Gert & Uwe Tobias

Hamburg



FANTASTISCHE MISCHWESEN

Die Zwillingsbrüder Gert und Uwe Tobias haben auf der gesamten Ausstellungsfläche des Hamburger Kunstvereins eine raumübergreifende Installation gestaltet, die den Besucher in die surreale Fantasiewelt ihrer Kunst entführt. Fragmentarisch, grafisch und äußerst farbenfroh blicken ihre grotesken Wesen von den Bildern.
// KATRIN VATTES, HAMBURG

Mehr als 100 Werke der aus Rumänien stammenden Zwillinge Gert und Uwe Tobias sind auf den beiden Stockwerken sowie im Treppenhaus des Kunstvereins zu sehen. Ein speziell für die Hamburger Schau gestalteter Holzschnitt, der auch als Plakat und Einladungskarte diente, begrüßt die Besucher ähnlich einem Buchcover am Treppenaufgang. Seit Ende ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig arbeiten die Brüder zusammen.

Sie erschaffen Zeichnungen, Collagen, Holzschnitte und Keramiken. Durch die farbige Gestaltung der Wände des Hamburger Kunstvereins betten sie ihre einzelnen Werke in einen größeren Zusammenhang ein. Schwarze Wandstücke wechseln sich mit weißen Partien ab, liegen sich gegenüber und greifen durch Zacken an ihren Rändern ineinander.

Auch die Pfeiler der Ausstellungshalle im ersten Stock werden in dieses Wechselspiel miteinbezogen. Hier werden vor allem die großen Holzschnitte der Künstler gezeigt, die durch Farbintensivität und fantasievolle Motive beeindrucken. Pflanzen tragen die verschiedensten Blüten, ornamentale Blumenmuster verschmelzen mit neu kombinierten Tierarten und ein &-Zeichen balanciert vor einem karierten Hintergrund auf seiner Rundung. Hängende Tropfen, bunte Zierranken, Insekten und Vogelwesen treffen in den Bildern immer wieder aufeinander. Die Mischwesen aus unterschiedlichen Vogelarten scheinen Alpträumen entschlüpft zu sein. Häufig liegen sie tot auf dem Rücken, hängen an den Füßen befestigt von der Decke herab oder sind nur noch als Skelette zu erkennen. Querschnitte von Blumen und Früchten erinnern an Abbildungen im Biologiebuch aus der Schulzeit.

Inspiration aus dem Stickbuch

Auch Gert und Uwe Tobias nutzen die Raum-in-Raum-Konstruktion, die schon seit einigen Ausstellungen das erste Stockwerk des Hamburger Kunstvereins strukturiert. Die äußeren Wände dieses Raumes, der nach oben hin offen ist, sind mit Drucken aus der Werkgruppe "Die Mappe" gestaltet; einer der wenigen Werktitel der Tobias-Brüder, die meisten Arbeiten haben keinen Titel. Ihnen gemeinsam ist ein kariertes Gitter in verschiedenen Farben als Grundstruktur. Hier greifen sie das Raster aus einem Stickbuch auf. Dieses Gitter gestalten die Brüder mit geometrischen Formen, Schriftzeichen sowie Tieren.

Ihre Holzschnitte drucken Gert und Uwe Tobias im Puzzledruck, erst durch mehrere Druckstöße einzelner Blöcke wird das Bild zusammengesetzt. Rechteckige Unterteilungen werden dadurch sichtbar. Die einzelnen, häufig leuchtenden Farbflächen erhalten durch den Druck unterschiedliche Strukturen, da die Farbe nicht immer deckend am Untergrund haften bleibt. So entstehen komplexe Kompositionen, die sowohl figurative als auch abstrakte Elemente aufweisen.

Skurrile Tiercollagen

In ihren kleineren Formaten, die überwiegend im Erdgeschoss angeordnet sind, nutzen sie Zeitschriftenbilder für ihre Tiercollagen, auch hier überwiegen Vogelwesen. So entsteht etwa ein Truthahn mit einem Entenkopf unter dessen Rock Flamingobeine und -kopf hervorlugen. Der Bilduntergrund dieser kleineren Werke wirkt durch Farbverläufe und -kleckse weniger grafisch. Sie sind auch nicht so farbig gestaltet wie die bunten großen Drucke, teils kommen sie sogar mit schwarzweiß aus.

Es gibt eine Menge zu entdecken in den skurrilen Motiven von Gert und Uwe Tobias, die aus Märchen und Sagen inspiriert werden. Spannend wird es sein zu erleben, was sich aus ihrer Gesamtinstallation ab Mai entwickelt: Denn ab dann werden nach und nach Teile verschwinden und durch Arbeiten weiterer Künstler ersetzt. Welche Wechselwirkungen in Kombination mit anderen künstlerischen Arbeitsweisen entstehen, wird bis zum Jahresende erprobt, bis nur noch das Treppenhaus und das Foyer in ursprünglicher Form erhalten sein wird.

Gert & Uwe Tobias

bis 18. November, Kunstverein Hamburg

http://www.kunstverein.de

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2 Leserkommentare vorhanden

artflaneur

19:03

09 / 02 / 12 // 

Raumgreifende Installation ?

Wo die Autorin eine "raumgreifende Installation" sieht, sehe ich allerdings nur jede Menge flatware. Gut gehangen und zum Verkauf bestimmt. Welche Galerie steckt wohl dahinter?

Walter von der Weide

10:12

14 / 02 / 12 // 

Postmoderne Beliebigkeiten

Man nehme etwas Konzept, ein wenig Minimal und ganz viel Otmar Alt. Das Zeug das ich hier sehe ich ziemlich leicht durchschaubar und schön dekorativ -Galerien stecken sowieso immer dahinter, denn ohne schafft kein unbekannter Künstler den Sprung in die Kunsthalle oder in irgend einen Kunstverein. Wenn der Künstler das ganze auch noch finanzieren kann ist auch die Suche nach einer Galerie kein Problem und alle Wege danach sind geebnet. Ich möchten den beiden Künstlern nicht an die Karre, doch weil das Zusammengeklittere längst Postmoderne Methode ist und bei aller Qualität Lustlosigkeit aufkommt inmitten all dieser Beliebigkeiten, sollten sie auf ihre künstlerischen Instikte hören, die beiden Zwillinge - Korumption verläuft fast unspürbar schleichend und dann ist es zu spät.

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