The Oil Show

Dortmund



PAPIERTIEGER IM TANK

Eine schöne Idee, bei der das Konzeptpapier jedoch allzu vernehmlich raschelt: Eine Ausstellung zeigt verschiedene Seiten unserer Abhängigkeit vom Öl.
// MICHAEL KOHLER, DORTMUND

Pünktlich zur Eröffnung der "Oil Show" meldete die Lokalpresse, dass gleich hinterm neuen Museumsbau, dem Dortmunder U, ein Ölbohrturm errichtet werden soll. Tatsächlich findet sich vor der dortigen Baustelle ein Schild mit Auftraggebern, Projektleitung und allem, was dazugehört. Die Fertigstellung ist für Februar 2012 geplant, gerade rechtzeitig zur Finissage.

Zufall oder nicht, der Hartware MedienKunstVerein scheint auf alles vorbereitet und hat den Künstlern von "ubermorgen.com" erlaubt, im Inneren des U ein verschlungenes, mehrere Stockwerke durchziehendes Rohrsystem zu installieren, wie man es sonst nur aus Raffinerien kennt. Abgesehen von dieser herrlich verspiel­ten Ölscheich-Fantasie bewegt sich die "Oil Show"-Ausstellung meist auf "Weltspiegel"-Niveau: Es gibt viel zu lernen und einiges zu sehen, spannende Kunst ist hingegen nicht unbedingt dabei. Die Kuratorin Inke Arns hat fleißig recherchiert und führt anhand exzellenter Schautafeln vor, wie stark die industrialisierte Welt heute vom "schwarzen Gold" abhängig ist. Passend dazu geht es in den Videoinstallationen darum, welchen Preis – an der Tankstelle und anderswo – wir für das zur Neige gehende Lebenselixier zu zahlen bereit sind. Das Künstlerduo von Hausswolff & Nordanstad zeigt in einer Drei-Kanal-Installation drei Geisterstädte des Ölzeitalters, Mark Boulos stellt mit der Chicagoer Ölbörse und Opfern der nigerianischen Umweltkatastrophe die beiden Enden der Wertschöpfungskette einander gegenüber. Selbst die digitale Spieleindustrie hat mittlerweile das Ringen um die Ressource Öl entdeckt: An den Rändern zur sozialen Kunst bewegen sich AddictingGames & Molleindustria mit ihrer Smartphone-Anwendung "Oiligarchy", bei der nur die besonders Skrupellosen auf der Gewinnerseite stehen. Insgesamt gibt es in der Ausstellung jedoch zu wenig echte Schauelemente. Stattdessen hört man in den Kabinetten das Konzeptpapier vernehmlich rascheln.

The Oil Show

bis 19. Februar, Dortmund, Dortmunder U
Der Katalog zur Ausstellung kostet 20 Euro und erscheint bei Revolver Publishing

http://www.dortmunder-u.de

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo