Katy Moran

Starter

Die Tiefenforscherin
Katy Moran: "Clown Face", 2009, Acryl und Collage auf Leinwand

DIE TIEFENFORSCHERIN

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – diese Woche in der Reihe "Starter": Katy Moran. Sie abstrahiert Figuratives, arbeitet aus Abstraktem Figuren heraus und stellt ein Bild auf den Kopf, wenn es sein muss.
// HANS PIETSCH, LONDON

Trotz ihrer meist kleinen Formate strotzen Katy Morans mit Acrylfarbe gemalte Bilder nur so vor Energie. Großzügige Pinselstriche, oft Wellen oder Wirbeln gleichend, gleiten über die Leinwand. Ihre Farben sind satt, haben jedoch einen eher erdigen Ton.

Ihre Vorlagen – Handyfotos, Bilder aus Magazinen, Postkarten aus Trödelläden – stellt sie auf den Kopf, um eine naturgetreue Wiedergabe einer Szene zu umgehen. Die Leinwand legt sie zum Malen auf den Boden und arbeitet so lange, bis aus der Tiefe der Abstraktion figurative Ansätze sichtbar werden. Erst wenn sie diese als solche erkennt, erklärt sie ein Bild für fertig.

Manchmal greift sie auf alte, nicht weitergeführte Leinwände zurück, mit denen sie dann von Neuem zu arbeiten beginnt. Die Distanz hilft ihr, etwas Neues aus ihnen zu entwickeln – als repräsentierten sie ein vergangenes, schon überwundenes Selbst. Auch hat sie begonnen, Rahmen für ihre Bilder zu verwenden, als Bestandteil des Arbeitsprozesses, wie sie betont, nicht als etwas am Schluss Aufgesetztes. Bei mehrteiligen Werken wie "Jaguar Nights" (2008) und dem aus drei Bildern bestehenden "Travelling Mercy" (2009) helfen die Rahmen, Verbindungen herzustellen. Aber auch Demarkationslinien werden mit ihrer Hilfe gesetzt. Die schwarze Umrandung von "Circus Clown and Friend" (2010) scheint dagegen den bunten Clown im Bild in seine Schranken zu weisen.

In letzter Zeit hat Katy Moran auch mit Pastellkreide experimentiert, mit der sie auf Leinwand zeichnet und die sie dann mit Acrylfarbe übermalt. Auch Elemente der Colla­ge sind hinzugekommen. "Primal Cat" (2011) ziert ein beigefarbenes Stück Stoff, das Diptychon "Moonmen" (2010) ist mit Papierfetzen beklebt. Wie immer sind Morans Titel irreführend, werfen eher Fragen auf, als dass sie Antworten geben. Vorbilder lassen sich erkennen, von Willem de Kooning bis Cecily Brown, doch aus diesen Anregungen macht sie abermals etwas ganz Eigenes: auf Figuration ruhende Abstraktionen.

Steckbrief

Geboren: Stockport, England, 1975

Wohnort: London

Ausbildung: Leeds Metropolitan University, Royal College of Art

Galerie: Stuart Shave/Modern Art, London; Andrea Rosen, New York

Initialzündung: Als ich mit sechs Jahren römische Soldaten zeichnete.

Höhepunkt: Als die Tate meine Arbeit für ihre Sammlung kaufte.

Tiefpunkt: Jedes Mal, wenn sich eine Malblockade bemerkbar macht.

Helden: Mein Großvater mütterlicherseits, Patrick McGuinness.

Credo: Bleib dir immer treu.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Mache einen MA an einer der führenden Londoner Kunsthochschulen (ich wünschte, ich hätte das von Anfang an gewusst).

Warum Künstler, nicht Banker?: Ich könnte nichts anderes tun. Ich habe es versucht und war nicht glücklich.

http://www.andrearosengallery.com

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2 Leserkommentare vorhanden

roman libbertz

11:57

25 / 04 / 12 // 

hat was

und hat was von rauschenberg

Heiner Fahnemann

17:17

30 / 04 / 12 // 

Sie experimentiert

Sehr interessant - sie experimentiert - sie spielt ein Programm durch - ähnlich Richter in der Methode - Dennoch ich muss mehr sehen, das war fürs Erste mein Eindruck.

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