Surrend
Interview
In Kopenhagen hängten sie Plakate auf, die über dem Slogan der französischen Revolution "Liberté, egalité, fraternité" eine Guillotine zeigt und daneben die abgetrennten Köpfe des dänischen Königspaars. Im art-Interview erklärt Jan Egesborg, der mit Pia Bertelsen den Kern der Gruppe bildet, warum sie das dänische Königspaar köpften, in Deutschland Witze gegen Juden planen – und was die Reaktionen auf ihre Arbeit über die Meinungsfreiheit aussagt.
art: Vergangenen Sommer haben Sie noch gesagt, Surrend würde keine Aktionen gegen Bush oder Blair starten, denn man müsse diejenigen angehen, vor denen die Menschen sich wirklich fürchten. Nun haben Sie in Kopenhagen Plakate aufgehängt, die die dänische Monarchin angreifen. Vor dem dänischen Königspaar muss sich doch keiner fürchten! Ist Surrend brav geworden, oder sind Ihnen einfach nur die Ideen ausgegangen?
Jan Egesborg: In Dänemark haben wir keinen Putin oder Ahmadinedschad. Hier sind die Machthaber friedlicher. Wir wussten aber schon, als wir Surrend vor zwei Jahren gründeten, dass wir einmal eine Aktion in unserer dänischen Heimat machen wollen. Wichtig bei satirischer Kunst ist immer die Machthaber als Ziel zu haben, und dazu gehört hier nun mal die Königsfamilie. Die Reaktionen der Bevölkerung zeigen, dass wir ganz und gar nicht als brav angesehen werden. Viele Leute sind sauer. In Dänemark ist die Mehrheit für die Beibehaltung der Monarchie. Das anzugreifen, ist nicht politisch korrekt.
Am 22. Februar eröffnen Sie im Berliner Kunstverein Tiergarten Ihre Ausstellung "ZOG – Surrend. Subversive Praxis im öffentlichen Raum". Wird Angela Merkel als deutsche Machthaberin im Zentrum der Ausstellung stehen?
Die drei Buchstaben "ZOG" stehen für "Zionist Owned Government". Das ist eine Konspirationstheorie, die besagt, dass Juden die Weltpolitik steuern. Araber, Linke und Neonazis vertreten diese These. Wir werden uns in der Ausstellung mit allen drei Gruppierungen auseinandersetzen – uns also darüber lustig machen. Und natürlich sparen wir auch die Juden nicht aus.
Satire über Juden, ist das nicht eine billige Methode, um in Deutschland zu provozieren?
Nein, es geht nicht nur darum. Wenn man eine Satire über den Propheten Mohammed machen kann, dann kann man das auch über die Juden machen. Wir meinen auch, dass Israel selber dazu beigetragen hat, dass es diese Konspirationstheorie gibt. Sie behandeln das palästinensische Volk schlecht. Ich selbst stamme aus einer jüdischen Familie, wenngleich ich nicht gläubig bin – und deshalb kann mir solche Scherze erlauben.