Gerhard Richter

Baden-Baden



RICHTER – GANZ PRIVAT

Die Gerhard-Richter-Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden präsentiert rund 60 Gemälde aus Privatsammlungen – und liefert einen sehenswerten Querschnitt durch sein Werk, das fasziniert und gleichermaßen irritiert.
// ADRIENNE BRAUN

Wäre Frieder Burda so skeptisch gewesen wie einst Götz Adriani, seine Kunstsammlung wäre heute um einiges unbedeutender. Als Adriani die ersten Bilder von Gerhard Richter sah, konnte er "nichts damit anfangen", Burda dagegen schlug zu und hat im Lauf der Jahrzehnte 35 Werke gekauft, die nun mit weiteren Bildern aus den Sammlungen Ströher, Böckmann und einer weiteren Privatkolletion im Museum Frieder Burda in Baden-Baden gezeigt werden.

Richter selbst hat die "Bilder aus privaten Sammlungen" gehängt, unterstützt von Götz Adriani, der Richter inzwischen doch für einen "der ganz Großen der Kunstgeschichte" hält. Großzügig hat Richter seine Auswahl von sechzig Bildern in dem Richard-Meier-Bau verteilt – und eine Schule des Sehens inszeniert.

Sie beginnt bei der Abstraktion und mausgrauen Leinwänden, die sich nur im Farbauftrag unterscheiden. Die Pinselstriche werden lebendiger, weitere Farben kommen hinzu - bis bei "Stand" und "Schräge" von 1988 die verschiedensten Farben mit breitem Spachtel über die Leinwände gezogen wurden.

Richters Credo ist es, in seiner Malerei stil- und emotionslos zu sein. So mäandert er bis heute durch die Techniken und Stile, ist mal expressiv, mal informel, dann wieder abstrakt und gleichzeitig gegenständlich wie bei "Schloss Schwanstein", das er 1963 von einem "Stern"-Titel abmalte und dabei schroff Gegenständliches und abstrakte Flächenkunst kombinierte. In Baden-Baden findet sich eine Auswahl seiner verschwommenen Bilder nach fotografischen Vorlagen: Hier jagen gut gelaunte schöne Menschen im Motorboot übers Wasser, dort lässt das "Besetzte Haus" (1989) den bundesdeutschen Alltag erahnen.

Die Ausstellung liefert einen sehenswerten Querschnitt durch sein Werk, das fasziniert und gleichermaßen irritiert, weil es sich in keine Schublade stecken lässt. "Der Schein ist mein Lebensthema", hat Richter einmal gesagt – und überlässt es dem Betrachter, die schönen Oberflächen mit Hintersinn aufzuladen.

"Gerhard Richter. Bilder aus privaten Sammlungen"

Termin: bis 27. April, Museum Frieder Burda, Baden-Baden. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 184 Seiten, 119 Abb., 24 Euro.

http://www.sammlung-frieder-burda.de

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1 Leserkommentar vorhanden

Werner Hahn

19:06

22 / 01 / 08 // 

Gerhard Richter: „Stil ist Gewalttat“ - „Stil“ der STIL-Losigkeit

"Ich mag alles, was keinen Stil hat: Wörterbücher, Fotos, die Natur, mich und meine Bilder. Denn Stil ist Gewalttat, und ich bin nicht gewalttätig", sagte Richter einmal. Um ästhetische Objektivität bemüht, schrieb Goethe 1789 den Aufsatz über „Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil“: „Gelangt die Kunst durch Nachahmung der Natur, durch Bemühung sich eine allgemeine Sprache zu machen, durch genaues und tiefes Studium der Gegenstände selbst, endlich dahin, dass sie die Eigenschaften der Dinge und die Art wie sie bestehen genau und immer genauer kennen lernt, dass sie die Reihe der Gestalten übersieht und die verschiedenen charakteristischen Formen neben einander zu stellen und nachzuahmen weiß: dann wird der STIL der höchste Grad wohin sie gelangen kann; der Grad, wo sie sich den höchsten menschlichen Bemühungen gleichstellen darf. Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten fähigen Gemüt ergreift, so ruht der STIL auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen.“ Info: www.art-and-science.de.

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