Magdalena Nordin

Starter

Zu allem bereit
Magdalena Nordin feat. Sara-Vide Ericson: "Who I Am" (Videostill), 2011

ZU ALLEM BEREIT

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jetzt jede Woche in der Reihe "Starter". Nach Robert Seidel geht es weiter mit den den Werken von Magdalena Nordin, die sich kritisch mit dem medial vermittelten, weiblichen Schönheitsideal außeinander setzt.
// CLEMENS BOMSDORF

Sie geht putzen und träumt von der großen Karriere. Im Alltag der jungen Schwedin Magdalena Nordin sind Kunst und gewöhnliches Leben nicht so leicht auseinanderzuhalten. Vormittags arbeitet die 31-Jährige im nordschwedischen Umeå als Reinmachfrau, um so viel zu verdienen, dass sie sich nachmittags ganz ihrer Kunst widmen kann. Der große Durchbruch ist bislang ausgeblieben, und das sollte eigentlich noch ein wenig so bleiben, denn damit verkörpert Nordin jenes Phänomen, mit dem sie sich in vielen ihrer Werke beschäftigt: den ewigen Traum davon, ganz groß rauszukommen.

Jena Jameson hingegen hat es geschafft. Als Pornodarstellerin wurde sie berühmt und reich. Die Höhen und Tiefen ihrer Karriere beschrieb sie in ihrer Autobiografie "How to Make Love Like a Porn Star: A Cautionary Tale". Obwohl Jameson darin auch die schrecklichen Seiten ihres Lebens erwähnt, ist es wohl vor allem der Sex, der das Werk verkauft und der Jameson zu Ruhm und Reichtum verholfen hat. Das machte sie zu einem Objekt für Nordin. "Mich interessiert, dass immer wieder gesagt wird, man solle für seine Karriere fast alles machen, und dass viele dazu bereit sind", sagt die Künstlerin. Zudem setzt sie sich häufig mit dem Frauenideal auseinander, das in Medien vermittelt wird. Deshalb war Jameson nahezu perfekt für Nordin. Gemeinsam mit einer Freundin und einer Menge Klamotten veranstaltete sie ein Fotoshooting. Heraus kamen die zwei Frauen in Posen, wie sie zuhauf in Jamesons Autobiografie zu sehen sind. Nordin ließ davon für die Arbeit "Last Girl Standing" Plakate drucken, mit denen Reklamesäulen an der Nobelmeile Strandvägen in Stockholm plakatiert wurden – wild, denn sie klebte die vorhandenen Werbungen einfach über.

Die gutbetuchten Stockholmer standen statt Fotomodellen auf einmal zwei durchschnittlich ausschauenden leichtbekleideten jungen Schwedinnen in aufreizenden Posen gegenüber. "Ich habe kein Problem damit, mich vorzuführen", sagt Nordin, die mit den Bildern auch offenbarte, dass sie – wie die meisten Frauen – nicht dem Schönheitsideal der Werbung entspricht. Ganz anders als Paris Hilton, die Expertin in Sachen Selbstvermarktung. Hilton drehte erfolgreich Musikvideos – und Sexfilme. Und Nordin hat beides kombiniert. Der lustige Mix beider Genres, in denen Hilton den Star gibt, hatte Nordins Abschlussarbeit für die Stockholmer Kunsthochschule werden sollen, doch die Professoren hatten Angst wegen möglicher Copyright-Verletzungen. Dafür wurde der deutsche Künstler Olav Westphalen auf sie aufmerksam. "Ich finde das Video sehr elegant und effektiv", sagt er – vielleicht Nordins erster Schritt zur internationalen Karriere?

Steckbrief

Geboren: 1980, Umeå, Schweden

Wohnort: Umeå

Ausbildung: Konstfack Stockholm, 2009

Initialzündung: Als ich in die Mittelstufe ging (in Schweden ist das 4. bis 6. Klasse) war ich dick und schlecht in allen Sportarten. Aber ich entdeckte, dass ich gut darin war, zu zeichnen, also beschäftigte ich mich damit und seither bin ich diesen Weg gegangen.

Höhepunkte: Als mein Musikvideo "Who I Am" auf einem wichtigen Blogg verlinkt wurde. Innerhalb von weniger als einer Woche hatten 20 000 Leute, die meisten von ihnen waren zehn bis zwölf Jahre alt, es gesehen.

Tiefpunkt: Das Jahr nachdem ich die Konstfack (Stockholmer Kunsthochschule) abschloss. Ich war über ein Jahr arbeitslos und gezwungen soziale Unterstützung zu beantragen. Mein Sachbearbeiter sagte zu mir "Was hast Du fünf Jahre an der Kunsthochschule studiert??!! War es das wirklich wert?" Als ich zum Schluss einen Job bekam, war das bei einem Hamburger Restaurant. Es war schrecklich dort zu arbeiten und ich schaffte es nicht in meiner freien Zeit mich mit Kunst zu beschäftigen. Ich hatte in dem Jahr keine Ausstellungen und das hat das Ganze nicht besser gemacht.

Helden: Dan Park, Britney Spears, Beyonce und meine Freundin Svante.

Credo: Mach es so schnell wie möglich, um es nicht zu schaffen, nachzudenken.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ich finde ich habe gute Ratschläge bekommen. Aber ich habe in den vergangenen Monaten gemerkt, dass sich gut malen kann. Vielleicht den Rat mehr zu malen.

Warum Künstler, nicht Banker?: Das frage mich mich selber ungefähr dreimal in der Woche. Aber ich mag den Kundenkontakt nicht. Außerdem ziehe ich es vor in Jogginghosen und nicht im Kostüm zu arbeiten.

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6 Leserkommentare vorhanden

Stephan

16:15

06 / 01 / 12 // 

Leider nur Koketterie

Die Künstlerin hatte im Text "Zu allem Bereit" sogar gute Ansätze, aber im Video kokettiert sie nur mit ihrem lanweiligen und stupiden Weibchentanz. So unreflektiert kann man doch mit dem Thema Arbeitszwang bzw. mit der Ideologie "Arbeitslosigkeit" nicht in der Kunst umgehen. Eine gute Inspiration zur Arbeitskritik bietet die Gruppe Krisis im "Manifest gegen die Arbeit" http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

Eleonore Kaminsky

18:58

09 / 01 / 12 // 

OPFERROLLE

im Steckbrief steht, dass die Videokünstlerin aus Geldmangel dem Sozialamt ausgeliefert war und zur Putzfrau wurde. Der Putzfrauentanz wiederholt sich ja auch in ihrem Video. Statt sich zu wehren und darüber nachzudenken wie man künstlerische Freiheit und Finanzierung von Kunstprojekten fordert, plädiert sie in ihrem "Credo" aufzugeben und "NICHT nachzudenken", (Zitat: "Mach es so schnell wie möglich, um es nicht zu schaffen, nachzudenken"). Fraglich ist, warum ausgerechnet diese OPFERROLLE von Art veröffentlicht und als Starter gefördert wird !!!

ernst

22:09

09 / 01 / 12 // 

ist dieses kunstmagazin noch zu retten?

warum wird hier dieser versagerin überhaupt aufmerksamkeit geschenkt?... keine künstlerische leistung, kein statement, kein individuum, stattdessen popowackeln und... karaokesänger wie britney spears & beyonce zu helden erklärt. handelt es sich hier vielleicht um einen test oder ist das art irgendwie erblindet?

karl hans

13:52

10 / 01 / 12 // 

versagerin?

man nennt das performance herr ERNST. self-expression, das hat durchaus seine berechtigung. allerdings frägt man sich schon was da an den akademien im norden so gelehrt wird ausser der fähigkeit jeden furz zum künstlerischen akt zu deklarieren :)

ernst

14:30

11 / 01 / 12 // 

hier ist nix mehr zu retten

lieber herr karlhans... wenn eine in ihrem kunststudium nichts gelernt hat, liegt das bestimmt nicht an der kunstschule. vielleicht wäre sie in einer tanzschule besser aufgehoben. außerdem ist performance ein breiter begriff, was selten etwas mit kunst zu tun hat. dieses erbärmliche rumgehopse könnte höchstens als ein performance-marketing durchgehen... aber wozu ein kunstmagazin mit sowas zumüllen?

karl hans

11:36

12 / 01 / 12 // 

lassen sie mich

mal raten lieber herr ernst, sie sind ein hüftsteifer nichttänzer.