Alexandre Cabanel

Köln

Zeuge einer glamourösen Zeit
Alexandre Cabanel wurde mit Historienbildern Star seiner Zeit: "Phädra", 1880, Öl auf Leinwand (Courtesy Wallraf-Richartz-Museum)

ZEUGE EINER GLAMOURÖSEN ZEIT

Eine Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zeigt in einer Ausstattung des Modedesigners Christian Lacroix Bilder des französischen Salonmalers.
// PETRA BOSETTI

Im Jahr 1863 feierte das Gemälde "Die Geburt der Venus" von Alexandre Cabanel (1833 bis 1889) im Pariser Salon Triumphe. Es zeigte die nackte Schaumgeborene, umschwirrt von ebenfalls nackten Putten. Ein anderes Gemälde von einem anderen Künstler wurde dagegen abgelehnt. Auf ihm war ebenfalls eine nackte Frau zu sehen. Die aber hatte sich mit zwei Männern zum Picknick im Gras niedergelassen, die keine römischen Götter waren, sondern die ihre elegante Kleidung eindeutig als Herren aus der feinen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auswies.

Der Abgelehnte hieß Edouard Manet, das "Frühstück im Grünen" zählt inzwischen zu den bedeutendsten Werken der europäischen Kunst. Cabanel hingegen ist heute eher eine Randnotiz der Kunstgeschichte. Er gehört zu den so genannten Salonmalern, die zwar unbestritten mit großer technischer Fertigkeit ausgestattet waren. Künstlerische Innovationen aber waren ihnen fremd. Sie malten in der in Traditionen erstickten akademischen Manier pompöse Historiendramen oder mythologische Szenen. Wobei Cabanels Porträts der Damen der Gesellschaft mit ihrem eleganten, leuchtenden Inkarnat, den fein ziselierten Spitzen, den glänzenden, delikaten Stoffen am ehesten überzeugen. Die französischen Salonmaler erleben derzeit eine Renaissance: Die National Gallery in London präsentierte Paul Delaroche, das Pariser Musée d’Orsay Jean-Léon Gérôme, und jetzt feiert das Kölner Wallraf-Richartz-Museum Alexandre Cabanel.

Und Museumsdirektor Andreas Blühm wagte einen kühnen Schritt, um Cabanel als den zu präsentieren, der er letztlich war: ein Salonmaler, ein Popstar seiner Zeit. Deshalb hängte er die Bilder nicht einfach an die weiße Wand, sondern holte sich den Pariser Modedesigner Christian Lacroix ins Haus, wie Cabanel Absolvent der Kunsthochschule von Montpellier. Der kreierte mit leuchtendfarbigen Tapeten, die Designmotive jener Zeit aufgreifen, und einem schwarzweißen Teppichboden, der einen eleganten Fliesenbelag suggeriert, eine "große Oper in einer Kulisse mit altfranzösischem Flair", wie die "Ruhr Nachrichten" urteilten. In diesem Ambiente wird deutlich, dass Cabanel zwar kein Innovator war, aber ein gewichtiger Zeuge einer glamourösen, vielleicht auch schon dekadenten Gesellschaft der Reichen und Schönen, einer vergangenen Epoche, eben ein Salonmaler.

Alexandre Cabanel: Die Tradition des Schönen

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Mai Katalog im Hirmer Verlag: 29,90 Euro

http://www.wallraf.museum

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