Matthias Meyer
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STILLE WASSER, TIEFE WASSER
Auf einigen um die Jahrtausendwende entstandenen Stadtansichten lässt sich noch der Einfluss Gerhard Richters auf seinen Meisterschüler Matthias Meyer erkennen. Aber schon hier hat die Unschärfe eine andere Qualität: Die Konturen einer Londoner Mietskaserne verwischen teilweise wie auf einem Aquarell, so als würde man den flüchtigen Eindruck festhalten wollen, der beim Blick aus einem vorbeifahrenden Zug entsteht. Später löst Meyer die Gegenstände seiner Gemälde immer weiter auf. Er arbeitet mit stark verdünnter Ölfarbe und Lösungsmitteln, die Wassertropfen gleich an der Leinwand hinunterrinnen und die Welt buchstäblich ins Fließen bringen.
Auf seinen Darstellungen von großen Festen und Menschenmengen hat diese Technik einen geradezu betörenden Effekt: Der einzelne Mensch wirkt wie hineingetupft ins Wellenschlagen der Masse, eine Schaumkrone im Meer der Farben und Gestalten. "Ich zeichne nie vor", sagt Meyer, "sondern male immer direkt auf die Leinwand, um den Charakter einer Skizze zu erhalten." Seine Malerei folgt ein bisschen dem Prinzip von Versuch und Irrtum: Wenn alles im Fluss ist, kann auch schon mal etwas danebengehen. Meyer findet es gerade spannend, "wenn das Bild ein Eigenleben entwickelt und sich dabei beinahe etwas Natürliches bewahrt". Das Genre, das seinem Stil folgerichtig am meisten entgegenkommt, ist das Naturbild. Meyer malt Wälder und Seen, Wasserfälle und Wasserpflanzen, wobei ihn bei spiegelnden Flächen immer auch das Zusammenspiel von Vorder- und Hintergrund interessiert. Auf dem Grund seiner Seen lassen sich oft noch die Umrisse versunkener Städte erkennen: Am Anfang steht die Aufsicht auf einen Straßenzug, dann flutet Meyer das Bild und gibt ihm eine schillernde Tiefe voller Schönheit und Melancholie.
Ausstellung: Galerie Andreas Binder, München, bis 12.5. Es erscheint ein Katalog
Steckbrief
Geboren: Göttingen, 1969
Wohnort: Mülheim an der Ruhr
Ausbildung: Kunstakademie Düsseldorf; Chelsea College of Art, London
Galerie: Andreas Binder, München; Danese, New York
Initialzündung: Ein Schlüsselerlebnis gab es nicht, ich habe einfach mit dem Malen nicht mehr aufgehört.
Höhepunkt: Die Geburt meiner Tochter
Tiefpunkt: Da gab es schon mal Krisen.
Helden: Rubens, Turner, Monet
Credo: Wahrheit ist relativ.
Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Einem Künstler ist nicht zu helfen.
Warum Künstler, nicht Banker?: Man versteht nur das Geschäft, durch das man den Reis verdient (habe ich im Glückskeks gefunden).


