Monet, Turner, Twombly

Stuttgart



UNAUSGEWOGEN

Die Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie stellt Spätwerke von Cy Twombly auf eine Stufe mit Gemälden von Claude Monet und William Turner. Ein harter Wettbewerb für den letztes Jahr gestorbenen Maler Twombly
// ADRIENNE BRAUN, STUTTGART

Mit fast nichts hat William Turner dramatische Naturschauspiele inszeniert. Kaum mehr als ein Hauch von Farbe ist auf seinen kleinen Ölbildern zu sehen. Und doch: Die blassen Spuren, die der Engländer zwischen 1840 und 1845 malte, lassen eine Küstenszene erkennen. Je älter er wurde, desto radikaler wurde Turner (1775 bis 1851) – wofür der Meister viel Spott erntete.

Es ist eine schöne Idee, ihm Claude Monet (1840 bis 1926) gegenüberzustellen. Der Impressionist hat Turner intensiv studiert – und man entdeckt manche Parallele. Das kräftige Rosa auf Monets "Waterloo Bridge" erinnert sogar eher an Turner als an Monet selbst. In der Ausstellung "Turner Monet Twombly – Later Paintings", die nach einer ersten Station in Stockholm in der Staatsgalerie Stuttgart angekommen ist, las­sen sich erhellende Vergleiche anstellen: zwischen Turners Ansicht von San Benedetto (erstmals ausgestellt 1843) und Monets Venedig-Silhouette von 1908. Beide fangen die Atmosphäre und das flirrende Licht ein. Monet aber komponiert sorgloser, San Giorgio Maggiore und die Gondeln sind bei ihm nur noch Akzente auf einer durchgetupften Fläche.

Der im vergangenen Jahr gestorbene Cy Twombly (*1928), der das Kritzeln zur Methode erklärte, fügt sich zunächst trefflich ein. Er ist zwar kein Lichtmaler, aber seine raue Kunst mit den aufgeklatschten, verkrusteten Farben verhindert, dass die Stimmungsmalerei von Turner und Monet ins Kulinarische abgleitet. Twomblys "Vier Jahreszeiten" (1993/95) wirken nicht tröstlich und schön, sondern schroff und abweisend.

Während sich Monet und gerade auch Turner im Detail als virtuose Maler zeigen, hält Twombly dem kritischen Nahblick aber kaum stand. Groß und selbstbewusst kommt seine Malerei daher, doch der differenzierte Blick führt immer nur zum profanen Material. Turner und Monet haben die Welt mit dem ihnen eigenen sensiblen malerischen Blick neu zu erschließen versucht. Twomblys hermetische Kritzeleien hingegen spiegeln eine Kunstauffassung, die allein um das Künstlerindividuum kreist und sich selbst genügt. Warum Jeremy Lewison, der die Schau konzipiert hat, ausgerechnet ihn als Gewährsmann für die Gegenwart herangezogen hat, erschließt sich nicht. Denn ihn kühn mit Turner und Monet auf eine Stufe zu stellen, ist noch kein Argument dafür, dass auch er die Kunst radikal vorangebracht hätte.

Turner Monet Twombly

Later Paintings Stuttgart, Staatsgalerie Bis 28.5 Weitere Station: Tate Liverpool, 22. Juni bis 28. Oktober. Der Katalog ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet im Museum 29,90 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro

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3 Leserkommentare vorhanden

thomas

13:47

17 / 04 / 12 // 

Twombly stellt sie in den Schatten

Da bin ich anderer Meinung! Monet fällt stark ab. Das kann auch an der Auswahl der Bilder liegen. Die ausgestellten gehören für mich zu den Schwächeren!. Twombly ist zweifellos der stärkste Maler. Seine Bilder bwegen mich mehr als die duftigen Impressionen von Turner. Ich bin ein Fan von allen drfei Malern - aber wenn ich wählen müsste, dann einen Twomblay! - aber nicht die Rosenbilder, denn die sind banal.

Prof. G. Kotte

11:32

26 / 04 / 12 // 

Hinkende Vergleiche, weil alles schon allein gezeigt wurde?

Mit Bedacht ausgeführte gegenständliche Assoziationen mit zufälligen Gestrichle bildhaft vergleichen zu wollen, findet wohl doch nur beim Kurator egozentrischen Beifall. Selbst wenn das mit ausholenden Kommentarken erfolgt. Ohne dem Konservatismus verfallen zu sein, warum holt man nicht einmal zum Füllen von museal-zeitlichen Leerräumen Bilder aus dem Fundus und stellt diese einmal in all ihrer Unvollkommenheit und Zweifelhaftigkeit vor die Museumsbesucher?

Mia

21:55

05 / 12 / 12 // 

Cy Twombly

Liebe Frau Braun, auch nur ein Werk Twomblys als hermetische Kritzelei zu bezeichnen zeugt nicht gerade von großer Kenntniss. Es scheint mir als wäre Ihre Kunstauffassung ein wenig daneben. Wer in Cy Twombly nicht einen der ganz Großen erkennt, lobt vermutlich Künstler wie David Hockney in den Himmel. Schade dass immer mehr Menschen ohne wirkliches Kunstverständnis sich herausnehmen so abfallend über großartige Künstler zu sprechen.

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