11 / 03 / 2008
Lumen Christie's
St. Katharinen
MATRATZEN-CONCORDS HEILIGE ÄRZTE
Schiebt man die schwere Holztür der Katharinenkirche auf, trifft man nicht auf das erwartete Erscheinungsbild. Die Sicht durch den Mittelgang auf den Altarraum ist von einer grauen Wand versperrt, bis auf einen kleinen Durchgang. An der Wand hängen in Petersburger Art Malereien. Rechts neben dem Altarraum steht ein grell-bunter Verkaufsstand mit der Aufschrift Orgelspende, an dem rote, blaue und weiße Shirts hängen. "My home is not your home" oder "Ich schlage meine Frau" steht auf ihnen.
Auf einem kleinen Tisch daneben liegen CDs von "The Protestants". Diese Gruppe aus drei Studenten vollbringt hier ihre "Gute Tat des Tages", wie Nikolas Osorno, einer von ihnen, sagt. Den Erlös spenden sie der bereits laufenden Initiative zur Wiederherstellung der Katharinen-Orgel, die 1943 nach einem Bombenangriff verbrannte. Die Musikstücke haben sie in der besonderen Akustik der Kirche aufgenommen.
Die Ausstellung ist das Ergebnis eines interdisziplinären Studienseminars, an dem Studenten aus den Klassen Pia Stadtbäumer, Norbert Schwontkowski und Werner Büttner teilnahmen. Die interessantesten Ergebnisse der 30 Teilnehmer sind die großen Installationen, die sich unmittelbar mit dem Raum Kirche als heiligem Ort beschäftigen.
Und das sind die neuen Heiligtümer: Im Chorraum, einen Stock höher im hinteren Teil der Kirche, hat Max Frisinger eine begehbare Installation von acht Metern Höhe und drei Metern Tiefe errichtet: den Altar. Eine Weihestätte aus "buntem Alltagsflitter, orientiert an barocken, bayrischen Altären", nannte es der Malerei-Professor Werner Büttner in seiner Eröffnungsrede. Mit Alltagsflitter meint er Kabel, Planen, Schaufensterpuppenbeine, Pappteller und Leuchtstoffröhren. Was die Ästhtetik des Materials betrifft, ist Frisingers Altar die logische Entgegnung auf die dunkel gebeizten Sitzbänke und die übrigen edlen, schweren Materialien des Kirchenraums.
Aber der Altar funktioniert: Nach Beendigung des Gottesdienstes stehen alle Besucher, den Blick ehrfürchtig nach oben gerichtet, vor Frisingers Altar und harren der Dinge die da kommen. Man sieht einige Studenten in die erste Etage des Altars steigen und, von der Orgel begleitet, auf den dort in Büscheln angebrachten Kabelschläuchen zu blasen. Nach zehn Minuten wird es Licht in den höhlenartigen Strukturen des Altars und eine motorisierte, pinkfarben beklebte Platte beginnt sich zu drehen.
11 / 03 / 2008
