Dodo

Berlin



MONDÄNE DAMEN UND AALGLATTE GIGOLOS

Die Kunstbibliothek zeigt Werke einer lange vergessenen Künstlerin der wilden zwanziger Jahre, der jüdischen Zeichnerin Dörte Clara Wolff, kurz: Dodo
// ANGELIKA KINDERMANN

Die Bars und Tanzcafes, die Theater und Revuebühnen im wilden Berlin der Goldenen Zwanziger waren ihr Revier. Hier fand die jüdische Zeichnerin Dörte Clara Wolff die Modelle für ihre Blätter: mondäne Bubikopf-Damen, aalglatte Gigolos, betagte Herren mit Hang zu junger Weiblichkeit.

Es sind heiter-bittere Genreszenen, mit scharfem Strich und in delikaten Farben aufs Blatt gebannt, in denen die junge Künstlerin immer wieder das Mann-Frau-Verhältnis thematisiert, den weltläufigen Lebensstil der Großstädter als oberflächlich entlarvt. Ihre Arbeiten, die stilistisch zwischen Art Déco und Neuer Sachlichkeit anzusiedeln sind, signierte sie schlicht mit Dodo.

Zwischen 1927 und 1929 erreichte Dodo, eine aparte Schönheit, die gern betont androgyn auftrat, den Höhepunkt ihrer Karriere. Sie hatte in Berlin einen Namen, und einige ihrer besten Bilder erschienen damals in dem beliebten Unterhaltungsblatt "Ulk". Doch mit dem Ende der Weimarer Republik kam auch ihr Abstieg. Nach turbulenten privaten Krisen ging sie 1938 ins Londoner Exil. An ihre Berliner Erfolge konnte sie hier nie wieder anknüpfen, und ihr Werk geriet in Vergessenheit.

Aus der Vergessenheit

Bis die Hamburger Kunsthändlerin Renate Krümmer vor einigen Jahren im Internet auf eine bunte Kaffeehaus-Zeichnung von Dodo stieß. Begeistert von diesem Blatt fing Krümmer an zu recherchieren. Sie machte Dodos Tochter Anja Amsel in Edinburgh ausfindig und trug weitere Werke der 1998 gestorbenen Künstlerin zusammen. Dem unermüdlichen Engagement der Kunsthändlerin ist es auch zu verdanken, dass jetzt eine erste Ausstellung mit rund 120 Arbeiten in der Kunstbibliothek im Kulturforum Berlin zu sehen ist, die Einblick in das wiederentdeckte Werk Dodos gibt.

"Dodo – ein Leben in Bildern"

Daten: bis 28. Mai, im Kulturforum, Kunstbibliothek, Berlin, Eingang Matthäikirchplatz

Weitere Station: The London Jewish Museum, 2. Juni bis 9. September

Publikation: "Dodo-Leben und Werk (1907 -1998)", Renate Krümmer (Hrsg), erschienen im Verlag Hatje Cantz , Preis 39,80 Euro

http://www.smb.museum

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