Das Arsenale
52. Biennale von Venedig
SCHÖNHEIT, TOD UND ANDERE KLISCHEES
Biennale-Kurator Robert Storr ist ein schlauer Kopf – geradezu gerissen. „Denk mit den Sinnen, fühl mit dem Verstand“ hat er unverbindlich seine Schau genannt – das klingt nach Rückzug ins ästhetische Refugium. Tatsächlich sind die Erwartungen an die bildende Kunst ja ins Unermessliche gewachsen: Alle Welt schaut plötzlich auf die Maler, Bildhauer und Fotografen. Die Globalisierung sollen sie verhandeln, Krieg und Terror beklagen – und dabei sollen die Werke noch super aussehen und Auktionsrekorde purzeln lassen.
Die Kritik ist gnadenlos in ihren Reflexen: Engagierter Fotografie wird regelmäßig Nähe zum Journalismus vorgeworfen, reiner Malerei das Kuscheln mit dem Markt. Keine Ausstellung kann sich jetzt dieser Mechanik von überreiztem Anspruch und zwangsläufiger Enttäuschung entziehen.
Storr hat sich bei seiner großen Biennale-Schau zur Doppelstrategie entschieden. In den tunneldunklen Hallen des Arsenale wird die politische Dimension der Kunst erkundet, im labyrinthischen Tempel des ehemaligen italienischen Pavillons Schönheit und Können gefeiert. Und weil beides bei guter Kunst nicht zu trennen ist – siehe den Titel der Schau – gibt es in dieser undogmatischen Ausstellung hier wie dort Bereiche, in denen sich der Genuss am formalen Gelingen mit Erkenntnisgewinn über die Wirklichkeit paart.

