Die Kunst ist weiblich

Gunter Sachs



IN DER BADEWANNE VON ROY LICHTENSTEIN

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig zeigt derzeit in der Ausstellung "Die Kunst ist weiblich" die gewaltige Kunstsammlung und das – zumindest bisherige – Gesamtschaffen des 75-jährigen Allround-Talents Gunther Sachs. Darunter auch sein legendäres Turmzimmer im Hotel Palace in St. Moritz.
// ANNA LENA SCHANZ

Einmal in die von Roy Lichtenstein kreierten Badewanne steigen oder in der von Andy Warhol entworfenen Küche brutzeln – zugegeben, das wäre zu viel des Guten. Doch zumindest mal hineinschauen kann man in den Palace-Turm in Leipzig.

Und der Besucher ahnt dabei, wie sich das Leben des Playboys Gunther Sachs in den ausgehenden sechziger Jahre angefühlt haben muss. Als Sachs 1969 in das Turmapartement des Palace Hotels in St. Moritz einzieht, lässt er Tom Wesselman, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Arman, César, Yves Klein und Allen Jones freien Lauf bei der Gestaltung des Interieurs. Wesselmann lieferte Gemälde, Warhol Porträts von Sachs und dessen damaliger Frau Brigitte Bardot, und Lichtenstein sorgte für den Bettüberwurf. Zum ersten Mal wird nun dieses Gesamtkunstwerk maßstabsgetreu nachgebaut und die originalen Kunstwerke darin an ihren Platz gebracht.

Sachs ist nicht nur Auftraggeber, sondern auch Galerist, Geschäftsmann, Museumsdirektor, Dokumentarfilmer, Maler und Fotograf – und in allem, was er anpackt, sehr erfolgreich. Bereits als Mathematik- und Wirtschaftsstudent beschäftigte er sich mit Experimentalfotografie in Schwarzweiß, später folgten Modeaufnahmen, Arbeiten für Kalender, Werbung, Kunstzeitschriften und Bücher. In Leipzig sind nun mehr als 200 Fotografien und Gemälde zu sehen.

1972 gewinnt Sachs mit seinem Film "Happening in White" den ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees. Mit Hochgeschwindigkeitskameras schafft er spektakuläre Zeitlupensequenzen in einer bislang nicht gekannte Ästhetik und Perfektion. Im selben Jahr holt Sachs den außerhalb der USA noch unbekannten Andy Warhol in seine Hamburger "Galerie an der Milchstraße". Die europaweit erste Warhol-Ausstellung zieht viele Menschen an, jedoch ersteht das zugeknöpfte Publikum kein einziges Bild. Verlegen kauft Sachs selbst kurzerhand ein Drittel der ausgestellten Arbeiten, darunter "Superman" für schlappe 20 000 Mark. 2004 trennt sich Sachs von dem Warhol-Gemälde für das Tausendfache seines Einstandswertes. Sachs hatte stets ein gutes Gespür für den Zeitgeist und war diesem auch manchmal weit voraus.

"Gunter Sachs – Die Kunst ist weiblich"

Termin: noch bis zum 22. Juni 2008 im Museum der bildenden Künste, Leipzig. Katalog: Ende April 2008 erscheint ein Katalog zu Leben und Werk, der zudem die Ausstellung in Bildern, Dokumenten und Texten zeigt.

http://www.mdbk.de

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4 Leserkommentare vorhanden

EVA HORSTICK-sCHMITT ARTEVE

19:50

10 / 03 / 08 // 

dIE KUNST IST WEIBLICH

HAT DORT JEMAND MEINEN TITEK ABGESCHAUT ? MEINE AUSSTELLUNG 2007 HIEß DAS REVIER IST WEIBLICH ! ABER ICH WEISS; DAS IST ALLES NORMAL ;DENN IM LETZTEN JAHR HABE ICH MEINE PAGE ZUM MUSEUM DORT GESENDET UND VIELLEICHT HABEN DIE DAS EINFACH ABGESCHAUT....WIE LEICHT...

r.mutt

21:05

10 / 03 / 08 // 

Peinlich, peinlich, peinlich

Wie kann es sein, dass diese Ausstellung auf so wenig vernichtende Kritik stößt? Einige Denkanregungen: 1. Die Agentur Reichelt und Brockmann vermittelte die Ausstellung an das Museum. Dieser merkwürdige Vorgang steht einem noch relativ renommierten Kunstmuseum schlecht zu Gesicht steht, oder? 2. Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt lügt, indem er behauptet, er habe Sachs die Ausstellung vorgeschlagen. Richtig ist, dass die Ausstellung ihm angeboten wurde. Ist ein Direktor, der sich mit fremden Federn schmückt, tragbar? Bei "Sieben Mal Malerei" hat er Ähnliches getan. Fremde Leistungen für eigene ausgegeben. 3. Die Sachs-Ausstellung fälscht Fakten. Der Altplayboy darf dort unwidersprochen behaupten, er habe 1972 die erste Warhol-Ausstellung auf unserem Kontinent realisiert. In Wahrheit war Warhol auch in Europa schon ein alter Hut (seit 1964 etliche Male in etlichen Einzelausstellungen gezeigt), als Sachs sich seiner annahm. 4. Sachs braucht die Legende, er sei ein Pionier und habe Geschmack. Doch diese Ausstellung beweist erneut, dass Sachs weder Geschmack besitzt noch Vorläufer von irgendwas ist. Gerade hinkt er der Streetart verzweifelt hinterher. 5. Medien wie das Art-Magazin kolportieren leider ungeprüft das Material, das ihnen von Sachs und dem Mseum vorgelegt wird. 6. Andere Medien lassen ihre Artikel gar von Sachs' Büro gegenlesen, bevor sie erscheinen. 7. Eine Frage, der sich Sachs nie stellen muss: Wie kommt er damit klar, dass sein Millionenerbe nicht zuletzt auf den Verbrechen der Nazis basiert (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Willy\_Sachs)? 8. Eine Frage, die ebenfalls nicht gestellt wird: Wie kann es sein, dass ein städtisches Kunstmuseum, einer gewissen kritischen Praxis verpflichtet, einem steinreichen Lebemann 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bedingungslos überlässt? Das Museum hat Sachs freie Hand gelassen. Ein unglaublicher Vorgang!

PetraM

11:23

18 / 03 / 08 // 

Interessante Kritik

Hallo, finde die Kritik doch recht interessant, wenn auch sehr 'motiviert' wirkend. Habe Gunter Sachs nicht wirklich auf dem Zettel, wenn ich ihn in einer Talkshow sehe, wirkt er immner etwas borniert und belanglos. Er macht eigentlich nicht weiter als sich an den Berichten über seinen vermeintlichen Jet-Set-Life-Style aufzuwerten und das Recht älterer Männern an Viagra zu propagieren. Meistens schalte ich weiter, weil er ausser seinem ewig redundantem Gedudel nichts weiter zu sagen hat. Habe mich schon gewundert seinen Namen hier im art-magazin zu lesen. Meiner Meinung nach sollte er sich mal aus der öffentlichkeit ziehen und ein seinem Alter entsprechenden Lebensabend begehen :0) Danke und Sorry Gunter, für die schöne leere Zeit mit Dir! Tschüssy!

der aufklärer

10:32

01 / 04 / 08 // 

Der Gunter Sachs Skandal in Leipzig

Die Ausstellungsagenten Peter Reichelt und Ina Brockmann aus Mannheim sind die wahren Vermittler der Gunter Sachs - Ausstellung in das Museum für moderne Kunst nach Leipzig. Der Skandal um Gunter Sachs und seine Ausstellung in Leipzig, oder das Schmücken mit fremden Federn. die erfolgreiche, fast 2 jährige arbeit der mannheimer ausstellungsagenten peter reichelt und ina brockmann, wurde und wird von direktor schmidt und von gunter sachs offensichtlich aus eigennützingen gründen gegenüber der öffentlichkeit totgeschwiegen. die version, die von beiden verbreitet wird..."direktor schmidt kam mal so eben auf die idee einer sachs-ausstellung und da hat direktor schmidt gunter sachs mal angeschrieben und sachs war begeistert von der einladung usw...", wie nicht nur im STERN zu lesen ist, stimmt so absolut nicht! sie ist gut und frei erfunden! mir liegt der tatsächliche schriftverkehr zwischen sachs, reichelt und brockmann und direktor schmidt zwischen 2006 und 2008 vor. und dieser spricht eine klare sprache: ohne reichelt und brockmann keine ausstellung über das lebenswerk, keine retrospektive...nichts.es war einzig und allein die arbeit von reichelt und brockmann, sachs und schmidt von ihrer idee zu überzeugen. reichelt hat zuerst sachs mit seinem vorschlag kontaktiert. sachs teilte ihm mit, wenn überhaupt eine ausstellung, dann nur eine über sein lebenswerk zu seinem 75. geburtstag und nur an einem ort in deutschland. einmalig. da wollte er seine ganze kraft der realisierung reinstecken.sachs gab reichelt im sommer 2006 den auftrag ein solches museum für ihn zu finden.reichelt kontaktierte daraufhin direktor schmidt in leipzig, den er von einer früheren zusammenarbeit in kiel her kannte und unterbreitete ihm den vorschlag sachs' lebenswerk in seinem haus zu präsentieren.schmidt war von der idee sofort fasziniert. erste treffen fanden dann im herbst 2006 in leipzig statt, an denen der architekt von sachs, ina brockmann und direktor schmidt teilnahmen. im winter 2006 kam es zum ersten persönlich

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