Eva Kotátková

Starter

Kreatives Chaos
Eva Kotatkova: o.T., 2011, Collage, 42 x 30 cm (Courtesy Meyer Riegger)

KREATIVES CHAOS

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jetzt jede Woche in der Reihe "Starter". Nach Magdalena Nordin geht es weiter mit den den Installationen von Eva Kotátková, die Fragen aufwerfen: Wie frei wohnt man? Wie frei denkt man? Wie frei lebt man? Eva Kotátková denkt über Begrenzungen und ihre Potenziale nach.
// MIRJA ROSENAU

Ein bisschen Druck müsse ich nun leider doch machen, schreibe ich Eva Kotátková, als sie die Antworten auf unseren Fragebogen trotz mehrmaligen Nachfragens einfach nicht schickt. Das zeige nur, wie chaotisch sie sei, schreibt die in Prag lebende Künstlerin zunächst reumütig zurück; außerdem sei die knappe Form bekanntlich die heikelste.

Ein kurzer E-Mail-Austausch, der mitten hineinführt in das Kontrastprogramm, das die Skulpturen, Zeichnungen, Performances und Videos der jungen Tschechin durchzieht: Da gibt es auf der einen Seite Standards und Normen, Erwartun­gen und Beschränkungen, Fremdbestimmung und ein restriktives Format, das einen individuellen Bewegungsspielraum auf der anderen Seite beeinflusst und eingrenzt. Wunderbar anschaulich hat Kotátková das Aufeinandertreffen von normativer Ordnung und kreativem Chaos mit einer Installation bei der letzten Liverpool-Biennale gemacht: Einer aufgeräumten Zimmereinrichtung stellte sie einen alles Mögliche und alle Möglichkeiten in sich tragenden, raumfüllenden Möbelhaufen an die Seite.

Das zwanghafte "Geradesitzen", ein verordneter "Hausarrest", der "Weg zur Schule", der mit seiner klaren Zielsetzung und Terminierung kaum Freiraum zum Bummeln oder Spielen lässt – das sind Themen, denen sich die Künstlerin in komplexen Rauminstallationen annähert. Mit Apparaturen, die etwa Schulkinder in typischen Sitzhaltungen arretieren; Erwachsene werden von Büchern ummauert oder kopfüber in eine in den Schreibtisch eingelassene Gitterkonstruktion gesteckt. An eingerüstete Körper und ein eingekasteltes Denken lassen auch die käfigartigen Holzkisten denken, die wie ein Pullunder zu tragen sind. Oder die als "eine Art Möbelset" verstandenen Gitterkästen, die den Körper "in den elementarsten Stellungen umschließen: sitzend, stehend, liegend". Eine Grippe habe sie ans Bett gefesselt, entschuldigt sich die Künstlerin, als sie ihre Antworten schließlich schickt. So zeitigt wie bei vielen ihrer Arbeiten auch dieser Arrest und von außen auferlegte Zwang am Ende doch etwas Gutes.

Steckbrief

Geboren: 1982, Prag, Tschechien

Wohnort Die kleine Wohnung in Prag, in der meine Großmutter lebte

Ausbildung: Akademien für bildende und für angewandte Künste, Prag; San Francisco Art Institute; Akademie der bildenden Künste, Wien

Galerie: Hunt Kastner, Prag; Meyer Riegger, Karlsruhe/Berlin

Initialzündung: Gespräche mit meinem Vater, der Philosoph und Schriftsteller ist. Der Drang, das Denken über scheinbar Festes und allgemein Akzeptiertes zu verschieben. Ich glaube noch daran, dass Kunst das leisten kann.

Höhepunkt: Liverpool-Biennale 2010 und Lyon-Biennale 2011. Die Begegnung mit meinen Professoren Vladimír Skrepl und Jirí Kovanda, dem Galeristen Karel Tutsch und dem Künstler Ján Mancuka, dessen hingebungsvoller, konzentrierter und kritischer Umgang mit der Kunst vorbildlich für mich ist.

Tiefpunkt: Die richtige Form, Sprache oder Herangehensweise, mich verständlich zu machen, noch nicht gefunden zu haben.

Helden: Meine Eltern. Organisationen und mutige Individuen, die für Tierrechte kämpfen. Václav Havel. Samuel Beckett. Charlie Chaplin. Und viele andere.

Credo: Intuition und Empathie zu folgen und mir einen kritischen Blick auf meine Umgebung und meine eigene Position darin zu bewahren. Zu versuchen, daran zu glauben, dass etwas, das gegeben und fest erscheint, nicht doch verändert werden kann.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Einen warmen Mantel anzuziehen, denn ich liege seit einer Woche mit Grippe im Bett.

Warum Künstlerin, nicht Bankerin?: Um in meiner Arbeit nicht fremden Regeln folgen zu müssen. Und um auf problematische sozia­le Themen reagieren zu können.

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4 Leserkommentare vorhanden

Chrischa

19:44

10 / 01 / 12 // 

puh

Nachdem ich mit den zuletzt vorgestellten Künstlern auch schon am Zweifeln war, ob ich denn zu viel erwarte und meine kritische Haltung der Arroganz nahe kommt, bin ich mit Eva Kotátková endlich einmal einverstanden. Gute Antworten, bei denen man das Gefühl hat, dass sie es ernst meint mit der Kunst (das Zeitlassen hat sich also gelohnt), interessante Arbeiten, die mich persönlich auch ansprechen (denn natürlich ist Kunst immer auch Geschmacksache), ich bin ein bisschen versöhnt.

Julia Schulz

01:19

11 / 01 / 12 // 

Je muffiger desto Art

Es ist mir nicht ersichtlich, was die Tschechin mit dem Thema "Old" anzufangen versucht. Dabei sieht das was sie macht ganz schön alt aus. Alle ihre Werke sind altbacken und wie aus den Trümmerjahren. Auch ist blöd, dass sie in ihren muffigen Zeichnungen ausgerechnet Bücher als Symbol eines Kastendenkens nimmt. Es ist zwar berechtigt Schule und Systeme zu kritisieren, aber doch nicht durch solch plumpe Symbolik.

karl hans

15:00

11 / 01 / 12 // 

onkel freud lässt grüssen

...

John Astbury

23:25

14 / 01 / 12 // 

I hate starter

Starter back to school !!!!!!!!!

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