Akt Now!

Aktfotografie

Akt Now: Nathalie Daoust
Nathalie Daoust: "Hiromi", 2009, aus der Serie" Tokyo Hotel Story"

AKT NOW: NATHALIE DAOUST

Unsere Serie präsentiert jede Woche die besten Aktbilder junger Fotografen. Diesmal: die kanadische Künstlerin Nathalie Daoust

Was reizt Sie an dem Thema Akt?

Ein normales Fotoshooting ist ja schon eine intime Sache, aber wenn ich jemanden nackt fotografiere, macht das Verhalten dieser Person nochmals eine 180-Grad-Wendung. Meine Modelle öffnen sich dann nicht nur körperlich, sondern teilen auch ihr Innerstes mit mir.

Wenn sie ihre Hüllen fallen lassen, fühlt sich das nahezu so an, als würden sie damit alle Barrieren aus dem Weg räumen und mich in ihre ganz eigene Welt lassen. Nur so gelingen intime Bilder. Auf denen erfährt man dann auch was von der wirklichen Person.

Wie weit würden Sie gehen? Gibt es Tabus?

Für mich gibt es eigentlich überhaupt keine Tabus. Für das Projekt "Tokyo Hotel Story" habe ich zum Beispiel eine Reihe von Dingen fotografiert, die vermutlich als Tabu angesehen werden. Aber damit habe ich nie ein Problem gehabt. Eigentlich ist es gerade interessant, Dinge zu fotografieren, die ich ohne meine Kamera nie sehen würde. Allerdings muss ich zugeben, daß ich einige Regeln beachte, wenn es darum geht, die Fotos an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich habe gelernt, was ich zeigen kann und was nicht. Zu meinen Models entwickele ich zum Beispiel schnell ein freundschaftliches Verhältnis. Wir respektieren uns gegenseitig. Diese Vertrauensbasis möchte ich nicht aufs Spiel setzen. Deswegen vermeide ich grundsätzlich Motive, die für das Model Tabu sind.

Wann wird ein Akt zum Kunstwerk?

Diese Frage möchte mit einer Gegenfrage beantworten: Was ist Kunst? Und wer kann schon sagen, was Kunst ist.

Gibt es inspirierende Vorbilder?

Es gibt eine ganze Reihe von guten Künstlern. Ich muss aber zugeben, dass mich das Reisen am meisten inspiriert. Neue Orte, Kulturen und Denkweisen zu entdecken, hat etwas sehr Anregendes. Bei jedem Projekt tauche ich in die Welt der Menschen ein, die ich fotografiere. Ihre Umgebung, Ethik und Weltansicht inspirieren mich. In Tokyo habe ich zum Beispiel das Rotlichtviertel und die S&M-Community entdeckt. Vorher hatte ich keine Ahnung davon. In China entdeckte ich die Schönheit der landestypischen Traditionen, als ich einen Mao-Zedong-Imitator fotografierte.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich außerdem?

Mit Dingen, die Leute unternehmen, um der Realität und dem Alltag zu entfliehen. Es geht dabei entweder um die Orte, die sie genau aus diesem Grund aufsuchen, die Menschen, die sie dafür bezahlen oder um die Welt, die sie für sich selbst erfinden. Im Moment dokumentiere ich einen Mann, der aus der Realität flüchtet, indem er sich obsessiv als Mao Zedong verkleidet. So brachte er mich in Beijing an jene Orte, an denen Mao viel Zeit verbracht hat.

Welches Projekt würden Sie gerne einmal realisieren?

Ich habe eine Liste mit über 30 Projekten, die ich gerne realisieren würde. Jedes Projekt kostet eine Menge Geld und mehr als ein Jahr Zeit. Deshalb bin ich auch immer noch nicht sicher, welches Projekt ich als nächstes realisiere. Aktuell arbeite ich ja noch am Mao-Projekt. Eines der Projekte, die ich demnächst wahrscheinlich machen werde, ist eine Reportage über Menschen, die im "Niemandsland" feststecken. Über Menschen also, die nicht in ihr Heimatland zurückkehren, aber auch nicht in das Land einreisen können, in das sie geflohen sind. Für diese Fälle gibt es Gefangenenlager, die sich teilweise direkt an den jeweiligen Flughäfen befinden. Es gibt Menschen, die sitzen dort schon Jahre fest. Sie sind in ihrer Realität gefangen und haben keine Möglichkeit, ihr zu entfliehen. Mit einigen von ihnen trete ich gerade in Kontakt. Ich würde gerne die Orte festhalten, in denen sie gefangen sind.

Nathalie Daoust

Steckbrief: Nathalie Daoust, 34, ist eine kanadische Fotografin, geboren in Montreal

Aktuelle Ausstellung: "Frozen in Time" in der Artsplace Gallery in Canada; weitere Ausstellungen in den USA, in Kanada, Australien und Europa sind geplant

Hochschule/Ausbildung: 3 Jahre Fotografietechnik an der "Cégep du Vieux Montréal"

Preise/Stipendien: 2010 Projekt Stipendium, Canada Council for the Arts, Kanada 2010; 2007 CALQ Stipendium, Fondation Christoph Merian, Basel, Schweiz; 2003 Grand Prize für das Lux Québec, Kanada; 2002 Stipendium der Fondation Desjardins promotion section, Kanada; 2002 Stipendium der Fondation du Maire de Montréal, Kanada; 2001 Erster Preis für den Lux Québec Wettbewerb in der Kategorie Kunst und Fotografie, Kanada; 2001 Portfolio Stipendium OQAJ, Kanada; 2001 Preis für den IIAC/IIPC 6. internationalen Kunst/Photo Wettbewerb, Japan; 2001 Preis für den internationalen Nikon Wettbewerb, Japan

http://www.daoustnathalie.com

webdaoust@yahoo.com

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