Gregor Schneiders "Sterberaum"

Stettin

Ein Raum zum Begehen und Erleben
Gregor Schneiders "Sterberaum" in Stettin (Foto: Piotr Miazga/VG Bild-Kunst, Bonn 2012)

EIN RAUM ZUM BEGEHEN UND ERLEBEN

Vier Jahre nach seiner geplatzten Premiere in Krefeld kann Gregor Schneiders "Sterberaum" nun im Nationalmuseum Stettin besichtigt werden
// PETRA BOSETTI

Für seine Arbeit "Totes Haus Ur" hatte der deutsche Künstler Gregor Schneider 2001 den Goldenen Löwen auf der Biennale von Venedig bekommen. Schneider hatte einen wesentlichen Teil seines Rheydter Mehrfamilienhauses nachgebaut und im deutschen Pavillon rekonstruiert. Freilich mit Klaustrophobie erzeugenden Gängen, mit doppelten Böden, verwirrend hintereinander gestaffelten Wänden, verborgenen Durchbrüchen.

Die Schönheit des Todes zeigen

Sieben Jahre später sorgte sein ruhiger, eher karger "Sterberaum" im Vorfeld einer Ausstellung im Krefelder Museum Haus Lange für einen Skandal: Schneider hatte in einem Interview erklärt, er wolle in seinem Raum "eine Person zeigen, welche eines natürlichen Todes stirbt oder gerade eines natürlichen Todes gestorben ist. Dabei ist mein Ziel, die Schönheit des Todes zu zeigen." Museumsdirekteor Martin Henschel winkte ab.

"Liebevoll, würdevoll, umgeben von Kunst"

Einer der wenigen Unterstützer des Projekts war der Kölner Theologe und Ausstellungsmacher Friedhelm Mennekes. Er verstand Schneiders Absicht, "einen solchen Raum in einem Museum bereitzuhalten, in dem ein Mensch sterben könnte". Der Raum sei als Kunstwerk gedacht, so Mennekes "in dem ein Mensch real Abschied vom Leben nehmen könnte, liebevoll, würdevoll; umgeben von Kunst, reduziert in der Angst, begleitet von Freunden, offen für Besuche."

Im Rahmen der "Apokalypse"

Der erste Museumsmann der sich traute, den umstrittenen Raum – allerdings ohne Sterbenden – zu zeigen, war 2011 Veit Loers, kommissarischer Leiter des Kunstraums Innsbruck. Und jetzt folgt das Muzeum Narodowego w Szczecinie (Nationalmuseum Stettin). Hier ist Schneiders stiller, magischer "Sterberaum" bis zum 31. August im Rahmen des seit acht Jahren stattfindenden "Festival for Visual Art" zu sehen und zu erleben – der "Sterberaum" ist wie alle Werke von Gregor Schneider begehbar. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto "Apocalypse". Eine fotografische Dokumentation der Ausstellung soll bis Jahresende erscheinen.

Muzeum Narodowego w Szczecinie (Nationalmuseum Stettin)

Termin: bis 31. August

http://www.muzeum.szczecin.pl

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1 Leserkommentar vorhanden

Paula Urk

14:32

21 / 06 / 12 // 

Be­am­te­ter Avantgardist

Gregor Schneider ist ein be­am­te­ter Avantgardist

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