Melissa Chiu, Miwako Tezuka (Hrsg.): Yoshitomo Nara - Nobody’s Fool

Ein kluges Buch über das Gesamtwerk des japanischen Neo-Pop-Stars. Zwischen vielen bunten Abbildungen seiner Bilder, Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen gibt es immer wieder Essays, die dem Leser durch ein fröhliches Layout schmackhaft gemacht werden. So wird man bereits beim Blättern zum Lesen verführt und dringt ganz unmerklich in Naras Werk vor, das sich unter der Maske niedlicher Kulleraugen-Mädchen mit der zunehmenden Vereinsamung des einzelnen in einer global vernetzten Welt auseinandersetzt. Dass weder sein Gesellschaftsbild noch seine Ästhetik automatisch auf Manga zurückzuführen sind, belegt ein umfangreiches Interview mit dem Künstler, worin er Musik – vor allem Punk – als seine Hauptinspirationsquelle benennt. (DuMont Buchverlag, 272 S., zahlr. Abb., 39,95 Euro)

Marilyn Neuhart: The Story Of Eames Furniture

Ob Holz oder Draht, Glas oder Aluminium: Was immer die Designer Charles und Ray Eames anfassten, um daraus Stühle oder Tische zu entwerfen, geriet ihnen zu ebenso funktionalen wie formvollendeten Möbelstücken. Viele davon stehen längst in den großen internationalen Museen, der 1956 entstandene "Lounge Chair“ ist zum Klassiker der Moderne geworden. Nun hat die ehemalige Eames-Mitarbeiterin Marilyn Neuhart nach 15-jähriger Vorarbeit auf knapp 800 (mit rund 2500 Fotos gespickten) Seiten bis ins Detail beschrieben, wie das amerikanische Ehepaar arbeitete und zum Pionier des industriell produzierten Designs wurde. Trotz des stattlichen Preises und obwohl nur auf Englisch erschienen: Für Eames-Fans ist das zweibändige, kiloschwere Trumm unentbehrlich – und für Freunde zeitlos eleganter Möbel auch. (Verlag die Gestalten, 798 S., ca. 2500 Abb., 150 Euro)

Philip Jodidio: Shigeru Ban - Complete Works 1985–2010

Papierarchitekt ist eigentlich ein Spottname für Baukünstler, die so spinnert entwerfen, dass ihre Architektur Papier bleibt. Im Fall von Shigeru Ban ist dieser Titel allerdings frei von Spott. Der japanische Architekt hat seit den Achtzigern die Papprolle zum Baustoff entwickelt. Kirchen, Expo-Pavillons, Ateliers und Notunterkünfte für die Opfer von Erdbeben, Tsunamis und Bürgerkriegen hat Ban damit gebaut. Einfach, schnell, billig und ökologisch realisiert Ban mit Papier freundliche Gebäude von eigentümlicher Ästhetik. Aber auch mit den billigen Baustoffen Holz, Bambus oder Textil erfindet dieser besondere Architekt neue Gestalten. Sein letzter Clou: Das Centre Pompidou in Metz, ein Fächer aus Galerie-Röhren unter einem geflochtenen Holzdach. Die schöne und schwere Monografie dokumentiert alle Projekte Bans mit großen Fotos und einem Porträt von Philip Jodidio. (Taschen Verlag, 464 S., zahlr. Abb., 99,99 Euro)

Bernd Sikora: Industriearchitektur in Sachsen – Erhalten durch neue Nutzung

Dass die Identität einer Stadt nicht nur von Kirchen, Museen und Wohnvierteln bestimmt wird, sondern auch von seiner Industriearchitektur, ist erst in den letzten 20 Jahren selbstverständlich geworden. Vor allem im Ruhrpott hat Rettung und Umnutzung seit der Wende große Erfolge gefeiert. Aber auch Sachsen hat eine reiche Industriegeschichte, die es zu bewahren gilt. Der vorliegende Band dokumentiert nun die wechselvolle Geschichte sächsischer Fabriken und technischer Bauwerke. Erfolgreiche Projekte wie die Baumwollspinnerei in Leipzig werden ebenso präsentiert wie der sinnlose Abbruch von Fabriken für Grünflächen. Mit Wertung halten sich die Autoren allerdings zurück. Dass etwa der Umbau des Dresdner Erlwein-Speichers zum Hotel das Gebäude total verhunzt hat, muss sich der Leser selber denken. (Edition Leipzig, 144 S., zahlr. Abb., 29,90 Euro)

Henry Werner: Modern Art for Sale

Krise? Welche Krise? Der Kunsthandel jedenfalls kann nicht klagen: Seine Geschäfte liefen in den letzten Jahren sehr ordentlich, auch wenn die traditionell gern wehleidig auftretende Branche von einem "Boom“ nicht sprechen mag. Aber dass man vom Kunsthandel gut leben kann, zeigen nicht zuletzt die vielen internationalen Kunstmessen, denen der Kulturjournalist Henry Werner jetzt einen attraktiven Bildband mit vielen Fakten (und Anekdoten) gewidmet hat. Genau 30 dieser Schauen stellt er vor: von der absolut unentbehrlichen Art Basel über die trendige Londoner Frieze Art Fair bis hin zur gerade erst drei Jahre alten, aber schon ziemlich arrivierten Art Dubai. (Feymedia Verlag, 224 S., ca. 200 Abb., 49 Euro)

Magritte: Das Pop-up-Buch

Im Haus der schönen Bücher, wie der Verlag sich im Untertitel nennt, haben sich Tüftler etwas ganz besonderes ausgedacht: Magrittes rätselhafte Bilder werden durch Animationen und visuelle Verwirrspiele zu neuem Eigenleben erweckt: Ein Pferd mit Reiterin tritt auf eine verwunschene Lichtung, Vorhänge öffnen sich wie von Geisterhand, und ein Taube fliegt vor das Gesicht des Mannes mit Melone. Ein vergnügliches, in Sein und Schein verliebtes Buch. (Verlagshaus Jacoby & Stuart, 20 S., 29,95 Euro)

Helga Thalhofer: Anmut und Disziplin – Tanz in der bildenden Kunst

Durch alle Epochen – vom alten Ägypten bis zur Gegenwart –zählt der Tanz zu den zentralen Ausdrucksformen des Menschen. Kein Wunder, dass sich auch bildende Künstler zu allen Zeiten mit diesem Motiv befasst haben. Die Tanzbegeisterung in Europa zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hat besonders die Maler der Moderne inspiriert. Henri Matisse, Emil Nolde oder Edvard Munch widmeten sich dem Tanz in allegorische Darstellungen, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner oder Max Beckmann ließen sich in Nachtcafés und Varietés zu einigen ihrer berühmtesten Gemälde anregen. Die Autorin hat eine spannende Sammlung von Tanz-Bildern zusammengetragen, mit klugen Texten begleitet und in literarische Zeitzeugnisse eingebettet – ein Genuß zum Schauen und zum Lesen. (Wienand Verlag, 286 S., 196 Abb., 39,80 Euro)

Mathias Weber: Das Web-Adressbuch für Deutschland 2011

Wer am liebsten selber suchen und stöbern möchte, findet in der Neuauflage der „Web-Bibel“ einen unerschöpflichen aber wohlgeordneten Fundus an wichtigen, bewährten und verlässlichen Internetadressen. Da wundert es wenig, dass der Band nun bereits über eine halbe Million Käufer gefunden hat. Diesmal neu: Zu den 1800 üblichen Themenbereichen gibt es noch ein Spezial über die besten Online-Shops, dabei werden gleich 31 Adressen für Bücher gelistet. Für das gezielte Herumsurfen braucht es also nur noch einen stillen, verschneiten Tag zwischen den Jahren. Der aber kommt bestimmt. (M.W. Verlag, 766 S., 16,90 Euro)

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