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Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: ein Roman in der Sammlung Falckenberg, eine Nacht mit Polke und Monster im Museum
// CONRAD WITTEN UND CHRISTINA GREVENBROCK
Hamburg: Captain Pamphile

Eine Kunstausstellung zu einem Roman, mit diesem ungewöhnlichen Projekt beginnt die Kooperation von Deichtorhallen und der Sammlung Falkenberg. Die Kuratoren der Ausstellung, Gunter Reski und Marcus Weber, haben mehr als 50 Künstler gebeten, Werke zu schaffen, die sich auf zentrale Handlungsmomente des frühen Romans "Pamphile" von Alexandre Dumas beziehen.

In mittlerweile über 100 Bildern entstand eine Art kooperativer, begehbarer Bildroman. Damit wird der Zusammenschluss von Deichtorhallen und Sammlung Falckenberg eingeläutet. Zur Erinnerung: Die umfangreiche Privatsammlung geht als Dauerleihgabe an die Deichtorhallen, die wiederum nun für die Bespielung der Räumlichkeiten in Harburg verantwortlich sind.

Die Kuratoren der Ausstellung gehen ein Risiko ein, denn eine illustrativ-narrative Ausstellung zu einem Text des 19. Jahrhunderts ist nicht unbedingt ein Selbstläufer. Zumal Dumas' Text weder dem breiten Publikum bekannt, noch besonders stringent ist. Er ist eher ein loses Konglomerat ausufernder Geschichten und Querverweise und passt somit wiederum gut in unsere Zeit überbordender Hypertexte und hypertropher Informationsansammlungen. Inhaltlich scheint die Geschichte des räuberischen Piraten wie ein Kommentar auf die Spekulationsspiralen unserer heutigen Gesellschaft.

"Narrative Malerei auch noch in ein narratives Ausstellungskorsett einzubinden, erschien uns nur konsequent", so Weber. Ab Samstag kann Jeder überprüfen, ob es gelungen ist auf dieser Grundlage und mit der großen Anzahl an Künstlern ein überzeugendes Gesamtwerk zu schaffen.

Die Ausstellung "Captain Pamphile: Ein Bildroman in Stücken nach einem Roman von Alexandre Dumas" läuft vom 19. Februar bis zum 10. April 2011 in den Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg. Ein Katalog zur Ausstellung wird bei Philo Fine Arts erscheinen.

Berlin: Lange Polke Nacht

Kennen Sie den "Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann"? Wenn nicht, gibt es nun die Gelegenheit, ihn zu erleben. Außerdem viele andere Werke von Sigmar Polke und zwar in der Akademie der Künste in Berlin, in der eine Hommage an ihn stattfindet. Neben 90 teils großformatigen Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten und dem oben genannten Apparat werden auch die "Kartoffelmaschine" sowie Zeugnisse und Fotografien gezeigt. Der Verleger Klaus Staeck (Präsident der Akademie der Künste) steuerte einen Großteil der Werke aus seinem Archiv bei und ist auch am Mittwoch, den 23. Februar bei der "Langen Polke Nacht" zugegen, in der anlässlich der Ausstellung Filme gezeigt werden und Weggefährten und Kollegen über Sigmar Polke berichten. Neben Klaus Staeck sind unter anderem Jürgen Becker, René Block, Erhard Klein und Susanne Kleine dabei.

Die Ausstellung "Sigmar Polke – Eine Hommage" in der Akademie der Künste in Berlin läuft noch bis zum 13. März 2011. Die Lange Polke Nacht am 23. Februar fängt um 19 Uhr an.

Wien: Schaurig Schön

Dämonen, Drachen, Spukgestalten – in der opulenten Ausstellung "Schaurig Schön – Ungeheuerliches in der Kunst" im Kunsthistorischen Museum in Wien können sich Besucher jetzt auf eine Reise in die Welt der mythischen Monster und Fabelwesen begeben. Dass diese Thematik kein Schnee von gestern ist, haben jüngst der Zauberlehrling Harry Potter und "Der Herr der Ringe" eindrucksvoll unter Beweis gestellt. So spricht die Ausstellung, die Werke aus vielen unterschiedlichen Sammlungen des Museums zeigt, auch Jugendliche und Kinder an. Höhepunkte sind die "Medusa" von Rubens und Raffaels "Heilige Margarethe". Außerdem Schwerter mit Drachenköpfen, mit Adlerköpfen verzierte Trinkschalen, Greifen, Satyre, Einhörner, ein "Teufel im Glas" und viele andere kunstvoll gefertigte Wesen. Die Schau erzählt ihre Ursprünge und Geschichten und lehrt die Besucher viel neues und verblüffendes. Und sie ist vor allem eines: Schaurig schön!

"Schaurig Schön – Ungeheuerliches in der Kunst" ist im Kunsthistorischen Museum in Wien noch bis zum 1. Mai 2011 zu sehen.

Berlin: Sol LeWitt

Das Art Laboratory Berlin versammelt alle 75 Künstlerbücher von Sol LeWitt in einer Ausstellung. Die Bücher schuf der amerikanische Konzeptkünstler in den Jahren von 1967 bis 2002 als eigenständige Kunstwerke. Wie seine raumgreifenden Arbeiten sind sie von formaler Reduktion geprägt, viele zeigen Reihungen abstrakter Zeichen. Das Konzept ist der entscheidende Faktor und mindestens ebenso wichtig, wie das fertige Produkt. Man soll jedoch nicht glauben, dass dabei bloß dröge Tabellen herauskämen. Im Gegenteil, schon rein optisch sind die Bücher beeindruckend. Das Mittel der Bildreihung regt die Schau- und Entdeckungslust an, unmittelbar versucht man Muster zu erkennen. Und dazu ist der Besucher eingeladen: Die in Vitrinen präsentierten Bücher können im Einzelfall auf Nachfrage mit Hilfe der Galerieassistenten eingehender betrachtet werden.

Die Ausstellung wird darüber hinaus von einem interdisziplinären Symposium zum Thema eingeläutet: Kunsthistoriker, Literaturwissenschaftler und Künstler beleuchten LeWitts Künstlerbücher aus unterschiedlichen Perspektiven.

Das Symposium findet am 19. Und 20. Februar in den Räumen des Art Laboratorys statt. Die Ausstellung läuft vom 22. Januar bis zum 13. März. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Corraini für 20 Euro.

Hamburg: Skateboardkunst

"The Helping Hounds from Hell" ist der Name eines Charity Projekts, das 2011 in die zweite Runde geht. Mehr als 30 Künstler, Street Artists und Illustratoren haben Kunst aus, auf und mit Skateboarddecks gemacht. Beteiligt sind unter anderen Größen der Szene wie Jim Avignon, Boxi und Boris Hoppek. Die gestalteten Boards wurden bereits in Berlin gezeigt und sind nun für nur einen Abend in der Hamburger Botschaft zu sehen und erwerben. Der Erlös soll an das Projekt "Richard Wagner für Kinder" der Fair-Play-Stiftung gehen für die musikalische Förderung von Kindern.

Das Projekt wurde 2008 von dem Berliner Design Studio Groupe Dejour und der Hamburger Galerie Heliumcowboy ins Leben gerufen, damals gingen die Erlöse an ein Krankenhaus im Senegal.

Donnerstag, 17. Februar 2011, 19-24 Uhr, Hamburger Botschaft, Sternstrasse 67, Hamburg-St. Pauli

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