Martin Eder

Mannheim



NACKT UND TRAURIG

Bonbonfarbige Bilder mit zahmen Tierchen und netten Mädchen – so kennt man das Werk von Martin Eder. Nun zeigt die Kunsthalle Mannheim Fotografien aus dem Schaffen von Martin Eder und überrascht mit reduzierten Farben.
// ANNA LENA SCHANZ

In Eders Werk ist normalerweise schwülstiger Kitsch Programm: "Je kitschiger meine Sujets sind, desto besser. Ich hasse sie. Und komme doch nicht von ihnen los", sagte Eder, 39, einst im art-Interview. Und setzte noch einen drauf: "Zum Glück sind meine Bilder inzwischen zu teuer geworden. Die Bereitschaft, ein nettes Bild fürs Wohnzimmer zu kaufen, hört irgendwann auf, wenn die Werke mehrere Tausend Euro kosten."

Die Frauenfiguren in Eders Malereien sind oft austauschbare, junge Schönheiten mit straffen Rundungen. Seine Fotografien porträtieren hingegen Individuen mit persönlichen Charakterzügen, die das Leben zeichnete. Der schwarze Hintergrund scheint die Frauen in sich aufsaugen zu wollen.

In seinen Fotografien löst sich Eder von den knallbunten, kitschigen Idyllen mit flauschigsüßen Kätzchen und treudoof blickenden Hunden – was bleibt, sind traurig dreinblickende Mädchen. Ihr Blick lässt auf eine Orientierungslosigkeit, Verletzlichkeit und Verlorenheit schließen, jedoch auch auf eine Willensstärke, dem Leid zu trotzen. In seinen Fotografien nimmt Eder die knallbunten Farben zurück – nur ein kräftiges Blutrot durchzieht alle Bilder. Die fast monochromen Bilder erinnern dabei stark an Malerei, sie wirken wie gemalte Fotografien. Der Betrachter muss jedoch selbst herausfinden, warum Eder in seinen Inszenierungen gerade die symbolgeladene Farbe Rot verwendet und damit leider mehr irritiert als provoziert. Die Bilder bleiben an der Oberfläche – der Schein vom sensiblen Einfühlungsvermögen trügt.

Martin Eder genießt große Auftritte. Einen davon wird es am 19. April in der Kunsthalle Mannheim geben: Begleitet von seiner Band "Les Demoniaques" setzt er als Richard Ruin seine rauchige Stimme in Szene. Karten gibt es an der Abendkasse.

"Martin Eder. Fotografie: Die Armen"

Termin: bis 12. Mai, Kunsthalle Mannheim. Katalog: "Martin Eder: Die Armen", Prestel Verlag, 39,95 Euro.

http://www.kunsthalle-mannheim.com

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