte den finanziellen Status unter anderem, um das "Ballets Russes" zu finanzieren, mit dessen Gründer Sergej Diaghilew sie eng befreundet war. Ihr dritter Mann war der spanische Maler José Maria Sert, den sie so leidenschaftlich geliebt haben soll, dass sie lange eine Dreiecksbeziehung mit seiner Geliebten Roussadana Mdiwani duldete. Alkohol- und Drogenrausch gehörten zu diesem extravaganten Leben, das 1950 in Paris endete, ebenso dazu wie Salons, Landpartien und Mäzenatentum. Wie erfüllt oder tragisch das alles war, kann wohl auch diese Ausstellung nicht endgültig beantworten – aber noch ein wenig unsterblicher wird Misia sicherlich durch sie werden.

Misia, Queen of Paris

bis 9. September 2012 im Musée d'Orsay, Paris

http://www.musee-orsay.fr

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