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Ausstellungstipps



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht's um die Papierarbeiten von Rosemarie Trockel, das selbstironische Werk von Angus Fairhust und die Polaroids von Helmut Newton.
// THERESA SENK
Bonn: Rosemarie Trockel: Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe

Schon seit den achtziger Jahren ist die 1952 geborene Künstlerin Rosemarie Trockel für ihre handgemachten Wollbilder und maschinell gefertigten Strickobjekte bekannt. Seitdem hat sich ihr künstlerisches Werk um Plastiken, Skulpturen, Installationen, Videos und Keramiken, die Trockel gegenüber art einmal als "Fleischstücke" bezeichnet hat, mächtig erweitert.

Jetzt widmet ihr das Kunstmuseum Bonn mit über 200 Papierarbeiten die Ausstellung "Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe". Thematische Schwerpunkte sind "Maske und Gesicht" sowie "Traum und „Bewusstsein". Seit dem Jahr 2004 nutzt die Professorin der Kunstakademie Düsseldorf auch die Form der Collage, um frühere Zeichnungen miteinander zu verknüpfen. Als inszenierungsfreudige Raumbildnerin gehört sie zu den wichtigsten Frauen im weltweiten Kunstbetrieb und hat die Werke für ihre umfassende Schau selbst ausgewählt.

Die Papierarbeiten von Rosemarie Trockel werden vom 9. Juni bis 4. September 2011 im Kunstmuseum Bonn ausgestellt.

Berlin: Helmut Newton Polaroids

Seit der ersten Präsentation der Sofortbildfotografie im Jahr 1945 scheint die Liebe zu Polaroids ungebrochen. Den massiven Gebrauch der zusammenklappbaren Kamera erklärte Helmut Newton (1920 bis 2004) einmal in einem Interview mit seinem "ungeduldigen Verlangen, sofort wissen zu wollen, wie die Situation als Bild aussieht". So dienten dem australischen Fotografen deutsch-jüdischer Herkunft die Polaroids als Ideenskizze und Überprüfung der Bildkomposition. Über 300 dieser spontanen Testaufnahmen sind in der Ausstellung „Helmut Newton Polaroids“ in vergrößerter Form zu sehen. Newton schoss insbesondere für seine Modeaufträge ausschließlich hübsche Beute, die er vorzugsweise in Alltagssituationen und auf der Straße in Szene setze.

Die Ausstellung läuft vom 10. Juni bis 20. September 2011 in der Helmut Newton Stiftung.

Münster: Angus Fairhurst

Er war gleichzeitig Maler, Fotograf und Musiker – Angus Fairhust (1966 bis 2008) gehörte zu den einflussreichsten Künstlern der "Young British Artists". Zu seinem Freundeskreis zählten der für seine provozierenden Plastiken bekannte Damien Hirst und die Foto- und Objektkünstlerin Sarah Lucas. Die vom Westfälischen Kunstverein initiierte Retroperspektive würdigt den ehemaligen Studenten des Londoner Goldsmiths College und zeigt eine große Auswahl seiner oft mit selbstironischen Witz gespickten Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Videos und Fotografien. Fairhust war von weiblichen Werbeschönheiten angetan und nahm diese in seine Collagen mit auf. Daneben berührt sein künstlerisches Schaffen die Themen Individualität, Konsum und Begehren. Sein dunkler, einarmiger Bronze-Gorilla gehört vermutlich zu den faszinierendsten Blickfängen in den Münster Schauräumen.

Die Retroperspektive ist vom 11. Juni bis 4. September 2011 im Westfälischen Kunstverein zu sehen.

Düsseldorf: Sonia Mehra Chawla

Es ist die erste Einzelausstellung der indischen Künstlerin Sonia Mehra Chawla in Deutschland. In der indischen Szene hat sich die in Delhi lebende Chawla bereits etabliert. Unter dem Titel "Metamorphosing Female Transition-Transfiguration" sind ihre Gemälde nun in den "new quarters" der Galerie Beck & Eggeling zu sehen. Sie beschäftigen sich mit dem natürlichen Zyklus der Frau und dem zeitlichen Ablauf von Geburt und Regeneration. Was in Männerohren abschreckend klingen mag, sieht aber alles andere als abstoßend aus. Die weibliche Form, umgeben von vitalen Hybriden aus Pflanzen, Blumen und Tieren, wirkt in erdigen Tönen interessanter und anziehender denn je. Eine Videoinstallation über die zentralen Themen wie Liebe und Verlust, Leben und Tod gibt es ebenfalls in der Ausstellung.

Die "weibliche Metamorphose" wird vom 10. Juni bis 23. Juli 2011 von Beck & Eggeling new quarters präsentiert.

Dessau: Das Mies-Projekt Dessau I

Mit gleich zwei Doppelausstellungen wird der 125. Geburtstag des deutschen Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) nachgefeiert. Wie der Untertitel "Fotografien von Heidi Specker und Ludwig Glaeser" verrät, werden in der ersten Doppelausstellung die Arbeiten der Berliner Fotokünstlerin Heidi Specker mit den Architekturfotografien von Ludwig Glaeser kombiniert. Im Fokus Speckers fotografischer Annäherung steht das Berliner Haus Lempke, das erstmalig geplant wurde, als Mies van der Rohe noch Bauhausdirektor in Dessau war. Die Künstlerin aus Berlin wurde bereits 1996 mit dem European Photography Award ausgezeichnet. Glaser, der als Kurator für Architektur und Design und als Leiter des Mies-van-der-Rohe-Archivs zwischen 1963 und 1980 im MoMA tätig war, bildet in seinen Aufnahmen aus den siebziger Jahren die Gebäude Mies van der Rohes in Amerika ab, darunter das Farnsworth Haus, die Lake Store Drive Apartments und das Federal Center in Chicago.

Bis zum 10. Juli 2011 kann man die erste Doppelausstellung der Stiftung Bauhaus Dessau besichtigen. Vom 18. Juli bis 28. August 2011 findet die zweite Ausstellung unter dem Titel "Das Mies-Projekt Dessau II: Fotografien von Rita Ernst und Eduard Ludwig" statt.

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