Albert Oehlen

Bonn



RADIKALER MIT HOHEM NERVFAKTOR

Im Kunstmuseum Bonn wird Albert Oehlen, der ewig junge Provokateur, bereits als Klassiker präsentiert. Der aber spielt weiterhin die Nervensäge.
// MICHAEL KOHLER

"Wir wollten radikale Kunst machen und allen auf die Nerven gehen." So umschrieb Albert Oehlen, 57, einmal seine Aufbruchszeit, als er mit Werner Büttner, Georg Herold und Martin Kippenberger in Hamburg um die Häuser zog. Anfang der achtziger Jahre ähnelte seine Pinselführung durchaus einem quietschend über die Tafel gezogenen Kreidestück: hingerotzte Schmuddelfarben, verschmierte Gegenstände und ein ziemlich sarkastischer Blick auf die Kunstgeschichte.

Allerdings zielte Oehlen mit seiner absichtsvoll "schlechten Malerei" nicht so sehr auf den braven Bürger als auf das heroische Bild des modernen Künstlers – in seinem "Selbstporträt mit verschissener Hose und blauer Mauritius" aus dem Jahr 1984 schließt er listig von sich auf (beinahe) alle anderen und spottet seitdem mit meist treffenden Zitaten über die Auratisierung der Kunst im Kunstsystem.

Auch als nicht mehr ganz so junger Wilder spielt Oehlen weiterhin die Nervensäge und bleibt sich in seinem beständigen Wechsel zwischen den Polen von figurativer und abstrakter Malerei treu. Mal malt er seine Bilder grau in grau, mal nur in den Grundfarben Rot, Gelb, Blau, mal spannt er Kollege Computer in Form von Malprogrammen für sich ein. Er setzt Spiegel auf die Leinwand oder packt mit Jonathan Meese die grobe Keule der Ironie aus, um dann wieder marktschreierische Werbeplakate mit scheinbar zufälliger, in Wahrheit aber penibel geplanter Gestik "durchzustreichen".

Im Kunstmuseum Bonn werden jetzt sämtliche Werkphasen Oehlens anhand von 50 Arbeiten vorgestellt, wobei die Kuratoren den ewig jungen Provokateur eher als modernen Klassiker vorführen, der trotzig die Möglichkeiten der Malerei auslotet, nachdem diese ihren Höhepunkt, ja vielleicht sogar ihr Verfallsdatum überschritten zu haben scheint.

Albert Oehlen

bis 3. Juni, Kunstmuseum Bonn
Der Katalog erscheint bei Hatje Cantz und kostet 35 Euro.

http://www.kunstmuseum-bonn.de

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