Made in Germany zwei

Hannover



FLAUES HERUMEIERN

Die zweite Überblicksschau zu in Deutschland produzierter Gegenwartskunst enttäuscht mit unstimmigen und schwammig formulierten Konzepten. Dabei mangelt es der Ausstellung nicht an guten Künstlern
// BIRGIT SONNA

Die Erwartung war groß. Immerhin hatte sich vor fünf Jahren parallel zur documenta mit der ersten Ausgabe von "Made in Germany" so etwas wie eine kleine Schwester zur weltweit bedeutendsten Großausstellung zur zeitgenössischen Kunst herausgeschält. Auch die wirklich exzellente Künstlerliste ließ hoffen.

Denn mit den 45 in Deutschland arbeitenden Künstlern – darunter allein 33 in Berlin – sind viele der eigenwilligsten Protagonisten der Szene versammelt. Und wir bekommen, abgesehen von ein paar vernachlässigbaren Petitessen, qualitativ hochrangige und intellektuelle Kunst jenseits von pubertär verkürzten Politbotschaften zu sehen. Dennoch verlässt man "Made in Germany Zwei" mit so einem merkwürdig flauen Gefühl in der Bauchgegend, als hätte man gerade einen Liter Orangensaftkonzentrat auf nüchternen Magen getrunken.

Das liegt wohl daran, dass sich mehrere konzeptuelle Unstimmigkeiten in dieser auf Sprengel-Museum, Kestnergesellschaft und Kunstverein Hannover aufgesplitteten Ausstellung kreuzen. Zum einen sind zu viele Auskoppelungen aus Präsentationen zu sehen, die bereits auf der Art Basel, bei "Based in Berlin" oder gerade erst in Galerien zu sehen waren. Möglicherweise waren auch mit neun Kuratoren zu viele Verantwortliche am Werk, so dass sich die Perspektiven vernebeln. Die aus den Künstlerbeiträgen herausgelösten Themenkomplexe führen ins Leere, zumal sie schwammig formuliert sind.

So ist etwa das Herumeiern um das Revival des Handwerklichen unter dem Titel "Medium als Material" verkorkst geraten. Von der hier eingereihten Künstlerin Alexandra Bircken hat man bereits komplexere textile Arbeiten gesehen als ihre buchstäblich schlappe Stoffsäule. Und so reflektionsstark Olaf Holzapfels nach einer alten polnischen Flechttechnik fabrizierten Heubilder sind – sein skulpturales Holzkonstrukt im Sprengel-Museum vernichtet den ganzen Raum mit einem einzigen plumpen Schlag, als sei es eine Guillotine.

Zu den markant aus dem Rahmen fallenden künstlerischen Behauptungen zählten Michael Riedels aalglatt kunstmarktkompatibel in den Raum übertragenes Ornament aus transkribierten Kuratorengesprächen. Oder auch der Auftritt von Ulla von Brandenburg: Sie führt auf eine Bühne aus Theatervorhängen und Seilen wie in die Verstrickungen zwischen Schein und Sein ein. Mike Bouchet lässt im Video ein Paar in einem Pool aus eigens von ihm produzierter Diätcola baden – das Resultat ist naturgemäß klebrig und sehr unsexy. Am gelungensten ist der installative Gesamtaufbau im Kunstverein mit 303 frei im Raum aufgehängten Uhrengewichten von Alicja Kwade. Am liebsten würde man an den Pendeln ziehen, um so die ganze Casting Show etwas in Schwung bringen.

Made in Germany Zwei

bis 19. Juli in der Kestnergesellschaft, dem Sprengelmuseum und dem Kunstverein in Hannover. Der Katalog ist im Verlag für Moderne Kunst erschienen und kostet 28 Euro, im Buchhandel 35 Euro

http://www.madeingermanyzwei.de

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2 Leserkommentare vorhanden

Renate Heise

18:53

10 / 07 / 12 // 

made in germany 2

Ihren Artikel fand ich auch wischwaschi.viele Räume und Installationen vermittelten eine gute stimmung.außerdem :eine gute ansammlung von unterschiedlichen medien.ich fand die ausstellung gut überschaubaer und gut gegliedert mit klar erkennbarem konzept

Wolfgang Krohn

16:59

11 / 07 / 12 // 

made in germany 2

Kein Mensch kann sich nach dem Artikel auch nur annähernd ein Bild machen, wenn man nicht selbst dort war. Und dann die Beurteilung "qualitativ hochrangige und intellektuelle Kunst" zu verwenden ist ebenso weit gegriffen wie übertrieben. Es erwartet einen im Sprengel-Museum eine ziemlich flaue Darbietung eines bestimmt nicht representativen Querschnitts der z.Zt in Deutschland hervorgebrachten Kunst - weiß Gott nicht das Niveau der Biennale in Venedig und kaum besser als die jährlichen Abschlußarbeiten z.B. der Akademie in Nürnberg. Also doch besser selbst ansehen, aber die Erwartungen nicht so hoch hängen.

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