Rasterfahndung

Stuttgart



LÜCKEN UND BRUCHSTELLEN

Vom Tafelbild bis zur Überwachungskamera – eine Ausstellung in Stuttgart fahndet nach Rastern in der zeitgenössischen Kunst

Man findet es überall: Ob auf Fassaden und Küchenböden, Schulheften oder Herrenhemden – die Welt ist übersät mit Rastern. Auch in der Kunst wird ausgiebig mit Rastern und Strukturen gearbeitet. Aus kunsthistorischer Sicht ist das Thema trotzdem "erstaunlich selten beackert worden", meint Simone Schimpf.

Sie ist Kuratorin im Kunstmuseum Stuttgart und hat sich das Raster in der Kunst nach 1945 vorgeknöpft – und festgestellt, dass es in unterschiedlichsten Kunstrichtungen auftaucht, in der Konkreten Kunst, bei Zero und der Minimal Art, aber auch in der Pop Art und der Gegenwartskunst.

Unter dem Titel "Rasterfahndung" werden im Kunstmuseum mehr als 200 Werke gezeigt – angefangen bei den gleichmäßig verlegten Bodenplatten von Carl Andre bis hin zu neuen Medien und Installationen. Einige Künstler "passen ins Raster", sagt Schimpf, gerade die zeitgenössischen Künstler fielen dagegen oft durchs Raster. "Sie suchen nach Fehlern im System, reiben sich an Lücken und Bruchstellen." Gleich mehrere solcher Arbeiten sind eigens für die Ausstellung entstanden. So beklebte die Wiener Künstlerin Esther Stocker einen schwarz gestrichenen Raum mit einem unterbrochenen weißen Raster, um die Wahrnehmung zu irritieren.

Bei den Bildern von Sarah Morris kann der Betrachter nur noch schwer seinen Standpunkt verorten. Die amerikanische Malerin überträgt Raster, die man im urbanen Raum finden kann, auf die Leinwand – und hat zum Beispiel in ihrem Gemälde "Dulles (Capital)" von 2001 einen visionären, mehrperspektivischen Innenraum aus bunten Quadraten geschaffen. Eine Sektion widmet sich dem medialen Raster – mit Werken von Roy Lichtenstein oder Sigmar Polke, der in seinen Bildern Zeitungsfotografie vergrößerte, so dass die Punkte des Druckverfahrens sichtbar werden. Ein Teil der Ausstellung befasst sich schließlich mit der Rasterfahndung. "Überwachung ist ein Thema für Künstler", sagt Schimpf. Michael Klier hat Überwachungsvideos aus den siebziger Jahren zusammengeschnitten, während Jürgen Klauke von 1972 bis 2000 Fahndungsfotos von Terroristen gesammelt hat, oft stark gerasterte Porträts vermummter Gestalten, "auf denen man eigentlich gar nichts erkennt", so Schimpf. Die Klangkünstlerin Christina Kubisch macht dagegen das Unsichtbare hörbar: Sie transformiert elektromagnetische Wellen, die bei Sicherheitskontrollen an Flughäfen eingesetzt werden. Das Ergebnis, so Schimpf sei "so ein Piepston und Rauschen und Knattern".

Rasterfahndung

Bis zum 7. Oktober 2012 im Kunstmuseum Stuttgart. Der Katalog im Wienand Verlag kostet 29 Euro, im Buchhandel 34,80 Euro

http://www.kunstmuseum-stuttgart.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

1 Leserkommentar vorhanden

Andreas Moser

10:33

29 / 09 / 12 // 

Rasterfahndung

Vorsicht bei der Rasterfahndung. Sie wird leicht verwechselt mit einer ähnlichen Methode: http://mosereien.wordpress.com/2012/09/29/rasterfahndung/

Abo