Medley Tour by Andy Hope 1930

Hannover



HISTORISCHE AVANTGARDE UND AMERIKANISCHE POPKULTUR

In der Ausstellung "Medley Tour by Andy Hope 1930" gibt es Phantome, Superhelden, Zeitmaschinen und "suprematistische Gespenster" zu sehen. Hope verbindet die Bilderwelt des Comics mit Elementen aus dem Suprematismus und dem russischen Konstruktivismus.
// MAIK SCHLÜTER, HANNOVER

Die Comicfigur Batman wurde 1939 in den USA von dem Zeichner Bob Kane erfunden. Neben Superman ist Batman einer der ersten Superhelden und eine feste Größe der Comicwelt. In unterschiedlichen Formaten und mit einem großen Repertoire an Figuren und Erzählformen wurde der Comic auch als Kunst- und Literaturform anerkannt. Die Superhelden zeichnen sich durch erstaunliche Fähigkeiten aus: Gesetze der Schwerkraft werden von ihnen genauso mühelos überwunden wie das Raum-Zeit-Kontinuum.

Entschieden modern

Die Möglichkeiten dieser dynamischen Welt erinnern an die Manifeste der europäischen Avantgarde: Suprematisten und Konstruktivisten waren entschieden modern und kappten alle schwerfälligen Verbindungen zur Vergangenheit. Der Suprematist als Phantast und Revolutionär spiegelt sich perfekt in diesen Comicfiguren. Die neue Zeit erforderte eine vollkommen neue Lebensweise und vor allem eine neue Kunst: konstruktiv, revolutionär, technisch, maschinell und beschleunigt hatte diese zu sein. Ziel war es, die Gesellschaft durch neue Bildwelten von Grund auf zu ändern. Der Künstler Andreas Hofer (Jahrgang 1963), der seit 2010 unter dem Pseudonym "Andy Hope 1930" arbeitet, hat die kühne Verbindung von europäischer Avantgarde und amerikanischer Populärkultur herausgearbeitet und zum Programm seiner aktuellen Ausstellung "Medley Tour by Andy Hope 1930" in der Kestnergesellschaft in Hannover gemacht.

Unerzählte Geschichte

Mit dem Jahr 1930 verbindet Andy Hope 1930 sowohl den Aufstieg des Comics als Massenmedium und die Geburt des Superhelden, als auch ein frühes Abbrechen der Projekte des Suprematismus und des russischen Konstruktivismus. Spätestens mit dem Tod Lenins, 1924, war der Niedergang der Avantgardebewegung besiegelt. Im August 1934 wurde in der Sowjetunion unter der Diktatur Stalins die Doktrin des Sozialistischen Realismus verkündet. Die Avantgardisten wurden denunziert oder ins Exil getrieben, die USA wurden mehr und mehr zu ihrem neuen Zentrum.

Andy Hope 1930 vollendet diese bisher unerzählte Geschichte auf kongeniale Weise und fügt historische Avantgarde und amerikanische Popkultur zusammen. Die Arbeit "Time Tubes" (2010) stellt die Verbindung zu den verschiedenen Zeitdimensionen her: Schwarze Zylinder, die in die Unendlichkeit der Abstraktion führen und klar auf das schwarze Quadrat von Malewitsch als den Beginn der neuen Zeit verweisen.

Medley Tour by Andy Hope 1930

bis 29. April, kestenergesellschaft Hannover

http://www.kestnergesellschaft.de

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