Off-Spaces: Kleine Humboldtgalerie

Berlin

Off-Spaces: Kleine Humboldtgalerie
Blick in die Ausstellung: "Freischuss"

OFF-SPACES: KLEINE HUMBOLDTGALERIE

Trainingslager der Subkultur: In der Serie "Off-Spaces" präsentiert art alternative Kunstorte. Diesmal: die Kleine Humboldtgalerie.

Welche war Ihre bestbesuchte Ausstellung? Und warum?

Die letzte Ausstellung, "Seeing Things" hat sich bisher am vollsten angefühlt. Das mag daran liegen, dass auch das Uni-Umfeld inzwischen von uns weiß und sich interessiert.

Und der größte Misserfolg?

Vorgekommen sind verspätete Transporte, lauwarme Getränke und auch grundlegende, konzeptuelle Probleme. Seit wir unsere erste Ausstellung programmatisch "Freischuss" genannt haben, gehören solche Umwege für uns aber dazu. Der Begriff vom "Freischuss" kommt aus dem Jura-Studium und meint die Möglichkeit, beim ersten Mal ohne zu befürchtende Spätfolgen durch eine Prüfung zu fallen.

Welche Ausstellung würden Sie gerne einmal realisieren, wenn Geld keine Rolle spielt?

Wenn wir eine Ausstellungsidee verworfen haben, dann war "zu teuer" bisher nie der Grund. Mit mehr Geld würden wir also wohl vor allem das Bestehende professionalisieren. Zum Beispiel wäre es sehr praktisch, sich Akkuschrauber nicht immer von den Uni-Hausmeistern ausleihen zu müssen.

Ihre Philosophie beziehungsweise Ihr Konzept in einem Satz?

Auf der Website steht es so: "Die Kleine Humboldt Galerie ist eine studentische Initiative zur Konzeption und Durchführung von kuratierten Ausstellungen an der Humboldt-Universität zu Berlin."

Was ist Ihre Motivation, einen solchen Off-Space zu betreiben?

Die Idee hat sich ursprünglich als Reaktion auf die Bologna-Diskussion vor zwei Jahren entwickelt. Die ersten Ausstellungen entstanden aus der Frage, ob man sich über Bildung auch anders Gedanken machen kann als durch hitzige ReferentInnenrat/Asta-Sitzungen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus?

Als Raum der ein wenig abseits der Szene existiert, versuchen wir in der Auswahl vor allem eine gewisse Heterogenität zu erreichen. Wenn wir Studenten auf Augenhöhe neben relativ etablierten Künstlern ausstellen, dann hilft das, Cliquen-Ausstellungen zu vermeiden.

Bitte eine abenteuerliche oder skurrile Anekdote aus Ihrem Off-Space:

Für seine Performance hat der Künstler Yorgos Sapountzis an das etwa 200-köpfige Publikum große, geschmückte Äste verteilt, die dann in Prozession durch das gesamte Gebäude getragen wurden. Als wir am nächsten Morgen zum Aufräumen in die Uni kamen, fielen uns die Polizeiwagen auf. Für diesen Tag war hoher Staatsbesuch an der Uni angekündigt, und die Bundespolizei machte sich Gedanken, wer mit diesen vielen Baumstämmen wogegen zu protestieren plante.

Wo und wann hört die Freiheit alternativer Kunstorte auf?

Beim Raumbelegungsplan der Uni.

Wenn Sie kein Off-Space wären, was für ein Raum wären Sie dann?

Unsere besondere Mischung von Akteuren konnte nur im "Off" entstehen.

Was wäre Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Wir möchten die Galerie gerne so aufstellen, dass sie von neu ankommenden Studierenden übernommen und in unserem Sinne weitergeführt werden kann, wenn wir mit dem Studium fertig sind.

Die Fragen beantworteten: Jana Haeckel, Max Seemann, Jakob Bauer, Rieke Ernst, Marie Egger, Boris Pofalla, Katharina Lee Chichester, Sophie Bunge, Gregor Quack

Gründungsjahr: 1978, 2009 mit neuer Besetzung wiedergegründet
Leitung: Katharina Lee Chichester, Gregor Quack
Wie viele Helfer: 9
Unbezahlter Arbeitsaufwand pro Woche: 20 Std.
Ausstellungsfläche: 120qm
Altersdurchschnitt der Besucher: 3-83
Jahresbudget: 2800€

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