Warhol, Basquiat, Clemente

Bonn



TEAMWORK DER ÜBERMALER

Gemeinschaftswerke von drei Kunststars aus dem New York der achtziger Jahre
// UTE THON

Die achtziger Jahre in New York waren die letzte Ära hemmungsloser Experimen­te und schamlos-exzessivem Hedonismus. Während in schummerigen Downtown-Clubs junge Performance-Künstler mit Synthesizern und Kettensägen hantierten, feierte Andy Warhol (1928 bis 1987) uptown im Studio 54 Kokspartys mit Bianca Jagger und Truman Capote.

Die Galerien befeuerten die Lust auf rebellische Kultur mit Ausstellungen "junger Wilder". Künstler wie Julian Schnabel, David Salle und Francesco Clemente (*1952) wurden quasi über Nacht zu hoch gehandelten Kunstmarkthelden. Der ultimative Shooting Star der Achtziger war Jean-Michel Basquiat (1960 bis 1988), der als schwarzer Graffiti-Künstler, Straßenpoet, Experimentalmusiker und expressiver Malerderwisch die damals noch blütenweiße Kunstwelt aufmischte (art 5/2010). Innerhalb von zehn Jahren avancierte der in Brooklyn geborene Sohn haitianischer und puertorikanischer Einwanderer vom obdachlosen Outsider zum gefeierten Helden eines neuen, rohen Expressionismus.

Sein gestischer Malstil mit collageartigen Textfragmenten und Zitaten aus der Werbe- und Popkultur wurde auch von etablierteren Kollegen bewundert. Besonders von Warhol, dessen serielle Siebdrucke gut 20 Jahre nach der Erfindung der Pop Art nicht mehr ganz so taufrisch wirkten. Das brachte den Schweizer Galeristen Bruno Bischofberger auf eine Idee. Er überredete Basquiat, Warhol und Clemente zu einer Serie von Gemeinschaftsarbeiten. Zwischen 1983 und 1985 entstanden so eine ganze Reihe großer Leinwände, die die Stilelemente der drei Zugpferde seiner Galerie vereinten. Meist startete Warhol mit Siebdrucken von Haushaltsprodukten, Clemente fügte seine malerisch-symbolistischen Figurengruppen hinzu und Basquiat ergänzte das Ganze mit Text- und Kritzelcollagen.

"Basquiat übermalte die anderen brutal", sagt Dieter Buchhart. Der Wiener Kurator, der bereits die große Basquiat-Retrospektive in der Fondation Beyeler verantwortete, präsentiert die Ergebnisse dieses ungewöhnlichen Künstler-Teamworks nun unter dem Titel "Ménage à trois" in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle. Gezeigt werden nicht nur rund 35 "Collaborations", sondern auch viele Einzelwerke der Künstler, die die Verbindungen zwischen ihrem Werk deutlich machen sollen, darunter auch Warhols "Big Campbell's Soup Can", frühe Zeichnungen von Clemente und Basquiats expressive Bildcollagen. "Zwischen den Dreien gab es schon früher wichtige Bezüge, in den Gemeinschaftsarbeiten gehen sie dann über sich hinaus und schaffen so mehr, als sie allein gekonnt hätten", sagt Buchhart.

Kommerziell war die Zusammenarbeit zunächst wenig erfolgreich. Die Sammler wollten lieber Bilder mit eindeutiger Signatur. Doch als künstlerisches Experiment trug das Unternehmen Früchte. Warhol und Basquiat waren von der Zusammenarbeit so angetan, dass sie ohne Clemente noch rund 100 weitere Bilder zusammen malten. Eines davon, "Third Eye", brachte vor kurzem auf einer Auktion über sieben Millionen Dollar ein.

Ménage à trois: Warhol, Basquiat, Clemente

bis 20. Mai, Bundeskunsthalle, Bonn
Der Katalog erscheint im Kerber Verlag und kostet 29 Euro, im Buchhandel 45 Euro

http://www.bundeskunsthalle.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo