Wolfgang Tillmans
Hamburger Bahnhof
Er habe "das Gegenständliche und das so genannte Abstrakte" immer als eine Einheit betrachtet, erklärte Wolfgang Tillmans auf der heutigen Pressekonferenz in Berlin, anlässlich der Eröffnung seiner neuen Schau. Der Rundgang bestätigt diese Sichtweise: Besonderes Augenmerk gilt Tillmans großen, ungegenständlichen Reihen, wie etwa "Lighter" aus den Jahren 2006 bis 2008, eine Reihe von belichteten, verschiedenfarbigen Fotopapieren, die durch Knitterungen und Faltungen fast zu Skulpturen werden. Sie sind ebenso wie die "Freischwimmer" (2003/2005) Ergebnisse von Laborexperimenten, die auf die chemischen Prozesse verweist, auf denen die analoge Fotografie basiert.
Dass das genauere Hinschauen eine der großen Qualitäten des Künstlers ist, zeigt einmal mehr die Rekonstruktion des Raumarrangements, mit dem Tillmans im Jahr 2000 den renommierten britischen Turner-Preis gewann. Die Mischung aus scheinbar profanen Bildsujets, wie Stadtansichten, Stillleben oder Porträts aus dem Alltag, die jedoch auch einem späten zweiten Blick standhalten, sind längst als Kernstücke einer Ästhetik der Neunziger im kulturellen Gedächtnis des Westens verankert.
Fast kulturwissenschaftlich geht es in einer weiteren großen Rauminstallation zu – dem "Truth Study Center" aus den Jahren 2005 bis 2007. Anhand von unzähligen Zeitungsausrissen, in speziellen Tisch-Displays präsentiert, manifestiert sich Tillmans' Skepsis vor absoluten Wahrheiten, wie sie vor allem in der medialen und politische Sphäre ventiliert werden.
Von Tillmans eigener Medienpraxis, von den Auftragsarbeiten für Magazine wie "The Face!, "i-D", die Kölner "Spex" oder das Berliner "032c" gibt es in Berlin nur wenig bis gar nichts zu sehen. Das ist schmerzlich, bleibt doch so eine wichtige Präsentationsform des Tillmansschen Werks in der mit großem Aufwand installierten Schau ziemlich unterbelichtet.
"Wolfgang Tillmans – Lighter"
Termin: 21. März bis 24. August, Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin. Katalog: Hatje Cantz