Lee Ufan

New York

Die rohe Existenz der Dinge
Lee Ufan: "Marking Infinity", 2011. (Photo courtesy Lee Ufan)

DIE ROHE EXISTENZ DER DINGE

Der Künstler soll nicht verformen, sondern arrangieren: Nach diesem Motto gestaltet Lee Ufan seit Jahrzehnten seine Kunstwerke. Doch in den USA galt er lange Zeit als Unbekannter. Das Guggenheim Museum lässt sich nun nicht lumpen - und übergibt ihm das ganze Haus
// CLAUDIA BODIN

Er wollte sein Material niemals beherrschen oder dessen Form verändern. Stattdessen arrangiert Lee Ufan riesige Steine und Metallplatten, um neue Beziehungen zwischen den Materialien und ihrem Raum herzustellen. So dass der Betrachter die ro­hen Formen, ihre Umgebung und auch die Leere zwischen den Elementen sinnlich erfahren kann.

"Kunst der Begegnungen" hat der Künstler seine Arbeiten einmal genannt. Selten gezeigte Installationen werden im Erdgeschoss der Rotunde und in zwei Galerien des New Yorker Guggenheim Museum zu sehen sein. Ingesamt übernimmt Lee mit 90 Skulpturen, Malereien und ­Arbeiten auf Papier aus der Zeit von 1960 bis heute und einer neuen Installation das komplette Museum.

Das Guggenheim setzt mit dem Künstler auf einen großen Unbekannten. Trotz zahlreicher internationaler Ausstellungen wie 1971 bei der Biennale von Paris, die ihn in Europa bekannt machte, 2001 im Kunst­museum Bonn oder 2007 bei der Biennale in Venedig hat sich der 1936 in Südkorea ge­borene Lee in den USA noch keinen ­Namen gemacht. Der Post-Minimalist und Philosoph lebt seit 1956 in Japan und ­Frankreich. 1970 wurde er als Schlüsselfigur der japanischen Mono-ha-Bewegung be­kannt. Die sprach sich gegen westliche Kunst­defini­tionen aus, die seit dem Zweiten Weltkrieg Japan dominiert hatten. Lee und die ­­Mono-ha-Künstler arbeiteten mit ­Mate­rialien aus der Natur. Dinge sollten für sich selbst sprechen. Künstlerische Gesten ­reduzierte der Künstler so weit, bis Malerei nicht mehr als ein einziger Pinselstrich ­war. Wichtig war nicht der Prozess des kreativen Schaffens, sondern die rohe Existenz der Dinge, damit man die Welt so aufnimmt, wie sie ist.

Dazu gehören Werke aus den "From Winds"- und "With Winds"-Serien (1982/91), in denen dynamische Pinsel­striche die Leinwand einnehmen oder die 1969 begonnene „Relatum“-Reihe, in der Fels­­­bro­cken mehrere Meter umfas- sende Stahl- oder Eisenplatten konfrontieren, sich in ihrer unbeweglichen Schwere auf Glas­scheiben niedergelassen haben oder ein Maßband in die Länge ziehen. Außerdem seit 2006 Arbeiten aus der "Dialogue"-Serie, in der mit wenigen Pinselstrichen erzielte Farbfelder miteinander korrespondieren. "Es scheint mir, dass sich jeder begrenzte Pinselstrich, jedes Element schrittweise von mir befreit hat", hat Lee Ufan gesagt. "Um den Raum vollständig ein- und auszuatmen und mehr Lebendigkeit als zuvor zu er­reichen."

Lee Ufan: Marking Infinity

Termin: bis 28. September 2011, Guggenheim Museum New York; Der Katalog kostet 45 Dollar.

http://www.guggenheim.org

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1 Leserkommentar vorhanden

Jakob Reibach

20:24

11 / 07 / 11 // 

"Bored in Berlin"

"Bored in Berlin" noch bis zum 24. Juli in Berlin zu sehen.

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