Andy Warhol

Wien



WARHOLS JUDEN

In den achtziger Jahren war Andy Warhols Serie "Jüdische Genies" ein Skandal, heute sind die Bilder weit verstreut. Ein Ausstellung in Wien bringt sie zusammen und erzählt die Geschichte des einzigartigen Projekts
// ALMUTH SPIEGLER, WIEN

Als die Serie von Andy Warhols zehn "Jüdischen Genies" 1980 erstmals im Jüdischen Museum in New York präsentiert wurde, brach ein Sturm der Entrüstung aus – so wirkt es jedenfalls aus heutiger Sicht. Geprägt ist diese Wahrnehmung vor allem von der negativen Kritik der "New York Times".

Hilton Kramer war an sich schon nicht gut auf Warhol zu sprechen. Und so kam auch seine neue Porträtserie nicht gut weg: "Die Art und Weise wie die Ausstellung ihre jüdischen Subjekte ausbeutet, ohne nur die geringste Spur eines Verständnisses ihrer Bedeutung zu zeigen, ist beleidigend – oder sie wäre es, wenn der Künstler nicht auch schon viele nichtjüdische Subjekte auf die gleiche billige Art behandelt hätte." Kommerzielle Ausbeutung und Trivialisierung jüdischer Schicksale waren die Hauptkritikpunkte. Und in einem hatten sie wohl recht: "Sie wird sich gut verkaufen", schrieb Warhol über die Serie in seinem Tagebuch.

Ein Denken, dass allerdings einen wichtigen Teil von Warhols Werk ausmacht. Warhols Pop Art hat nichts mit dem europäischen Klischee des in seinem Kelleratelier sitzenden, verkannten Künstlergenies zu tun, der seine hehren Gedanken mit einer auserwählten Elite teilt. Warhol teilte im Fall der zehn Porträts jüdischer "Stars" wie Albert Einstein, Gertrude Stein oder den Marx-Brothers mit einem jüdischen Galeristen, Ronald Feldman, der ihn auf die Idee zu der Serie brachte. Und diese dann auch verkaufte und vermarktete. Mittlerweile sehr erfolgreich, bestückt er mit der vollständigen Siebdruckserie Ausstellungen rund um die Welt und verkauft sie an jüdische Museen und Sammler. Diese Omnipräsenz machte die Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera, neugierig: "Immer wieder bin ich in Sammlungen auf diese Bilder gestoßen und habe mich gefragt – wie kam Warhol nur auf diese Idee?" Warhol, dessen Eltern aus der Tschechoslowakei nach Amerika ausgewandert waren, war immerhin gläubiger Katholik.

Über einen Bekannten kam Spera dann in Kontakt mit dem New Yorker Galeristen Ronald Feldman, mittlerweile schon in seinen Siebzigern. Ihr Interview mit Feldman, in dem er etwa die Auswahl erklärt, die er gemeinsam mit Warhol traf, wird Kernstück der kleinen Ausstellung in der Dependance des Museums am Judenplatz sein. Aus einer Liste von rund 100 Personen suchten Feldman und Warhol die zehn Männer und Frauen aus. Eine Rolle dabei spielte etwa die Emigration der Personen von Europa nach Amerika, erzählt Spera von ihrem Gespräch mit Feldman. Bleibt Warhols Motivation ein wenig im Unklaren, beschreibt Feldman die seine klar: Er wollte, dass diese Personen nicht in Vergessenheit geraten. Bei Albert Einstein ist diese Gefahr wohl beherrschbar. Louis Brandeis hingegen kennt man in Europa weniger, er war 1916 bis 1931 der erste jüdische Richter am Obersten US-Gerichtshof. Diese Biografien immer wieder zu erzählen, ist Feldman ein Anliegen. Er wird übrigens auch selbst zur Eröffnung anreisen – seine Familie stammt aus Graz. Einen weiteren Link der Serie zu Österreich konnte Spera mit einem vergleichsweise wenig bekannten Exponat herstellen: Als eine Art österreichische Ergänzung zu den "Jewish Geniuses" zeigt sie das Porträt, das Warhol bei einem Wien-Aufenthalt von seinem damaligen Begleiter anfertigte – André Heller.

Jüdische Genies. Warhols Juden.

bis 2. September 2012 Jüdisches Museum Wien Museum Judenplatz

http://www.jmw.at

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