Dexter Dymoke

Starter

Es gibt keine Grenzen
Dexter Dymoke: "Ages and Ages", bronze, 2011

ES GIBT KEINE GRENZEN

Er kommt frisch aus dem Kunststudium, geht allerdings schon auf die Sechzig zu: Als Spätstarter feiert Dexter Dymoke seine ersten Erfolge
// HANS PIETSCH

Dexter Dymoke ist ein Spätentwickler. Nach über 20 Jahren als Autoverkäufer und im Design- sowie Verlagsgeschäft beschloss er, das zu tun, was er 1972 versäumt hatte: noch einmal zu studieren und doch Künstler zu werden. Genauer: Plastiker, denn die Arbeit mit den Händen, das Herstellen von Objekten hat ihn schon immer interessiert.

"Skulptur ermöglicht es mir, mich auf natürliche Weise auszudrücken, ohne die Beschränkungen eines Designauftrags oder die Ideen anderer", sagt er und ruft begeistert aus: "Es gibt keine Grenzen!"

Schon während seines Studiums am Londoner Royal College of Art hatte Dymoke mit eigentümlichen Plastiken im Freien und einem Preis bei der Sommerausstellung der Royal Academy auf sich aufmerksam gemacht. Seine Installation bei der Gruppen­ausstellung "Proteo" in seiner Galerie Nettie Horn ließ die Kritik dann endgültig aufhorchen. Seine Arbeiten untersuchen die Wechselbeziehungen und Spannungen zwischen Objekten, Materialien und deren Beziehungen zum Raum.

Er verwendet dafür fast immer vertraute Materialien – Holz, Stoff, Aluminium, Stahl, Bronze. Dass diese, wie er sagt, "an ihre Verwendung überhaupt nicht gewöhnt sind", trägt entscheidend dazu bei, dass sie poetisch aufgeladen werden. Eine Arbeit ohne Titel von 2011 etwa stimmt fast melancholisch: Wer war die Trägerin des nun von Neonröhren hängenden gerüschten Röckchens, und wo ist sie abgeblieben? Und die aus den Angeln gehobenen farbigen Glasfenster von "Stake" (2010), zusammengehalten nur von einem auf den Kopf gestellten Pfahl, lehnen an der Wand wie traurige Überbleibsel einer Zerstörung.

Steckbrief

Geboren: London, England, 1953

Wohnort: London

Ausbildung: Kunstgeschichte an der University of Leicester; Bildhauerei am Wimbledon College of Art und Royal College of Art, London

Galerie: Nettie Horn, London

Initialzündung: Als Jugendlicher entdeckte ich den Abstrakten Expressionismus – er erschien mir so revolutionär.

Höhepunkt: Die Gruppenschau „Proteo“ in der Galerie Nettie Horn 2011

Tiefpunkt: Als ich 1972 meinen Studienplatz an der Kunstakademie nicht einnahm.

Helden: Neil Armstrong, Jackson Pollock, Marcel Duchamp, Jack Kerouac, Sherlock Holmes, John Bonham, Irmin Schmidt, Robert Wyatt, Tommy Cooper

Credo: Stelle alles infrage!

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: „Das Pendel des Geistes schwingt zwischen Sinn und Unsinn, nicht zwischen richtig und falsch.“ (Carl Gustav Jung)

Warum Künstler, nicht Banker?: „Wenn das Bild zum Rätsel wird, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin“ – mit Robert Gobers Einschätzung seiner Arbeits­praxis kann ich mich identifizieren. Experiment, Spekulation, Ungewissheit, Übertretung – mit diesen Zuständen zu arbeiten, macht Kunst interessant. Im Bankgeschäft signalisieren diese Attribute Desaster. Die Weltsicht eines Bankers ist zu einseitig.

http://www.dexterdymoke.co.uk

dexterdymoke@hotmail.co.uk

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1 Leserkommentar vorhanden

Karin

00:08

12 / 06 / 12 // 

Was ?

Erst 60 und schon Starter ?

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