Marlene Hausegger

Starter

Fröhliche Störung
Marlene Hausegger: "Zebra together with Romana Rust", Kreide auf Asphalt, Graz, 2007

FRÖHLICHE STÖRUNG

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jetzt jeden Monat in der Reihe "Starter". Den Anfang macht Marlene Hausegger. Unkompliziert, poetisch und trotzdem engagiert: Mit Pappe, Stoff und Klebeband mischt die Wiener Künstlerin den öffentlichen Raum auf
// ALMUTH SPIEGLER

Der trostlose Blick von ihrem Gastatelier in Montpellier auf eine verlassene Psychiatrie hat Marlene Hausegger auf ihren Weg gebracht: Mit grasgrünem Karton und Klebeband verpasste sie der zusammengestutzten Platane eine Baumkrone wie aus einem Comic.

Das ist das Tolle an der Arbeit der Erwin-Wurm-Schülerin: Sie ist unkompliziert, poetisch und trotzdem engagiert. Ihre temporären Arbeiten im öffentlichen Raum gehen alle an – und können von allen verstanden werden. Etwa die weinenden Augen, die sie der Hausfassade ihres ehemaligen Ateliers im zweiten Wiener Gemeindebezirk lieh: Von hier haben die Nationalsozialisten eine jüdische Familie deportiert. So bunt und fröhlich die meist mit "armen" Materialien realisierten Interventionen Hauseggers wirken, sie kreisen oft um gesellschaftspolitische Themen, die sie gerade bewegen: Als 2010 die Einreisevisapflicht für Albaner in die EU fiel, verpasste Hausegger während eines Stipendiums in Tirana einem der omnipräsenten Wassertanks auf den Dächern Flügel und Schnabel – ein Zugvogel wie aus dem Bilderbuch, aber viel zu schwer, um abzuheben.

Mit einfachsten Mitteln erreicht sie Fantastisches und Fragiles: den Einblick in ein riesiges Puppenhaus, den die zierliche Künstlerin bei Nacht und Nebel auf eine versiffte Wiener Hauswand klebte. Der liebevoll ergänzte Kopf und Füße, mit denen ein Zebrastreifen plötzlich wieder zum Tier im Großstadtdschungel wird. Ein Street Artist sei sie trotzdem nicht, betont Hausegger. Wenn möglich, bittet sie vorher um Erlaubnis für ihre Interventionen, stören möchte sie niemanden damit. Die endlosen Genehmigungen, um im New Yorker Central Park ein riesiges Spiegelei "Sunny Side Up" aufs Gras zu legen, umging sie dann aber trotzdem lieber – und tarnte das poppige Stoffteil schlicht als Picknickdecke für ein öffentliches Gelage. Vergangenen Sommer hat es Hausegger aber wieder zu ihren Anfängen verschlagen, sie malt wieder. Wie sie es als Kind in der steirischen Provinz schon gerne tat.

Steckbrief

Geboren: 1984, Leoben, Österreich
Wohnort Wien
Ausbildung: Universität für angewandte Kunst, Wien; École des Beaux-Arts, Mont­pellier
Galerie: Projektraum Viktor Bucher, Wien
Initialzündung: Als Kind träumte ich davon, Zirkusdirektorin zu werden. Die Biennale in Venedig 2001 stellte meinen ersten Berührungspunkt mit zeitgenössischer Kunst dar.
Höhepunkt: Das Privileg, als Künstlerin zu arbeiten, ist der Höhepunkt.
Tiefpunkt: Bei jeder künstlerischen Arbeit gibt es Höhen und Tiefen, es ist essenziell, nach Tiefpunkten dran zu bleiben und nicht aufzugeben.
Helden: Maria Lassnig, Louise Bourgeois, John Baldessari
Credo: Das Ziel sollte sein, nicht nur auf einen möglichst raschen großen Erfolg ab­zuzielen. Ich schätze Künstler, die sich die Freiheit nehmen, etwas Neues auszuprobieren. Langweilig finde ich die, die aufgrund von markttechnischen Strategien stets nur eine Idee verfolgen und sich dabei nur wieder­holen.
Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Auf den warte ich noch.
Warum Künstlerin, nicht Bankerin?: | Lieber am Drahtseil als hinter der Zirkuskasse.

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11 Leserkommentare vorhanden

Petra Leitner

22:49

19 / 12 / 11 // 

Lustig, leider nur lustig

Es gibt schon genügend street artists, die unsere triste Alltagswelt mit gut gemeinten romantischen, teilweise recht kitschigen Beiträgen behübschen. Angesichts der aktuellen Herausforderungen unserer Generation, die wir nur Müll, Klimakatastrophe und Hunger von unseren Vorfahren geerbt haben - wobei wir noch im wohhabenden Teil der Welt geboren wurden, finde ich die vorgestellten Arbeiten leider nur lustig. Sie werden aber nicht den wirklichen Problemen gerecht. Comedy stars haben politische Kabarettisten abgelöst, Witzigkeit kennt keine Grenzen. Nichts gegen gute Gags, aber wo bleibt die Kunst, die gesellschaftliche Probleme tabulos angeht? Schaut euch mal Leute wie die Yesmen oder Hack an: www.hermann-josef-hack.de

karl jansen

14:20

20 / 12 / 11 // 

hihihi

spiel und spass, ein bissl klamauk. frühe hatte man noch ansprüche an die kunst, da gab es soetwas wie talent, formale, gestalterische oder wenigstens intellektuelle schärfe. das ist ein scheiss-kindergarten.

Lorelei

16:16

20 / 12 / 11 // 

Über Geschmack lässt sich streiten

Wie immer kann man hierzu sagen: Über Geschmack lässt sich streiten und über die Kunst auch. Finde die Werke hier ganz gut und lustig sind sie ohne frage. Zudem besser als die von Hack! Schöner Artikel!

Harry Schäfer

09:37

21 / 12 / 11 // 

Soziale Intervention und Intervention des Raumes - mal farbig !

Lieber Lorelei, mit " besser als " Beiträgen kann mann/ frau eine Diskussion beenden, aber nicht beginnen oder führen! Die Helden und Protagonisten der Künstlerin ( Bourgeois und Baldessari - ggf. auch ein wenig Christo und Jean-Claude ) würden in Bezug auf den ersten Kommentar von Frau Leitner, die Arbeiten wohl auch eher der - leichten, aber schnell vergänglichen Comedy - zuodnen wollen und nicht dem etwas tiefer gehenden Kabarett;. Vielleicht macht Frau Hausegger aber auch einfach nur gute poetische Satire und damit könnten dann sowohl die Freunde desKabarett, als auch die Comedy-Liebhaber leben. Einige triste Orte,Räume, Gebilde haben eine farbige Auflockerung erhalten. Ist doch schön - für die Orte und auch zu fotografieren.

karl jansen

14:16

21 / 12 / 11 // 

geschmack

das simple `narrativ`hat irgendwann ausgedient. das ist keine frage des geschmacks sondern der qualität künstl. auseinandersetzung.

PETRA HOFMEISTER

19:37

22 / 12 / 11 // 

Und ich dachte schon, ich sei die Einzige, die noch Ansprüche an Inhalt und Form stellt

Der jungen Frau sei zu Gute gehalten, dass sie von ihrem Meister Wurm wohl noch nicht alles gelernt hat, jedenfalls was Tiefgang und Qualität angeht. Da geht bestimmt noch mehr. Aber sie dafür gleich als Protagonistin von art zu feiern, würde ja bedeuten, es gäbe keine jungen KünstlerInnen mit wirklich wichtigen Anliegen und adäquater Umsetzung. Alles andere ist Dekoration und gehört in die IKEA-Deko-Abteilung. Wenn das alles ist, dann können sich unsere Wulffs und Ackermänner freuen, dass sie von der Kunst nichts zu befürchten haben. Gottseidank gibt es noch die anderen, die sich den A.... aufreißen und nachts durch die Städte ziehen und in der Illegalität ihre Arbeiten anbringen, um nicht im vom wahren Leben abgehobenen Kunstzirkus als Clowns zu enden. Aber vielleicht verlange ich einfach zu viel in einer Zeit, wo Dieter Bohlen, Mario Barth und Charlotte Roche als die erfolgreichsten Künstler gelten. Schade, dass dem nicht mehr von der art-Redaktion entgegen gesetzt wird.

Alex Müller

00:37

23 / 12 / 11 // 

Das ist nur peinliche Hobby-Kunst.

Was hat die gute Almuth dazu gebracht, diese Kindergarten-Deko als "Kunst" zu publizieren ?

Alex Müller

00:38

23 / 12 / 11 // 

Das ist nur peinliche Hobby-Kunst.

Was hat die gute Almuth dazu gebracht, diese Kindergarten-Deko als "Kunst" zu publizieren ?

Theresa Senk

10:41

23 / 12 / 11 // 

Über Kunst und Kindergarten

Es stimmt, die Bilder haben tatsächlich Deko-Charakter, aber warum soll man das nicht Kunst nennen? Ist doch ein weitläufiger Begriff. Kann mich nicht daran erinnern, dass festgelegt wurde, Kunst müsse automatisch intellektuell und anspruchsvoll sein. Warum also nicht mal ein paar Bilder zeigen, die sich der Betrachter nicht nur im Museum angucken, sondern glatt ins Wohnzimmer hängen würde? Mir gefallen die Werke - wenn sie dem Betrachter ein Lächeln abgewinnen, gehören sie zu den kleinen Freuden des Lebens, und die sind wichtig. Wieso kann Kunst nicht einfach mal Spaß und Freude machen? Immer ist sie gleich an so viele Erwartungen geknüpft. Wichtig ist doch die Vielfalt der Kunst, dass es von allem etwas gibt: politische und unpolitische, schwere und leichte Kost - genau wie in der Musik und Literatur. Insofern würde ich Frau Hausegger vielleicht ein wenig mehr Respekt und Akzeptanz entgegenbringen - alles andere nenne ich "Kindergarten". @art: Schöne neue Serie, bin schon gespannt auf die nächsten Künstler!

Wilhelm Schrader

13:42

23 / 12 / 11 // 

Infantilismus pur

@ Theresa Senk Was ist daran lustig, wenn sich Erwachsene infantil und unernsthaft benehmen, wie z. B. diese studierte Künstlerin Hausegger. Für mich ist das ein sehr trauriger Zustand und eher ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und vor allem für die Nachwuchskunst. Es muss doch jedem klar sein, dass Tätigkeiten wie das Dekorieren und fragwürdige Belustigungen keine künstlerischen Leistungen sind, auch wenn die Presse wie "ART" das so verkaufen möchte.

PIETRO LOMBARDI

16:03

23 / 12 / 11 // 

isch find das alles super, endlisch mal Kunst für äh für unns Dischter und Dänker

das Niwo muss stimmen, sagt der Dietä immä. Kann man das Zebra kaufen? Bestimmt inner Galeere, oder? Oder Foto von Zebra, was kostet das? Die scheiß Politik-Künstler sollen doch nach Afrika demmonstrieren gehen und uns hier in Ruhe lassen, oder? Meint der Kevin und Vanessa auch. Macht doch mal ein art Dschungel-Camp, mit so guten Künstlern und so.

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