Edvard Munch

Frankfurt/Bremen



BILDER AUS DER AUßENWELT

Der Norweger als radikaler Modernist und eine sensationelle Entdeckung in Bremen. Zwei Ausstellungen widmen sich dem Werk von Edvard Munch. Die Frankfurter Schirn präsentiert den Expressionisten als Maler des 20. Jahrhunderts, während die Bremer Kunsthalle das Geheimnis um ihr Gemälde "Das Kind und der Tod" lüftet.
// SANDRA DANICKE, FRANKFURT

Denkt man an Edvard Munch, so fallen einem als Erstes depressive Motive ein. Schließlich hatte der Künstler selbst postuliert, sein Leben sei "ohne Angst und Kranksein wie ein Boot ohne Ruder". Die beklemmende Intensität seiner Bilder wäre ohne die Verzweiflung des Malers kaum denkbar.

Den "Schrei", "Melancholie", "Madonna" und eine sehr überschaubare Zahl weiterer Motive hat Munch wieder und wieder gemalt, dabei Stil, Ausschnitt oder Hintergrund mehr oder weniger variiert, vergleichbar dem Sampling in der zeitgenössischen Musik. So zentral scheint die Wiederholung im Werk des Norwegers, dass man annehmen könnte, es handele sich hierbei um eine konzeptuelle Überlegung. Die Ausstellung in Frankfurt, die zuvor im Pariser Centre Pompidou zu sehen war, geht davon aus. Sie präsentiert Munch (1863 bis 1944) als radikalen Modernisten des 20. Jahrhunderts. Auch seine dynamischen, an Illustriertenfotos angelehnten Kompositio­nen und die theaterhafte Anordnung der Figu­ren in bühnenartigen Räumen unterstützen diese These und belegen, dass er kei­neswegs bloß bekümmert in seiner Stube saß, sondern die Außenwelt und ihre Entwicklungen intensiv verfolgte.

Auch Munchs Obsession für das fotografische Selbstporträt, seine selbst erstellten Amateurfilmchen sowie seine Faszination für Strahlen – seien es die der Sonne oder des Röntgenapparates – sprechen für ein kreatives Interesse an den Errungenschaften der Moderne.

Eine Entdeckung in Bremen

Der Titel der Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, "Rätsel hinter der Leinwand", bezieht sich auf eine "sensationelle Entdeckung": Unter dem hauseigenen Gemälde "Das Kind und der Tod" war ein bisher unbekanntes Ölbild, "Mädchen und drei Männerköpfe", entdeckt worden. Gemeinsam mit exquisiten Leihgaben unter anderem aus dem Munch-Museum Oslo untersucht die Schau Munchs bevorzugte Themen wie Unschuld und Begierde, Liebe und Tod.

Edvard Munch

bis 26.02.2012, Kunsthalle Bremen. Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

http://www.munch-bremen.de

bis zum 13.05.2012, Schirn Kunsthalle Frankfurt.

http://www.munch-in-frankfurt.de

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3 Leserkommentare vorhanden

schirn.kunsthalle

09:21

13 / 02 / 12 // 

Weitere Informartionen zu Edvard Munch

Auf dem SCHIRN MAGAZIN gibt es noch viele weitere Hintergrundinformationen zur Ausstellung "Edvard Munch. Der moderne Blick" sowie Filme, Bildergalerien und Interviews. Reinschauen lohnt sich: http://www.schirn-magazin.de/ausstellungen/edvard-munch/

schirn.kunsthalle

09:22

13 / 02 / 12 // 

Weitere Informartionen zu Edvard Munch

Auf dem SCHIRN MAGAZIN gibt es Filme, Interviews, Bildergalerien und Hintergrundberichte zur Ausstellung "Edvard Munch. Der moderen Blick". Reinschauen lohnt sich: http://www.schirn-magazin.de/ausstellungen/edvard-munch/

Christian Lie Nicolaisen

14:08

17 / 05 / 12 // 

Er hat immer mit seiner Stafflei in unserem Wald gestanden.....

...Dieser grosse dunkle Mann, der sein Atelier in Aasgarstrand hatte, den Waldweg von Lie zum Fijord den Hügel hinunter. Und eines Tages fragte er uns Kinder, wir möchten doch unsere Eltern fragen, ob er uns malen dürfte. Zuerst malte er meine Schwestern und dann mich, im Freien. Ja, wir sind ihm begegnet und wir verloren unsere Furcht vor ihm, denn er war sehr freundlich.

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