Das Arsenale

52. Biennale von Venedig

Schönheit, Tod und andere Klischees
Jason Rhoades, "Tijuanatanjierchandelier", 2006 (Foto: Jörg Gläscher)

SCHÖNHEIT, TOD UND ANDERE KLISCHEES

Biennale Venedig – die große Ausstellung: Robert Storr erkundet die Möglichkeiten der Kunst – vom reinen Spiel der Formen bis zur Frage nach dem Ende des Lebens
// TIM SOMMER

Biennale-Kurator Robert Storr ist ein schlauer Kopf – geradezu gerissen. „Denk mit den Sinnen, fühl mit dem Verstand“ hat er unverbindlich seine Schau genannt – das klingt nach Rückzug ins ästhetische Refugium. Tatsächlich sind die Erwartungen an die bildende Kunst ja ins Unermessliche gewachsen: Alle Welt schaut plötzlich auf die Maler, Bildhauer und Fotografen. Die Globalisierung sollen sie verhandeln, Krieg und Terror beklagen – und dabei sollen die Werke noch super aussehen und Auktionsrekorde purzeln lassen.

Die Kritik ist gnadenlos in ihren Reflexen: Engagierter Fotografie wird regelmäßig Nähe zum Journalismus vorgeworfen, rei­ner Malerei das Kuscheln mit dem Markt. Keine Ausstellung kann sich jetzt dieser Mechanik von überreiztem Anspruch und zwangsläufiger Enttäuschung entziehen.

Storr hat sich bei seiner großen Biennale-Schau zur Doppelstrategie entschieden. In den tunneldunklen Hal­len des Arsenale wird die politi­sche Dimension der Kunst erkundet, im labyrinthischen Tempel des ehema­ligen italienischen Pavillons Schönheit und Können gefeiert. Und weil beides bei guter Kunst nicht zu trennen ist – siehe den Titel der Schau – gibt es in dieser undogmatischen Ausstellung hier wie dort Bereiche, in denen sich der Genuss am formalen Gelingen mit Erkenntnisgewinn über die Wirklichkeit paart.

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3 Leserkommentare vorhanden

thw

15:54

27 / 07 / 07 // 

Daneben gezielt

Diese Kritik zielt leider daneben. Die seltsame Trennung von 'Politik' und 'Kunst', die Robert Storr hier vorgenommen hat, ist an Dummheit nicht zu überbieten. Aber vielleicht ist der wirkliche Grund für diese Aufspaltung ja der Markt. Die neuen Arbeiten der erwähnten Altmeister sollten sich im Kontext 'wahrer Kunst' zeigen, damit den Käufern nicht die Realität ins Auge sticht. Darin aber zeigt sich ganz deutlich, dass Kunst auch immer Politik ist. Das sollte uns eigentlich die Kunst der vergangenen Jahrzehnte gelehrt haben. Wer sie aber so darstellt wie Robert Storr bewegt sich in den Sphären einer Kunst der fünfziger Jahre. Herrn Bush wird es erfreuen und der Markt jubiliert ebenso.

thw

16:06

27 / 07 / 07 // 

Daneben gezielt Ende

Das Ergebnis ist umso blamabler, als Herr Storr ja schon zu vorherigen Biennale antreten sollte und 'zurücktrat', weil er mehr Zeit zum ‚Nachdenken’ brauchte. Zugegebenermassen ist es eine ziemliche Anstrengung von Beginn des 21.Jahrhundert in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zu reisen. Aber es scheint, Roger Martin Buergel ist auf der D12 auch dieser Reiseroute gefolgt. Es lebe der 'neue' Konservativismus!

KekeTop

06:01

30 / 07 / 07 // 

KekeTop schlägt Venedig Biennale

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