Asiatische Bilderzählungen

Bochum



BUDDHA TRIFFT MANGA

In der Bochumer "Situation Kunst (für Max Imdahl)", Teil der Kunstsammlungen der Ruhruniversität, werden tibetische Malereien mit Szenen aus dem Leben Buddhas, indische Miniaturen und Gravuren auf alten Palmblättern sowie zeitgenössische japanische Mangas gezeigt
// PETRA BOSETTI

Thangkas, Meditationsbilder des tantrischen Buddhismus, der etwa in Himalaya-Staaten wie in Tibet, Bhutan und im indischen Ladakh praktiziert wird, Bilderzählungen aus dem Leben des populären Hindugottes Krishna und japanische Comics ("Mangas") gemeinsam in ein einer Ausstellung – geht das überhaupt? Es ist ein reizvoller Vergleich und gar nicht mal abwegig, denn alle drei Medien aus verschiedenen Jahrtausenden und Kulturen eint ein starkes erzählerisches Element.

Auftragsarbeit des 5. Dalai Lama

Iris Poßegger, Kuratorin der "Situation Kunst (für Max Imdahl)", Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum, hatte die Idee. Bei Untersuchungen der asiatischen Sammlungsbestände war herausgekommen, dass eine prachtvolle Goldgrund-Thangka, die Buddha Vairocana zeigt, den strahlenden Buddha der Weltmitte, eine persönliche Auftragsarbeit des 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatsho (1617 bis 1682) war. Zuerst war da die Idee, um dieses kostbare Rollbild eine Ausstellung zum Leben des historischen Buddha Siddharta Gautama zu arrangieren. Daraus entwickelte sich das Konzept, sie auf "Bild-Erzählungen aus Asien", so der Untertitel, bis in die Gegenwart zu erweitern.

Krishna, Freund der Hirtenmädchen

"Narration und Visualtät" vereinen sich nach Meinung von Poßegger in den heiligen Bildern ebenso wie in den Comicgeschichten des 20. und 21. Jahrhunderts, die in der Tradition der farbigen Holzschnitte des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (1760 bis 1849) wurzeln. Wobei Krishna, ein Avatar des Hindugottes Vishnu, durchaus comickompatible Eigenschaften hatte: Er bezirzte Hirtenmädchen (Gopis) durch sein Flötenspiel, wenn sie badeten versteckte der Schelm ihnen ihre Kleider, eines von ihnen, Radha, wurde seine große Liebe, die er nach allerlei Umwegen und Verwicklungen endlich aufs Liebeslager führte: Der Katalogkommentar zu den letzten in Palmbätter geritzten Szenen: „Die Lebenden sind versöhnt und geben sich bis zum Morgengrauen ihrem sinnlichen und ausschweifenden Liebesspiel hin ...“

"Von Thangka bis Manga"

bis 1. Juli. Katalog, E. A. Seemann Verlag, 24 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro

http://www.situation-kunst.de

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