Geld und Kunst

Arte-Doku

Gegenangriff – Wirtschaft im Fadenkreuz der Kunst
Vier Sonntage auf Arte: "Gegenangriff. Wirtschaft im Fadenkreuz der Kunst", Filmstill, im Inneren der New Yorker NASDAQ-Börse (© Rotlintfilm/Foto: Marc Nordbruch )

GEGENANGRIFF – WIRTSCHAFT IM FADENKREUZ DER KUNST

In der vierteiligen Sendereihe "Gegenangriff" stellt der Sender Arte Künstler vor, deren Werk die verborgenen Mechanismen der Ökonomie kritisch hinterfragt. Dabei erhält der Zuschauer verblüffende Perspektiven auf die existentiellen Fragen der heutigen Gesellschaftsordnung
// CHRISTINA GREVENBROCK

Cesare Pietroiusti isst Geldscheine. Das widerständige Papier durchläuft seinen Verdauungstrakt nahezu unbeschadet, nach der Ausscheidung werden die Scheine gesäubert und als Kunstwerke verkauft.

In einer vierteiligen Dokumentarfilmreihe stellt arte Künstler vor, die in ihren Arbeiten die Mechanismen und Folgen des heutigen Wirtschaftssystems beleuchten. Die Regisseure Nico Weber und Piroschka Dossi besuchen Künstler, Kunst- und Wirtschaftsexperten und sammeln Hintergrundinformationen zu den Antrieben unseres Gesellschaftssytems. So ermöglichen sie einen faszinierenden Einblick in das Reich der Ökonomie unter moralisch-existentiellen Fragestellungen. Im Zentrum stehen die Fragen danach, wie der Mensch in diesem System agiert, wie autonom der Einzelne Handeln kann und was dies für sein Alltagsleben bedeutet.

Die Aktionen des italienischen Künstlers Cesare Pietroiusti kreisen um den Fetisch Geld, in seinen Aktionen demystifiziert er den Geldkreislauf. Indem er sie isst und zu Kunst verdaut, ironisiert er nicht nur das auf Geld basierende ökonomische System, sondern auch den Kunstmarkt. Das Geldsystem ist die Grundlage des Internationalen Handels.

Das Börsengeschehen steht im Zentrum des musikalischen Werks Fabio Cifariello Ciardis. Sein Klangkunstwerk „NASDAQ Voices“ übersetzt die Kursbewegungen in Klang: Verschiedenen Aktien werden verschiedene Musikinstrumente zugeordnet, werden Aktien ver- oder gekauft erklingt ein Ton. So entsteht ein ständiger Veränderung unterworfenes, endloses Konzert in Echtzeit, das abstrakte Marktbewegungen sinnlich erfahrbar macht. Der Motor des Handels ist Konsum, auf ihn ist die Wachstumsgesellschaft massiv angewiesen.

Der britische Künstler Michael Landy stemmt sich dem entgegen: Im Februar 2001 zerstörte er systematisch all seinen Besitz, jeden einzelnen Gegenstand, vom banalen Hygieneartikel bis zu unersetzbaren Erinnerungsstücken. Damit kritisiert er die Wegwerfgesellschaft und stellt die Frage nach dem was wir wirklich zum Leben brauchen. Die Aktion verstört, weil sie mitten in das Selbstverständnis des Menschen zielt. Wir sind, was wir kaufen. Mit jedem Objekt erwerben wir zugleich ein Stückchen Image, eine Fraktion Identität. Wer ist der Mensch, der nichts besitzt? Wie viel Identität steckt in unseren Besitztümern?

Um Identität geht es auch der Fotografin Tina Barney. Sie porträtiert die Upper Class, der sie selbst angehört, und legt deren soziale Codes und Distinktionsstrategien offen. Die Gesellschaft wie sie ist befördert die Ungleichheit, immer mehr Arme stehen einer immer reicheren Oberschicht gegenüber. Welche Mechanismen begründen und verstärken diesen Gegensatz?

Die Dokumentation schlägt in wenigen, prägnanten Beispielen einen großen Bogen von den Grundlagen über die Funktionsweisen hin zu den Gründen der Wirtschaftsordnung. Sie zeigt, dass Ökonomie jeden angeht und Kernfragen unserer Existenz und Identität betrifft.

Gegenangriff – Wirtschaft im Fadenkreuz der Kunst

Sendetermine auf arte: 03. April, 00.30 Uhr: "Geld"; 10. April, 23.05 Uhr "Spekulation"; 17. April, 22.55 Uhr: "Konsum", 24. April, 23.30 Uhr, "Ungleichheit"

http://www.arte.tv

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