Gib mir fünf!

Ausstellungstipps



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht es um Radioballett in Heidelberg, Massenaufläufe in Hannover und die Grenzen des Nichtwissens.

Wissen und Nichtwissen in Dresden

Wissen, so heißt es, ist Macht; und ja: in einer Informationsgesellschaft müsste tatsächlich derjenige herrschen, der über die wichtigste Ressource verfügt oder jedenfalls ihre Verteilung regelt: Informationen.

Die Ausstellung "is that true? Possibilities of (non-)knowledge" zielt jedoch auf den Weißraum zwischen Wissen und Nichtwissen. Wie wird Wissen produziert? Gibt es uneindeutiges Wissen? Derlei Fragen suchen die Künstler zu beantworten, indem sie unter anderem scheinbar wissenschaftliche Versuchanordnungen aufbauen – und das Erkenntnisinteresse ins Leere laufen lassen.

Die Ausstellung "is that true?" läuft bis zum 2. Oktober im Kunsthaus Dresden.

Protest in München

Eigentlich sind Kapellen nicht öffentlich. Eigentlich sind Kapellen ein Ort der Kontemplation; ein Ort, wo Menschen für ihr Wohlergehen und das ihrer Angehörigen beten, in der Hoffnung auf das Eingreifen höherer Mächte. Geordnete Privatheit, miteinander. Die Kapelle von Fabian Vogl bietet hingegen einen Raum für Protest: Wer in die Kapelle tritt, kann seine Ängste und Beschwerden auf einen Zettel schreiben und an die Innenwände der Kapelle kleben. Dort hängen schon alte Plakate von Demonstrationen, die jedoch im Laufe der Zeit abgehangen werden. Die neuen Sorgen überlagern so nach und nach die alten - und werden, so ist zu hoffen, von irgendjemandem erhört.

Bis zum 25. Juli können Besucher in der Nähe des Karlstors in München ihre Meinung in der "Kapelle der öffentlichen Meinung" kundtun.

Radioballett in Heidelberg

"Außer Haus" ist nicht nur eine Ortsangabe – es ist auch eine Aufforderung an alle Heidelberger und Besucher, in den nächsten Tagen beim Spektakel der Gruppe LIGNA mitzumachen. Die vielfach ausgezeichneten Medienkünstler organisieren mehrere Performances am Anatomieplatz in Heidelberg, das Projekt wurde vom Heidelberger Kunstverein ins Leben gerufen. Dreimal wird über den Freien Radiosender bermuda.funk zur Subversion oder zum Müßiggang aufgerufen – und alle sind eingeladen, in diesem Radioballett, das auch auf dem Anatomieplatz übertragen wird, mitzumachen. Dort steht ebenfalls die Installation "Das Amt" von Cedric Bomford, ein metergroßes Holzobjekt, das einer Mischung aus Erker, Orgelkasten und Paternoster ähnelt.

Die partizipativen Performances beginnen am 7., 12., 14. und 15. Juli, jeweils um 17.30 am Anatomieplatz in Heidelberg und dauern etwa eine halbe Stunde.

Siegfried Neuenhausen in Hannover

"Kleine Welten" entwirft der hannoversche Künstler Siegried Neuenhausen. Seine Arbeiten widmen sich dem Spannungsfeld zwischen der Masse als Opfer und der Menschenmasse als Täter – mehr als 4500 Figuren hat er zu der Installation "Gleiche" gruppiert. Durch die jeweiligen Konstellationen – Menschenauflauf, Flaneure, militärischer Aufmarsch – wirken die Figuren wie entindividualisierte Statthalter unserer selbst: mächtig und ohnmächtig zugleich. Neuenhausen war mit seinen politisch motivierten Werken dem kritischen Realismus zuzurechenden. Seit den 1970er Jahren arbeitet der Künstler mit gesellschaftlichen Randgruppen zusammen.

Die Ausstellung "Kleine Welten" im Kunstverein Hannover läuft bis zum 14. August, ebenso wie die Ausstellung "Siegfried Neuenhausen – Die Bürger von B." im Sprengel Museum.

Galerie Gisela Capitain

Die Amerikanerin Kelley Walker ist nicht nur eine der ausgestellten Künstler, sondern zugleich Kuratorin. Die Ambivalenz dieser Doppelrolle beschreibt sie so: "Diese Gruppenausstellung soll eine Art Einführung meiner Arbeit in das Galerieprogramm sein. Die einzelnen Teile können in den Räumen unterschiedlich gruppiert werden, man benutzt sie, um verschiedene Rhythmen oder ein anderes Tempo zu kreieren, sie können Arbeiten unterteilen oder zusammenbringen. Die Arbeit funktioniert wie ein kuratorisches Werkzeug, ein Teil meiner Arbeit hat sich schon immer auf dieses Interesse bezogen." Walker integriert ihr Werk in einer raumgreifenden Installation mit Werken anderer Künstler wie Martin Kippenberger, Günther Förg und Albert Oehlen.

Bis zum 3. September sind die Werke in der Galerie Gisela Capitain in Köln zu besichtigen.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo