Monika Baer

Documenta 12

Verführung wider Willen
Vampir (1), 2007. (Fotograf: Jens Ziehe, Courtesy Galerie Barbara Weiss)

VERFÜHRUNG WIDER WILLEN

Wieder wird in Kassel nur wenig Malerei zu sehen sein. Kein Neo Rauch, kein Daniel Richter wurden eingeladen – aber Monika Baer. Ein Besuch bei der Erwählten
// ELKE BUHR

Da schwebt eine Kugel aus rosa Fleisch mit einem Hut und ein paar Haarsträhnen dar­­auf mitten im Bild. Die Kugel sieht bösartig und verkniffen aus – obwohl sie gar kein Gesicht hat. Neben dem bizarren, organlosen Kopf hängt eine große, filigran gearbeitete Pfeife im rosa vernebelten Raum. „Jäger“ heißt dieses Bild von 2003. Als Pendant dazu hat Monika Baer im gleichen Jahr ein Bild ohne Titel gemalt: Auch dort schweben ein paar seltsame Blasen, manche mit Haaren, manche mit Ornamenten, durch einen un­bestim­mten Ort – es könnte eine Felsengrotte sein. Doch der spektakuläre Mittelpunkt des Bildes gebührt hier dem Rückenakt einer sitzenden Frau mit hochgestecktem Haar.

Beim ersten Hin­schauen denkt man an die „Badende“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres oder an deren Adaption mit Violinstrichen von Man Ray, denn auch der Rücken dieser Frau ist mit einem feinen Strich markiert. Man denkt – die Pfeife! – an René Magritte, an Surrealismus. Und wenn man noch weitere Bilder der Serie be­trachtet, auf denen körperlose Mädchengesichter wie Masken aus weißen Schleiern hervortreten, das flatternde lange Haar wie aufgehängt an einem Totenkopf, dann denkt man an die Ro­mantikwelle, denkt an Kitsch. Und ist dabei, so findet die Malerin dieser bemerkenswerten Bilder, komplett am Oberfläch­lichen hän­gen geblieben.

„Ich verstehe nicht, wie sich die Leute so verführen lassen“, sagt Mo­nika Baer beim Interview auf ihrem Bal­kon hoch über dem Prenzlauer Berg in Berlin und lacht ein bisschen. Denn natürlich geht es ihr um spannungsvolle Sujets – bei der Fleischfigur des „Jägers“ dachte sie beispielsweise an weibliche Aggressivität. Aber sie versteht ihre Bilder nicht als Illustration von Ideen, auch nicht als ironische Zi­tatcollagen. Denn auf ihnen passiert viel mehr. Der Jäger, die nackte Schönheit, die Mädchengesichter, sie alle exis­tieren in einem geheimnisvollen Nichtort aus reiner Malerei: auf einem vielschichtigen Grund von Schüttun­gen und verwischtem Aquarell, von transparenten und pastosen Farbflächen, zwischen fein gezeichneten flora­len Elementen, zwischen halb abstrak­ten, halb gegenständlichen Ob­jekten, die Felsbrocken sein können oder Frisuren oder auch ein Stück Asphalt einer Straße.

„Meine Bilder sind Austragungsorte, Konfliktfelder auf mehreren Ebe­nen“, erklärt Monika Baer. „Das Sujet selbst liefert eine Art von Spannung, weil es vielleicht zu eindeutig aussieht oder zu offensiv ist oder in Richtung Kitsch geht – wobei ich das immer ernst meine. Gleichzeitig sind die Bilder völlig inhomogen gedacht und ge­macht. Da stoßen Zonen aufeinander, die nichts miteinander zu tun haben. Diese Grenzen und Brüche sind die Räume, die für mich aufgehen. Das ist es, was ich mit der Malerei versuche: Dass echte Möglichkeiten drin sind. Und nicht ein Abbild von irgend ei­nem Mädchen.“

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2 Leserkommentare vorhanden

Patrick Motyka

10:41

12 / 09 / 07 // 

Was ein quak

lol

Der Die Ärzte Fan

13:53

26 / 09 / 07 // 

WOW!

Was für ein Riesiges Talent sich doch hat! Ich hoffe das wenn ich von der kunsthochschule komme das ich auch solche wunderbaren welten erschaffen kann.

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