Berlinale 2008

Forum Expanded



DAS SEXUALLEBEN DER INSEKTEN

Mit dem Forum Expanded erkundet die Berlinale den Grenzbereich zwischen Film und Kunst. art verrät Ihnen, welche Filme Sie auf keinen Fall verpassen sollten
// MICHAEL KOHLER

Der ganze Raum scheint zu pulsieren, seitdem Franziska Cordes mit ihrem Club Silencio eingezogen ist. Der Besucher hört jemanden atmen, und mit jedem Atemzug wirft ein Projektor weißes Licht auf die ihm gegenüberliegende Leinwand. Verstummt der Mensch fällt auch der Raum zurück ins Dunkel.

Auf denkbar einfache Weise koppelt Cordes die elementare Erfahrung des Ein- und Ausatmens an das biblische "Es werde Licht" und illustriert damit auf ergreifende Art die Fragilität des Lebens. Weil jeder Hauch der letzte sein könnte, hat sogar die Endlosschleife etwas Tröstliches.

Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass eine künstlerische Installation im Rahmen eines klassischen Filmfestival zu sehen ist. Die Berlinale (7.–17. Februar) erkundet die Grenzen ihres Metiers nun schon im dritten Jahr und öffnet dem "Forum Expanded" das Filmhaus am Potsdamer Platz.

Ab dem 9. Februar ist Franziska Cordes’ "Mirage" täglich von 10–18 Uhr in der "startklar Lounge" zu sehen, die Eröffnung des gesamten Programms wird am 8. Februar ab 22 Uhr gefeiert. Ein wenig Berlinale-Glanz fällt dabei ins Atrium des Filmhauses, wo sich die Schauspielerin Isabella Rossellini dem "anrüchigen" Sexualleben der Insekten widmet. In "Green Porno" kostümiert sie sich als Schnecke, Biene oder Fliege und führt augenzwinkernd vor, was in Brehms Tierleben schamvoll verschwiegen wird.

Ein deutlich ernsteres Motiv verfolgt Jörg Hommer im Roten Foyer: Sein "Spaziergang am Rand der Demokratie" führt ihn einmal um den Grenzzaun von Heiligendamm herum, und während man ihm gemächlichen Schrittes folgt, die Vögel zwitschern und Passanten lachen hört, wird einem die Alltäglichkeit dieser Bewehrung immer unheimlicher.

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