Traummänner

Hamburg

Was ist schön, was ideal?
Nathaniel Goldberg: "Untitled", 2007 (© Nathaniel Goldberg)

WAS IST SCHÖN, WAS IDEAL?

Die Hamburger Deichtorhallen zeigen nach dem großen Erfolg der "Traumfrauen" nun die Ausstelllung "Traummänner". 50 Starfotografen waren aufgefordert Bilder einzureichen. Sie zeigen ihre Männerideale vom Naturburschen bis zum Star. Das Spektrum ist also breit. Auf Brad Pitt, George Clooney und Co. muss das Publikum aber natürlich nicht verzichten.
// ANGELIKA KINDERMANN

Was für ein Bild von einem Mann! Der muskulöse, nackte Körper von Meeresschaum umspült, flirrendes Licht auf tief gebräunter Haut, das dichte, nasse Haar lässig aus dem Gesicht gestreift, üppiger Vollbart, durchdringender Blick.

Fotograf Nathaniel Goldberg hat diesen Archetypus, der seine Körperlichkeit wie ein Löwe zur Schau stellt, gekonnt, mit einem Hauch Ironie in Szene gesetzt und präsentiert die Aufnahme nun in der Hamburger Ausstellung "Traummänner". Doch bietet die Schau im Haus der Photographie in den Deichtorhallen nicht nur raffiniert fotografierte Naturburschen. Schließlich liegt Kuratorin Nadine Barth daran, zu zeigen, "wie sich das Männerbild heute konstituiert". Da gibt es mehr zu entdecken als Waschbrettbäuche und Muskelpracht: "Das Spektrum", versichert die Expertin, "ist viel komplexer." Denn die Ansichten darüber, was heute schön, was ideal ist, sind selbst in der Mode- und Werbeszene, aus der die meisten der hier vertretenen 50 Fotokünstler stammen, durchaus verschieden.

So besitzt für die Italienerin Carlotta Manaigo ein alter, schmaler Herr, den sie bei der Pflege seiner Weinstöcke aufnahm, Traummann-Qualitäten. Die Amerikanerin Sheryl Nields dagegen hegt eine offenbar komplizierte Liebe für Comic-Helden: Sie steckte kurzerhand einen Freund in ein "Spider Man"-Sweatshirt, setze ihm die passende Maske auf und fotografierte den seltsam unbeholfen wirkenden Kerl ganz unprätentiös neben einem Fitnessgerät. Mit Humor ging der Däne Marc Hom das Thema an und lichtete die nicht mehr ganz frischen "Traummänner" Julian Schnabel und Roman Polanski am Pool ab. Der Maler, ein üppiger Hüne und wie meist in einen Pyjama gewandet, scheint rückwärts ins Wasser zu stürzen. Der viel kleinere, immer noch jungenhaft wirkende Meisterregisseur Polanski versucht, ihn zu halten.

Etliche der gezeigten, zumeist in den letzten Jahren entstandenen rund 150 Fotografien, sind freie Arbeiten: private Schnappschüsse, auch sogenannte "Side-Shots", die nebenbei während eines Auftrags entstanden. Wobei viele der Bildkünstler Schwarzweißaufnahmen bevorzugten. Doch natürlich gibt es in den Hamburger Deichtorhallen nicht nur ungewöhnliche Bilder außergewöhnlicher Traummänner zu bewundern, sondern auch viele, manchmal durchaus originelle Fotos prominenter Schönheitsidole. Auf Brad Pitt, George Clooney und Co. muss das Publikum also nicht verzichten. Schließlich soll es ja zahlreich erscheinen, möglichst so zahlreich wie 2008 bei der Vorgängerausstellung "Traumfrauen". Die brachte es in nur fünf Wochen auf rund 23000 Besucher.

"Traummänner" - 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal

Die Ausstellung "Traummänner" läuft noch bis zum 22. Mai 2011 im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg. Zur Ausstellung erscheint das Buch "Traummänner. Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal", DuMont Verlag, 224 S., Preis: 49,99 Euro

http://www.deichtorhallen.de

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