Emil Nolde

Hamm



EIN EXPRESSIONIST AUF REISEN

Emils Noldes Aquarelle und Ölbilder, die auf Reisen zwischen 1907 und 1946 entstanden sind, werden im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm gezeigt
// PETRA BOSETTI

Emil Nolde reiste gerne und viel, und immer hatte er Aquarell- und Ölfarben im Gepäck. Die Natur, die er sah, und die Menschen, die er traf, hielt er in Blättern fest oder bannte sie auf Leinwände, stets mit sicherem, knappem Strich und in fantastischen Farben – vom eisigen Gletscherblau eines Schweizer Hochgebirges über den glühenden Sonnenuntergang in St. Peter-Ording bis zum bunt-wirbelnden Rock einer spanischen Flamecotänzerin.

Noldes Reiseimpressionen sind jetzt in der Ausstellung "Emil Nolde – Reiselust" im Gustav-Lübcke-Museum im westfälischen Hamm zu sehen. Der Untertitel verrät, wohin Noldes Reisen gingen: "Unterwegs in Deutschland, Spanien und der Schweiz". Die Arbeiten stammen aus knapp 40 Jahren, von 1907 bis 1946. Die frühesten entstanden in Jena und dem benachbarten Dorf Cospeda und markieren den Beginn des für Nolde damals noch neuen Mediums der Aquarellmalerei. Cospeda erscheint hier in einem unbekümmerten Farbrausch von leuchtenden Rot-Blau-Grün-Tönen, zart und pastellig, fast impressionistisch wirkt dagegen das verschneite Jena (1907).

1921 reiste Nolde nach Spanien, vor allem das sonnendurchglühte Granada faszinierte ihn. Er schwärmte von der "kulturgesättigten Stadt der maurischen Zeit, der Stadt mit ihren schönen Palästen, ihren träumenden Teichen … alles fröhlich und leicht ...". Vor allem die Menschen hatten es ihm angetan – eine temperamentvolle Flamecotänzerin, eine Mutter mit markanten Gesichtszügen, ein dunkelhäutiges Mädchen mit riesigen tiefbraunen Augen.

Da Nolde vorzugsweise in den Wintermonaten in die Schweiz fuhr, dominiert hier die kühle Schönheit verschneiter Berge und gefrorener Bergseen, auf denen Schlittschuhläufer tanzen. Die Ausstellung endet mit Impressionen von Wasser, Licht und Luft im Nordseebad St. Peter-Ording, wo Emil Nolde und seine Frau Ada 1947 im Sanatorium eines befreundeten Arztes lebten – die letzte Aquarellserie ist von einer melancholischen Stimmung geprägt.

"Emil Nolde – Reiselust"

Termin: bis 19. Juni. Katalog: DuMont Buchverlag, 29,95 Euro

http://www.hamm.de

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