El Greco

Düsseldorf



IM GEISTE VERWANDT

Eine Ausstellung im Museum Kunstpalast zeigt, wie ein spanischer Altmeister eine junge Künstlergarde in Europa prägte
// PETRA BOSETTI

Zerdehnte Gliedmaßen, schmale, bleiche Gesichter, von Emotionen verzerrt, flackernde Konturen, die Farben unheimlich düster glimmend oder grell wie Schlaglichter – der nach Spanien ausgewanderte Grieche El Greco (um 1541 bis 1614), mit bürgerlichem Namen Doménikos Theotokópoulos, verstörte mit seiner Malerei seine Zeitgenossen und auch spätere Generationen.

König Philipp II. entließ ihn als Hofmaler, nachdem ihm das Altargemälde "Das Martyrium des heiligen Mauritius" zu exzentrisch erschienen war. Der Maler und Kunsttheoretiker Francisco Pacheco attestierte El Greco "crueles borrones" – grausame Pinselstriche. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnete ihn der Kunsthistoriker Carl Justi als "einen Geisterseher … ein pathologisches Problem, für das ein Arzt zuständig" sei.

Dass El Greco heute als ein Genie im Spannungsfeld zwischen Renaissance, Manierismus und beginnendem Barock gefeiert wird, ist zum guten Teil Justis Kollegen Julius Meier-Graefe zu verdanken. Der reiste 1908 nach Spanien, wollte eigentlich auf den Spuren von Velázquez wandeln – und entdeckte El Greco für sich. Im Tagebuch die "Spanische Reise" (1910) notierte er: "Greco ist wohl das größte Ereignis, das unsereinem blühen konnte … Nicht, weil er so groß ist, sondern weil er neu ist."

In Paris erlebte Pablo Picasso im Atelier des spanischen Impressionisten Ignacio Zuloaga seine Offenbarung, als er dort El Grecos Gemälde "Die Öffnung des fünften Siegel" sah – es wurde ihm zur Inspiration zu seinem epochalen Werk "Les Demoiselles d’Avignon". Die visionäre Kraft der Bilder El Grecos zog immer mehr Künstler in ihren Bann. Pablo Picasso wurde sein Vorkämpfer in Spanien, in Frankreich gehörten außerdem Künstler wie Paul Cézanne und Robert Delaunay zu El Grecos Bewunderern. Im deutschsprachigen Raum erkoren ihn Max Beckmann, Oskar Kokoschka, und Mitglieder des Blauen Reiter wie August Macke oder Franz Marc zum Vater der Moderne. So schrieb Marc in der ersten Ausgabe des Almanachs "Der Blaue Reiter", El Greco und Cézanne seien "Geistesverwandte über die trennenden Jahrhunderte" und stünden "heute am Eingang einer neuen Epoche der Malerei".

Wie fruchtbar die Einflüsse des Spaniers waren, zeigt jetzt, 100 Jahre nachdem in München (1911) und Düsseldorf (1912) eine Werkauswahl von El Greco Furore gemacht hatte, die Ausstellung "El Greco und die Moderne". Neben 100 Arbeiten der Künstler des 20. Jahrhunderts ist auch ein vorzügliches Konvolut von 40 herausragenden Werken des spanischen Meisters selbst zu sehen, Leihgaben aus den bedeutendsten europäischen und amerikanischen Museen. Aus dem New Yorker Metropolitan Museum stammt das Bild, das einst Picasso in Paris so fasziniert hatte: "Die Öffnung des fünften Siegels".

"El Greco und die Moderne"

28.4 bis 12.8. im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, Katalog zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 49,80 Euro

http://www.smkp.de

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