Carsten Höller

New York



AUF EIGENES RISIKO

Der skandinavische Künstler Carsten Höller, auch als "verrückter Professor" bekannt, macht seinem Namen derzeit alle Ehre. Seine Ausstellung "Experience" im New Yorker New Museum gleicht einem Freizeitpark. Die Besucher können rutschen oder mit einem unendlich langsamen Karusell fahren, passieren riesige Pilze oder taumeln durch einen schwankenden Tunnel. Von der Decke fallen schließlich weiße Pillen in einen Trog – fraglich, ob sie die Wirkung der Ausstellung noch verstärken.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Eine Verzichtserklärung auf Schadensersatz zu unterschreiben, ist ein viel versprechender Auftakt für eine Ausstellung. Wer auf einer von Carsten Höllers berüchtigten Rutschen durch das Museum sausen, sich durch einen mit Salzwasser gefüllten "Giant Psycho Tank" treiben lassen oder im dahin schleichenden Kinderkarussell seine Runden drehen will, tut dies auf eigenes Risiko. Der in 1961 in Belgien geborene und in Stockholm lebende Künstler, der seine Karriere als Naturwissenschaftler 1993 hinter sich ließ, verwandelte drei Etagen des New Museums auf der Bowery in einen Erlebnispark mit Arbeiten aus den vergangenen 18 Jahren. Um wissenschaftliche Experimente, Kunst und Spiel miteinander zu verschmelzen, so Kurator Massimiliano Gioni. "Und die Institution Museum an sich zu testen."

Höller, der den Hamburger Bahnhof mit Rentieren bevölkerte oder die Tate Modern mit einer gigantischen Rutschbahn ausstattete, hat sich neben Künstlern wie Maurizio Cattelan, Dominique Gonzalez-Foerster, Pierre Huyghe oder Rirkrit Tiravanija längst in Europa etabliert, wo ihm der Ruf des verrückten Professors vorauseilt. In den USA gilt er immer noch als Geheimtipp. Im Guggenheim Museum baute er 2008 im Rahmen einer Gruppenshow das Hotelzimmer "Revolving Hotel Room" auf und lud die Museumsbesucher dazu ein, die Nacht in der Rotunde zu verbringen. Höllers Zimmer-Installation war damals ausgebucht. Im New Museum wurde dem Künstler, der ursprünglich in Deutschland Agrarwissenschaften studiert hat, erstmalig in den USA die Möglichkeit gegeben, eine Institution in eines seiner Forscherlabore zu verwandeln. Das Ergebnis sei ein wissenschaftlich kühler Ort, an dem man nicht weiß, ob der Forscher die Maus oder die Maus den Forscher trainiert hat, meint Kurator Gioni.

Das Labor der Gefühle

Dabei geht es Carsten Höller in seinem Labor um Gefühle. Vor allem um die großen Glücksbringer im Leben: die Liebe, die Natur, das kindhafte Spiel, den Genuss der Stille und des Rausches. Kunst wird bei Höller auf spielerische Weise erlebt. Seine Arbeiten führen vor, dass sich die Menschen trotz aller wissenschaftlichen Errungenschaften nicht auf ihre Sinne verlassen können. So werden sie bei dem Experiment "The Pinocchio Effect" mit simplen Mitteln ausgetrickst und es fühlt sich so an, als ob die eigene Nase wachsen würde. Das elegante, aus Spiegeln gebaute Kettenkarussell hat der Künstler dermaßen verlangsamt, dass es nichts mehr mit berauschenden Kindheitserinnerungen gemein hat. Eine Liebesdroge verströmt ihren Duft. Der schwankende Tunnel "Swinging Curve" (2009) führt die Besucher mit unsicheren Schritten in Richtung Licht und Erleuchtung. Singvögel zwitschern in ihren Käfigen.

Im Wunderland

Höllers Märchenpilze sind zu bedrohlicher Größe herangewachsen. Seine Neontierchen kauern auf dem Boden und scheinen gestreichelt werden zu wollen. Kreischende Gäste rumpeln die sich windende Metall-Rutsche herunter, die sich mitten durch das kleine Museum vom vierten bis zum zweiten Stock erstreckt und durch die Geschosse gebohrt hat. Blinkendes Neonlicht, die aktuelle Arbeit "Double Light Corner" schüttelt die Sinne ebenso durcheinander wie die Spiegelbrille, die der Künstler den Besuchern mit auf den Weg gibt, um die Welt auf den Kopf zu stellen. Der Kunst-Erlebnispark kann einem bei aller Perfektion nach einer Weile zu viel werden. Es hilft, den Kopf in Höllers Aquarium zu stecken und den Fischen zuzugucken. Oder sich einfach den sparsamen, nicht interaktiven Arbeiten zu widmen wie das aus transparentem Plexiglas geformte Hochhaus ("High Rise Sculpture" von 2006), in dem sich Rutschen wie Adern durch das Gebäude ziehen und die Stockwerke miteinander verbinden. Oder man wirft einfach eine der weißen Pillen ein, die im 15-Sekunden-Takt vom Museumshimmel in einen riesigen Plexiglastrog fallen. Ob Höllers Pillen Langzeitwirkung haben, bleibt abzuwarten.

Carsten Höller

bis 15. Januar 2012

http://www.newmuseum.org

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1 Leserkommentar vorhanden

Hallomasch

13:48

27 / 01 / 12 // 

Pilz mit hat was drin?

Habisch Pilz genommen, Autobahn, isch Auto, Pilz genommen, ganz gut dann Auto Kaputt aber isch gut im Kopf mit Pilz. War sicher falsches Pilz mit was drin? Vielleicht? Schüss weiss nix mehr. Bin auf facelbook. Flörten!!!!

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