Pierre-Auguste Renoir

Chemnitz

Sinnlichkeit in Seide gehüllt
Pierre-Auguste Renoir: "Im Sommer", 1869 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB/Jörg P. Anders)

SINNLICHKEIT IN SEIDE GEHÜLLT

Die Kunstsammmlungen Chemnitz widmen Jean-Auguste Renoir gleich zwei Ausstellungen: 90 Gemälde und Zeichnungen, dazu kostbare Luxusstoffe aus der Zeit Renoirs
// PETRA BOSETTI

Pierre Auguste Renoir (1841 bis 1919) muss sie geliebt haben: die schönen Frauen der Pariser Gesellschaft, deren Pfirsichhaut im Kerzenschein samtig schimmert, in kostbare Roben gehüllt, hofiert von galanten Herren. Der französische Impressionist hat sie in seinen sinnlichen Bildern gefeiert wie kaum ein anderer. Sein Augenmerk galt dabei oft der sensiblen Darstellung der fließenden, sich bauschenden, glanzvollen Stoffe der eleganten Kreationen.

Die Kunstsammlungen Chemnitz haben Renoirs subtile Behandlung des textilen Materials in den Mittelpunkt einer Ausstellung gerückt, auf der insgesamt 90 Gemälde und Druckgrafiken gezeigt werden (die Papierarbeiten stammen aus dem Saarland-Museum Saarbrücken). Der Titel "Wie Seide gemalt" bezieht sich aber auch auf Renoirs Malerei der weichen, sanften Töne, mit denen er seine Modelle gemalt hat, die mit denen des Hintergrunds verschmelzen. Renoir, ein Kind der Arbeiterklasse, hatte zunächst Porzellanmalerei gelernt und dekorierte dann als Lehrling eines Textilmalers Markisen und Fächer. Nach einem kurzen Intermezzo an der Ecole des Beaux-Arts trat er ins Atelier des Schweizer Romantiker Charles Gleyre ein, wo er mit jungen Künstlern wie Alfred Sisley, Camille Pissarro und Claude Monet zusammentraf und durch sie zum Impressionismus kam.

Seine Gemälde, die in freier Natur entstanden sind – in der Ausstellung etwa das Mädchen im Bild "Im Sommer" – gefallen durch das berückende Spiel mit Licht, Schatten und Farben, durch ihre frische, heitere Atmosphäre. Seine Bilder von fröhlichen Gesellschaften strahlen pure Lebensfreude aus. Nach 1881 orientierte sich Renoir zunächst an einem neuen Vorbild, dem Klassizisten Jean-Auguste-Dominique Ingres, von dem er die lineare Konturierung der Darstellung übernahm. Erst nach einem Besuch bei dem großen Koloristen Paul Cézanne in Aix-en-Provence fand er zu seinem freieren Stil zurück.

In Chemnitz sind 90 Beispiele aus Renoirs Lebenswerk zu sehen; eine ebenso schöne wie sinnvolle Ergänzung stellt eine zweite Schau dar: "Samt und Seide", die französische Luxusstoffe aus der Epoche Renoirs vereint. Die seidenen Tuche und Samte tragen gegenständliche, meist florale Motive: Mohn, Seerosen, Veilchen, Orchideen, Iris, Lilien oder Flieder sind zu fantastischen Ornamenten ineinander verschlungen.

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